Marktgeschrei (25) | Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Jahresende sehe... Bis dahin könnte sich die Lage im innerstädtischen Einzelhandel dramatisch zugespitzt haben. Fördergelder und andere Interventionen, die nur die alten Strukturen etwas länger am Leben halten, werden das Problem nur verschärfen.
Das ist kein Somerlochthema. Die in den letzten Wochen in den Tageszeitungen und Fachblättern geäußerten und zahlreichen Sorgen um die deutschen Innenstädte sind berechtigt. Das Wort der Verödung macht die Runde, was hier auf die Einkaufsstraßen und nicht auf Krampfadern bezogen ist und deswegen auch sofort signalisieren soll, dass hier höchste Alarmstufe gilt. Dem mag man nicht widersprechen. Die Einzelhändler leiden unter den Folgen der aktuellen Krise und sie werden vermutlich noch deutlich schwierigeren Zeiten entgegen sehen, wenn die kältere Jahreszeit beginnt und der Aufenthalt im Freien ungemütlich ist.Die Probleme sind nicht neu
Fußgängerzone in ... ach, egal. (Bild: Wikimedia Commons, Eva K.)
Fußgängerzone in ... ach, egal. (Bild: Wikimedia Commons, Eva K.)
Und dann ist da die andere Seite: der Internethandel. Auch nichts Neues. Corona wirkt lediglich als Brandbeschleuniger, nicht als Brandstifter. Weswegen auch eilends einberufene Runde Tische zu spät kommen könnten und aus dem Boden gestampfte Digitalisierungsstrategien wohl zu wenig Entlastung führen werden: „So schnell kann sich der Handel gar nicht digitalisieren, wie sich dieses Problem aufschaukelt“, so Thomas Krüger von der HCU in der Süddeutschen Zeitung.
Ziemlich schlechte Symbolpolitik
Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Räumungsverkauf eines Geschäftlokals in Berlin, dass wegen der enorm hohen Miete schließen musste. (Bild: Bundesarchiv, Bild 102-12314 / CC-BY-SA 3.0)
Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Räumungsverkauf eines Geschäftlokals in Berlin, dass wegen der enorm hohen Miete schließen musste. (Bild: Bundesarchiv, Bild 102-12314 / CC-BY-SA 3.0)
Sommerschlussverkauf. Für manche Geschäfte der letzte. (Bild: Christian Holl)
Sommerschlussverkauf. Für manche Geschäfte der letzte. (Bild: Christian Holl)
In der Konsequenz hieße das vor allen, dass man sich nicht nur des Wohnungsmarktes wegen um das Thema der Bodenpolitik kümmern müsste, darum, dass Städte über eine aktive Bodenpolitik ihre Entwicklung wieder steuern können: eben auch in den schwierigen Zeiten entgegensehenden Innenstädten. An dieser Stelle sei dem kürzlich verstorbenen Hans-Jochen Vogel gedacht, der den Zusammenhang zwischen Bodenmarkt und sozialer Gerechtigkeit unermüdlich zum Thema gemacht hat – zuletzt mit seinem Buch „Mehr Gerechtigkeit“. „Wir sollten in seinem Sinne weiterkämpfen, damit sich endlich etwas ändert“, hatte die SZ-Autorin Laura Weißmüller zu seinem Tod getwittert. Da hat sie recht. Es ist ein dickes Brett, das da gebohrt werden muss, das kann man nicht beschönigen. Aber das heißt erst recht, damit endlich anzufangen.