Eva von Engelberg-Dočkal: Neo-Historismus? Historisierendes Bauen in der zeitgenössischen Architektur. Hrsg.: Gabi Dolff-Bonekämper, Hans-Rudolf Meier, Jürg Sulzer: Stadtentwicklung und Denkmalpflege, Bd. 19. 176 Seiten, Jovis-Verlag, 2023. ISBN 978-3-86859-610-6, 32 Euro.
Eva von Engelberg-Dočkal: Neo-Historismus? Historisierendes Bauen in der zeitgenössischen Architektur. Hrsg.: Gabi Dolff-Bonekämper, Hans-Rudolf Meier, Jürg Sulzer: Stadtentwicklung und Denkmalpflege, Bd. 19. 176 Seiten, Jovis-Verlag, 2023. ISBN 978-3-86859-610-6, 32 Euro.
Sowohl als auch
Seite aus dem besprochenen Band
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Auch die deutschen Beispiele sind uns präsent, Berlin, Dresden, Frankfurt, Lübeck oder Potsdam boten in den letzten Jahren genügend Anschauungsmaterial. War zunächst der Wiederaufbau von der integren Überlegung bestimmt, ob nicht die Kriegsschuld eine historische Rekonstruktion verbiete und das Abschlagen des Stucks die Ankunft in der Moderne fördern würde, schienen mit der Postmoderne die Dämme gebrochen für einen historisierenden Weiterbau mit Erlebnischarakter. „Neue Altstadt“ wurde zum Terminus, dass dabei durch die Anforderungen nach Komfort oder Kommerz bisweilen Homunculi geschaffen wurden, kümmerte eher das Architekturfeuilleton als die Bürger. Der Sonderfall zweier deutscher Staaten löste nach der Wende politische Debatten aus, wenn für die Reanimation der Baugeschichte DDR-Nachkriegsmoderne beseitigt werden musste.
Inzwischen steht der großstädtische Neo-Historismus unter Beobachtung, weil man dieser Architekturnostalgie unterstellt, den Hintergrund für ein rechtes Rollback zu schaffen. Davon hält sich die wissenschaftlich ambitionierte Autorin lieber fern, beklagt stattdessen die mangelnde gestalterische Qualität, dadurch ausgelöst, dass dieses vergangenheitsbehaftete Bauen „an deutschen Hochschulen nicht oder kaum gelehrt wird“.
In den Niederlanden schließlich entstand nach dem Krieg ein breites Spektrum malerischer Traditionsarchitekturen, aber man war sich auch des nationalen Beitrags zur „Architekturmoderne“ bewusst. Insofern regte sich ein zweifaches Interesse an der Rezeption vertrauter Gebäudetypologien, was verschiedene parallele Strömungen auslöste, so dass für die jüngere niederländische Architektur „die dezidierte Vielfalt unterschiedlicher Ansätze“ bestimmend ist.
Kolberg, Häuserzeile gegenüber vom Rathaus (Bild: Eva von Engelberg-Dočkal, aus dem besprochenen Band)
Kolberg, Häuserzeile gegenüber vom Rathaus (Bild: Eva von Engelberg-Dočkal, aus dem besprochenen Band)
Alles und nichts
Architektur steht der Literatur näher als der Wissenschaft. Man sollte deshalb vital darüber erzählen und sich nicht (pseudo-)wissenschaftlich quälen.