Umdeutungen
"Bau- und Abbruchabfälle: Der Abfallgruppe der „Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich Straßenaufbruch)“ kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu. Sie machte im Jahr 2019 mit rund 230,9 Mio. t den Großteil (55,4 %) des Brutto-Abfallaufkommens aus. Den größten Anteil an dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub, der mit 85 % überwiegend verwertet wurde. Auch die restlichen mineralischen Bauabfälle wurden zu einem erheblichen Teil verwertet. Die Entwicklung der Bau- und Abbruchabfälle verlief weitgehend parallel zur konjunkturellen Entwicklung im Baugewerbe." (Abbildung: Umweltbundesamt Dessau)
"Bau- und Abbruchabfälle: Der Abfallgruppe der „Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich Straßenaufbruch)“ kommt eine Schlüsselrolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft zu. Sie machte im Jahr 2019 mit rund 230,9 Mio. t den Großteil (55,4 %) des Brutto-Abfallaufkommens aus. Den größten Anteil an dieser Abfallgruppe hat der Bodenaushub, der mit 85 % überwiegend verwertet wurde. Auch die restlichen mineralischen Bauabfälle wurden zu einem erheblichen Teil verwertet. Die Entwicklung der Bau- und Abbruchabfälle verlief weitgehend parallel zur konjunkturellen Entwicklung im Baugewerbe." (Abbildung: Umweltbundesamt Dessau)
Studentische Lebensweisen
"Raumzelle" des strukturalistischen Ensembles
"Raumzelle" des strukturalistischen Ensembles
1997 bis 2000 ist das Ensemble bereits "pinselsaniert" worden, einige Veränderungen der Grundrisse trugen der Tatsache Rechnung, dass Studentinnen in kleineren Gemeinschaften mit mehr Komfort leben möchten. Haus- und Energietechnik sind nach nunmehr knapp 50 Jahren robuster Nutzung allerdings marode – wen kann das wundern? Aber um so wichtiger ist eine Erkenntnis: Dass ein solches Gebäudeensemble, obwohl es jahrzehntelang nicht gepflegt und in Schuss gehalten wurde, überhaupt so gut erhalten ist, spricht einmal mehr für seine ursprüngliche Qualität, die mit einer Initiative der Stuttgarter Denkmalpflege gewürdigt wird: mit einer "ergebnisoffenen Suche nach Pfaffenhof 2.0". Bauträgerisch zuständig ist die Vereinigung Stuttgarter Studentenwohnheime e. V. (VSSW), die keinen Hehl daraus macht, das Ganze abreißen und neu bauen zu wollen. Die VSSW beauftragte die Immobilienexperten albrings + müller ag mit einer Bestandsaufnahme, die mit der sehr fragwürdig formulierten These schloss: "Langfristig und nachhaltig gesehen, ist Abriss und Neubau die beste Option". Mit dem Schwerpunkt auf Bautechnik lassen sich manche Argumentationen der Bestandsaufnahme nachvollziehen, dass aber beispielsweise dadurch "Attraktivität und Image" als schlecht eingestuft werden, nicht. Dass "zukunftsorientierte Grundrissveränderungen nicht möglich" seien, erst recht nicht. albrings + müller ag, die sich auf ihrer Website als "Immobilienspezialisten" und als "Dienstleister mit technischer und kaufmännischer Expertise" bezeichnen, resümierten genauer:
"Denkmalschutz verhindert den Erhalt und Erneuerung des Objektes
• Für was etwas schützen, was nicht mehr bewohnbar ist
• Funktionaler Bedarf der Nutzer sollte höheren Stellenwert haben als öffentliche Belange für Denkmalschutz.
• Bei Betrachtung der Kosten ist die nachhaltigste und langfristig sinnvollste Option der Abriss der Anlage und dann neue Bauteile
• Neubau würde qualitative und quantitative Kriterien sowie notwendige Funktionen erfüllen, die das aktuelle Objekt nicht erfüllt."
Teilnehmer am Workshop zum Studentenwohnheim im Oktober 2021 (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)
Teilnehmer am Workshop zum Studentenwohnheim im Oktober 2021 (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)
Abwägen
Der Workshop zeigte in bester akademischer Disziplin, in respektvollem fachlichen Miteinander, was es heißt, sich sowohl technischen, als auch wirtschaftlichen und baukulturell relevanten Ansprüchen der Bausubstanz gleichzeitig zuzuwenden. Das Pfaffenhof-Studentenwohnheim zeigt aber auch, dass verantwortliche Eigentümer oder Träger jede Bausubstanz kontinuierlich und dauerhaft pflegen müssen, so dass es gar nicht so weit kommt, dass jemand an Abriss denkt. Pflege des Bestands ist in anderen Ländern wesentlich deutlicher ausgeprägt als in Deutschland.
Bestens proportioniert, funktional, aber energietechnisch veraltet: die Fassaden des Studentenwohnheims (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)
Bestens proportioniert, funktional, aber energietechnisch veraltet: die Fassaden des Studentenwohnheims (Bild: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart)
So wartet man jetzt im Fall Studentenwohnheim von atelier 5 auf die nächsten Schritte sorgsamer Planung. Auch die SWS wird als Trägerin den Prozess mit seinen vielfältigen Perspektiven verantwortungsvoll für Bauwerk und Nutzer wertschätzen und nicht nur auf 8 Prozent Rendite achten.
Neue Standards
Das ist es mir wert
- 11) Das gegen die Investitions- und Baupraxis erwirkte Denkmalschutzjahr 1975 ließe sich rückblickend als "bottom-up"-Erfolg werten; Hausbesetzungen lenkten vielerorts die Aufmerksamkeit auf den Bestand. Welche Ignoranz sich im retroseligen Neubau beispielsweise von Herrschaftsarchitektur eingebürgert hat, zeigt aktuell das Humboldt-Forum im rekonstruierten Schloss in Berlin, in dem fragwürdige "Sponsoren" mit Reliefs verewigt wurden. (http://schlossdebatte.de/)
- 22) https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/abfallaufkommen#deutschlands-abfall
- 33) Die Projektliste der Wüstenrot Stiftung setzt bei fachgerechter Sanierung Maßstäbe. https://wuestenrot-stiftung.de/#themen=809&posttypes=&p=1