Denkmalschutz und Weltkulturerbe
Rudolf Klophaus 1954 (Bild: HH mittendrin)
Rudolf Klophaus 1954 (Bild: HH mittendrin)
Am Bahnhofsvorplatz staffeln sich die Hochhausscheiben Richtung Hafen (Bild: Wilfried Dechau, 2014)
Am Bahnhofsvorplatz staffeln sich die Hochhausscheiben Richtung Hafen (Bild: Wilfried Dechau, 2014)
Die City-Hochhäuser Norrmalm/ Stockholm, Baustelle 1964. Architekten: Sven Markelius sowie die Büros von Backström & Reinius, David Helldén und Anders Tengbom (Bild: Wikipedia, Lennart af Petersens)
Die City-Hochhäuser Norrmalm/ Stockholm, Baustelle 1964. Architekten: Sven Markelius sowie die Büros von Backström & Reinius, David Helldén und Anders Tengbom (Bild: Wikipedia, Lennart af Petersens)
International
Die weiße Luftigkeit der Fassade mit Leca-Steinen aus Dänemark hielt jedoch nur wenige Jahre dem (damals noch nicht so genannten) sauren Regen stand und wurde 1978 hinter einer Schicht grauer Eternitplatten versteckt. Womit das Unglück begann, das da hieß: Jenseits aller städtebaulichen Modernität sahen die Gebäude schlicht hässlich aus. Es kam hinzu, dass das Grundstück in Erbpacht vergeben war, und gegen dessen näherrückendes Ablaufen hatte kein Eigentümer Lust anzusanieren. Die Häuser verfielen, wobei auch nicht die Nutzung durch das Bezirksamt Mitte geholfen hat - wer wollte sich schon mit der Kritik der Bürger auseinandersetzen, die mal wieder die Verschwendung des Senats hätten beklagen können, und das bei einem Bau für die eigenen Beamten? Von der Fußgängerpassage wollen wir ohnehin schweigen, die langsam vor sich hin verwahrloste.
City-Höfe Hamburg: Durchblick vom Hauptbahnhof Richtung Innenstadt (Bild: Wilfried Dechau, 2014)
City-Höfe Hamburg: Durchblick vom Hauptbahnhof Richtung Innenstadt (Bild: Wilfried Dechau, 2014)
Denkmalschutz und Finanzbehörde
Das missfiel allerdings der Finanzbehörde und dem (von dort 2014 ausgegliederten) Liegenschaftsamt; in einem Drucksachenentwurf aus dem gleichen Jahr kam sie zu der Erkenntnis, das „Erbbaurecht ist jetzt abgelaufen und das Grundstück samt dem, was darauf steht, fällt an die Stadt zurück,“ und das „sei eine Chance für die Stadt, weil ihr ein Verkauf mit Auflagen die kulturell und sozial optimale Nutzungskombination des Grundstückes erlaube“, wie das Hamburger Abendblatt zitierte. Was die „kulturell und sozial optimale Nutzungskombination“ sein könnte, wurde nicht verraten, aber die Begriffe „sozial“ und „kulturell“ in einem Satz klangen schon mal gut in sozialdemokratischen Ohren und waren weit weg genug von einem Wort wie „kapitalistisch“. Auch wurde nicht begründet, warum man zum Nutzen der Kultur einen unter Denkmalschutz stehenden Bau abreißen müsse.
Immobilien-Werte
Orientiert am Erscheinungsbild des Ursprungsbaus: gmp (Volkwin Marg) schlug eine weiß emaillierte, gedämmte Fassade und eine belebte Erdgeschosszone vor. (Bild: gmp)
Orientiert am Erscheinungsbild des Ursprungsbaus: gmp (Volkwin Marg) schlug eine weiß emaillierte, gedämmte Fassade und eine belebte Erdgeschosszone vor. (Bild: gmp)
Weg damit
Das Interessante an der öffentlichen Diskussion war, dass die Frontlinien nicht eindeutig verliefen; Hermann Hipp als ehemaliger Denkmalschützer meinte, „geben Sie den Denkmalschutz frei, damit etwas Vernünftiges mit dieser Stelle passieren kann, aber nehmen Sie bitte auch nicht diesen sagenhaft langweiligen Prien-Entwurf selbst nur als Vorentwurf“. Auf der anderen Seite argumentierte Volkwin Marg, „das ist ein Stück Historie. Historie hat nicht schön zu sein, sondern Historie hat einfach nur eine Bedeutung zu haben“. Marg und sein Büro gmp hatten einen Sanierungs- und Umnutzungsentwurf im Wettbewerb vorgelegt, der bewies, dass der Erhalt der Bauten ökonomisch möglich sei, der auch in den anderen Kategorien am besten bewertet wurde, der aber aus formalen Gründen ausgeschlossen wurde – was bis heute Fragen aufwirft.
