(Bild: Ursula Baus)
Es ist zwar verständlich, wenn innerstädtische Projekte die Gemüter erhitzen, aber derartige Vorhaben sind Nebenschauplätze im Vergleich zum bundesweiten Flächenverbrauch von derzeit 56 ha pro Tag oder 204 Quadratkilometer pro Jahr – was der Fläche Stuttgarts entspricht.2) Dieser Flächenverbrauch findet in den Metropolregionen statt – und zwar in den suburban strukturierten Siedlungsgebieten.
Hamburg, Suburbia; in allen in diesem Beitrag gezeigten Karten sind – auf der Grundlage von schwarzplan.eu – die Einfamilienhaus-Gebiete rot dargestellt. (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Hamburg, Suburbia; in allen in diesem Beitrag gezeigten Karten sind – auf der Grundlage von schwarzplan.eu – die Einfamilienhaus-Gebiete rot dargestellt. (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Mythos „europäische Stadt“
Berlin und Umgebung (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Berlin und Umgebung (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Köln und Umgebung (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Köln und Umgebung (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Die suburbane Wirklichkeit
Der Grad der Suburbanisierung steigt ständig – aufgrund laxer Haltung zum Flächenverbrauch, der in Deutschland eigentlich auf 20 ha pro Tag beschränkt werden muss, und aufgrund des unausgesprochenen, gesamtpolitisch und -wirtschaftlich gewollten Multiplikatoreffekts der Einfamilienhausproduktion. Ein hohes Interesse daran, die Suburbanisierung weiterzuführen, haben vor allem jene politische Parteien, die besonders in den suburbanen Wahlkreisen erfolgreich sind; hier genügt ein Vergleich zwischen den Karten zu Wahlergebnissen nach Wahlkreisen und zu den suburbanen Siedlungen. Eigentum fördert bekanntlich eine konservative Haltung. Auch die Finanz-, Auto-, Bau- und Konsumgüterindustrien haben kein gesteigertes Interesse daran, den BundesbürgerInnen ihren Traum vom Eigenheim zu nehmen.
In München und Umgebung ist der Bedarf an (bezahlbaren) Wohnungen zwar besonders hoch, doch auch hier dominiert in der Umgebung das Einfamilienhaus. (© 2020 Hoidn Wang Partner)
In München und Umgebung ist der Bedarf an (bezahlbaren) Wohnungen zwar besonders hoch, doch auch hier dominiert in der Umgebung das Einfamilienhaus. (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Wirkungslose Versprechen trotz Klimawandel
"Rosaplan" für Frankfurt am Main (© 2020 Hoidn Wang Partner)
"Rosaplan" für Frankfurt am Main (© 2020 Hoidn Wang Partner)
Wir haben ja noch so viel Zeit ... bis der Klimawandel unumkehrbar wird. Und, überhaupt, auf ein paar Eigenheime an den Siedlungsrändern, ein paar SUVs, ein paar Kilometer Autobahn mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Die Menschen in Deutschland haben sich ihren Spaß hart verdient. Sollen erst einmal die Chinesen, die Nordamerikaner, die Inder ihren CO2-Ausstoß senken, danach könne man in der BRD vielleicht über die eigenen Einsparmaßnahmen auch im Flächenverbrauch nachdenken.
2) www.stuttgart.de, 207,33 km2
3) Hoidn Wang Partner, Kartierung suburbaner Siedlungsbereiche: Berlin-Brandenburg, Hamburg, Köln, Rhein-Main, München, 2020. Diese Analyse definiert suburbane Siedlungsstrukturen einzig durch Einfamilienhaustypen: freistehend, im Doppel, Reihen- und Hofhäuser. Mehrgeschosswohnbauten gehören in dieser Analyse nicht dazu.
Das ist es mir wert
- 1Walter Siebel (Hrsg.): Die europäische Stadt. Frankfurt am Main, 2004; Thomas Sieverts: Zwischenstadt. Zwischenstadt. Zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land. Bauwelt Fundamente Bd. 118, Braunschweig, 1997; Thomas Sieverts, Michael Koch, Ursula Stein, Michael Steinbusch: Zwischenstadt – inzwischen Stadt? Entdecken, Begreifen, Verändern. Wuppertal, 2005; Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung der ländlichen Räume, 2016
- 2In der BRD liegt der Bau von Einfamilienhäuser seit Jahrzehnten – trotz Finanzkrise 2008/2009 – bei etwa 90 000 Einheiten pro Jahr, und diese Häuser werden nicht in den Innenstädten errichtet, siehe > Statista: Anzahl der Einfamilienhäuser in Deutschland bis 2019 | Statista