Wiedergelesen: Stadtentwicklung bei zunehmender Bodenknappheit (1993)
Immer mehr Baugebiete wurden seit 1993 ausgewiesen. Die aktuelle Wohnungsnot konnte das nicht verhindern. Was lief falsch? (Bild: pixabay.com)
Immer mehr Baugebiete wurden seit 1993 ausgewiesen. Die aktuelle Wohnungsnot konnte das nicht verhindern. Was lief falsch? (Bild: pixabay.com)
Auch das gehört zur Problematik: eingeschossige Gewerbehallen. (Bild: Christian Holl)
Auch das gehört zur Problematik: eingeschossige Gewerbehallen. (Bild: Christian Holl)
Die zentrale Frage: Wie wird Bodennutzung gesteuert?
Es liegt auf der Hand, dass eine tiefgehende Analyse dieser Art keine einfachen Rezepte lieferte – wer hofft, sie heute angesichts der in so vielen Aspekten vergleichbaren Lage in diesem Buch zu finden, wird enttäuscht werden; auch sind die Empfehlungen keine im Detail ausgearbeitete Handlungsanweisung, sie werden als „Grobskizze“ bezeichnet, die in eine langfristige Strategie hätte münden sollen. Ob ihre Vorschläge auch politische Akzeptanz finden würde, konnte die Kommission freilich nicht wissen, sie schien sich darin trotz allen Augenmaßes, um das sie sich bemühte, skeptisch zu sein.
Denn sie wollte auch keine einfachen Antworten liefern. Das aber genau macht die Qualität der Publikation aus. Das Gremium forderte ein vernetztes Denken, das Mobilität, Gewerbe und Wohnen zusammensieht. Es forderte eine Sichtweise auf Verkehrspolitik, die sich vom starren Modal-Split-Denken löst und öffentlichen mit individuellem Verkehr kombiniert, anstatt auf ein Entweder-Oder zu zielen. Es forderte eine politische Steuerung, die sensibel dafür bleibt, wie sich Änderungen sozial auswirken. Mengenrationierungen (etwa was die Ausweisung von Bauland angeht) wurden abgelehnt, wenn sie nicht mit anderen Instrumenten kombiniert werden: denn sonst führten sie nur zu Verknappungen, die die Schwachen am härtesten träfen.
Bestandsmanagement ist mühsam. Hätte man 1993 schon damit angefangen, wäre man heute wesentlich weiter. (Bild: Maren Harnack)
Bestandsmanagement ist mühsam. Hätte man 1993 schon damit angefangen, wäre man heute wesentlich weiter. (Bild: Maren Harnack)
Eine neue Politik
Ein Thema, dem ebenfalls eine hohe Bedeutung eingeräumt wird, ist das Bestandsmanagement – viel sei zu gewinnen, wenn man den Bestand besser nutze und sich nicht allein auf den Neubau verlasse, zumal dies auch ökologischer Hinsicht sinnvoll sei. Der Schutz des Eigentums, der einem solchen Management Grenzen setzen könnte, wurde mit einem entscheidenden Hinweis relativiert: Es wird zurecht darauf verwiesen, dass ein Missverhältnis zwischen den Regeln und den Einschränkungen für den Neubau und denen, die die Nutzung des Bestands regele, bestehe. Richtig. All dies gilt genauso heute.
Selbstverständlich sind nicht alle Themen, die heute eine Rolle spielen, im Buch angesprochen. Fragen nach architektonischer oder städtebaulicher Qualität sind allenfalls gestreift. Weichere Faktoren, wie die nach dem Selbstbild der Kommunen, nach einem Verständnis von Stadtregion, das Landschaft, Verkehr, Gewerbe, Wohngebiete und als Einheit versteht, sind ebenfalls kaum aufgegriffen. Aber man bedenke: Thomas Sieverts hatte „Zwischenstadt“ noch nicht geschrieben. Was heute selbstverständlich scheint, musste erst noch erarbeitet werden. Überraschender vielleicht ist, dass die politische Dimension einer regionalen Steuerung, eines regionalen Ausgleichs von Lasten und die Potenziale einer regionalen, auf Kooperation gerichteten politischen Institution, kaum behandelt wurden. Auch auf diesem Gebiet sind in den letzten Jahren nur wenig Fortschritte erzielt werden. Der Regionalverband Frankfurt Rhein-Main beispielsweise ist sogar eine Verschlechterung, denn gegenüber seiner Vorgängerinstitution baut er rein auf Freiwilligkeit auf und hat keinerlei exekutiven Rechte.
Gewarnt wurde 1993 eindringlich davor, darauf zu setzen, dass sich die Probleme von alleine lösen, dass die Phase des kräftigen Wachstums in wenigen Jahren auslaufen werde, dass die Bevölkerung schrumpfen werde. Denn Deutschland sei, so wurde betont, ein Einwanderungsland – noch 24 Jahre später ist das keine unbestrittene Einsicht. Die Warnungen wurden überhört – die derzeitige Lage führt dies deutlich sichtbar vor Augen.
Die Bundesstiftung widmet sich der Frage, wie umgesteuert werden kann, am 29. Juni
Die Bundesstiftung widmet sich der Frage, wie umgesteuert werden kann, am 29. Juni
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