Im März 2018 schließlich wurde die Abrissgenehmigung für den Gebäudekomplex erteilt, nachdem im Architektenwettbewerb Mitte 2017 ein Entwurf prämiert worden war, der genau das erfüllte, was der Oberbaudirektor gefordert hatte: Blockbebauung und roter Klinker. Jörn Walter saß im Preisgericht. Aber genau in dieser architektonischen Vorgabe liegt der Fehler. Natürlich kann man über den Denkmalwert streiten – das ist die historische Betrachtungspflicht. Man kann aber nicht die architektonische Qualität der vier Scheiben übersehen, gerade nach der Nobilitierung des Kontorhausviertels zum Welterbe. Sie liegt in der stadträumlichen Transparenz des Scheiben-Ensembles und in der Andersartigkeit der Fassaden. Die vier schlanken Scheiben des City-Hofes waren seinerzeit das Ergebnis einer klugen Entscheidung für eine bewusste Absetzung von den Kontorhäusern der zwanziger und dreißiger Jahre, sowohl als Scheiben, die den Durchblick auf die roten Klinkerbauten dahinter freigaben, wie auch in der ursprünglichen weiß leuchtenden Farbe der Bauten.
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Beim Wettbewerb zum Neubau-Projekt beteiligten sich selbstverständlich viele Architekten, in zweiter Phase gewannen KPW Papay Warncke und Partner. Wettbewerbsergebnisse siehe Baunetz > hier
Beim Wettbewerb zum Neubau-Projekt beteiligten sich selbstverständlich viele Architekten, in zweiter Phase gewannen KPW Papay Warncke und Partner. Wettbewerbsergebnisse siehe Baunetz > hier
Wenn die Stadtväter und der damalige Oberbaudirektor der Meinung sind, der Abriss sei die beste Lösung, obwohl es nachgewiesene, auch ökonomisch sinnvolle Alternativen gibt, dann mögen sie das vertreten. Sie sollen es mit einer schlüssigen Begründung tun und der Öffentlichkeit darlegen, warum sie den Vorgaben des Gesetzes nicht folgen, das da fordert, die "Freie und Hansestadt Hamburg soll auch als Eigentümerin oder sonst Verfügungsberechtigte und als obligatorisch Berechtigte durch vorbildliche Unterhaltungsmaßnahmen an Denkmälern für den Wert des kulturellen Erbes in der Öffentlichkeit eintreten". Von vorbildlichen Erhaltungsmaßnahmen war zumindest beim City-Hof bisher nichts zu bemerken.
Städtebaulich wird die Situation eindeutig verschlechtert. Es entsteht ein ökonomisch rentables Konstrukt für einen Investor, der dort rund dreißig Prozent mehr bauen darf, als jetzt dort steht. Anstelle von bisher 35 000 Quadratmetern Bruttogeschossflächen werden knapp unter 45 000 Quadratmeter gebaut; der Grundstückspreis wird entsprechend und das Geschäft für die Stadt lukrativ sein. Ob die angepeilten 140 Wohnungen das Viertel wirklich beleben, ist zumindest zweifelhaft.
Eine Abrissgenehmigung ist laut Gesetz zu erteilen, wenn "überwiegende öffentliche Interessen dies verlangen". Eine Verschlechterung einer städtebaulichen Situation und die Gefährdung des Weltkulturerbestatus können kaum als öffentliches Interesse gelten. Der eigentliche Wert des City-Hof-Ensembles besteht nämlich nicht in den alten, weißen Leca-Platten unter der heutigen Fassade oder in einer nicht funktionierenden Passage, sondern darin, dass der Architekt Rudolf Klophaus verstanden hat, wie man mit dem Kontorhausviertel umgehen muss: Nämlich indem man es in seiner Einzigartigkeit hervorhebt. Und nicht in einem Brei von durchschnittlichen Bauten versinken lässt, die so ähnlich aussehen.
Ein weiterer Abriss: Das Hamburger Deutschlandhaus am Gänsemarkt, das unter Denkmalschutz zu stellen versäumt wurde, wird einem Neubau von Hadi Teherani weichen. Es entstand 1928-29 nach Entwürfen von Fritz Block und Ernst Hochfeld (Bild: Wikipedia, Wolfgang Meinhart). Empört: Jan Störmer in der ZEIT am 5. März 2018 > hier
Ein weiterer Abriss: Das Hamburger Deutschlandhaus am Gänsemarkt, das unter Denkmalschutz zu stellen versäumt wurde, wird einem Neubau von Hadi Teherani weichen. Es entstand 1928-29 nach Entwürfen von Fritz Block und Ernst Hochfeld (Bild: Wikipedia, Wolfgang Meinhart). Empört: Jan Störmer in der ZEIT am 5. März 2018 > hier
Gesetzeslagen und Privatinteressen
Hier wird also mit scheinbaren Argumenten aus Städtebau und Architektur nur eine Stellvertreter-Diskussion geführt: Denn geht es nur um Geld. Das will eine SPD-Regierung aber nicht zugeben.
http://www.hamburg.de/bkm/denkmalrat/4504372/beschluesse/
http://www.city-hof.org