Drei Viertel des Jahres sind vergangen, der Bauhaus-Feier-Dauermarathon neigt sich dem Ende zu. Neue Museen wurden eröffnet, Ausstellung reihte sich Ausstellung, Publikation an Publikation. Wir richten den Blick auf zwei Veröffentlichungen und eine Internetausstellung, die sich wohltuend von dem großen Hype abheben.
bauhaus – documenta – Grafik von L2M3, Stuttgart, © documenta archiv
bauhaus – documenta – Grafik von L2M3, Stuttgart, © documenta archiv
Ein weiterer Schwerpunkt waren – Oswalt lehrt in Kassel – die Bezüge zwischen Bauhaus und der großen Kunstausstellung documenta. Die noch bis zum 10. November zugängliche virtuelle Ausstellung "Wieviel Bauhaus steckt in der documenta?", die diesen Bezügen nachspürt, ist Teil des Projekts „bauhaus | documenta. Vision und Marke“, sie wurde von Birgit Jooss kuratiert. Der Begriff der Ausstellung ist insofern verwirrend, als er an ein Vermittlungsformat denken lässt, das räumlich organisiert Exponate, Erläuterungen, Inszenierung und Installation miteinander verknüpft. Im Internet sind es Bilder, Textblöcke, die von einer Startseite, die als erweitertes Inhaltsverzeichnis aufgerufen werden können und über Links wieder untereinander verknüpft sind oder zu weiterführenden Quellen außerhalb der Webseite führen.
Paul Klee: Umgriff, 1939, Kleister-, Ölfarbe und Aquarell auf Papier auf Karton, 23,5 x 31 cm. © documenta archiv
Paul Klee: Umgriff, 1939, Kleister-, Ölfarbe und Aquarell auf Papier auf Karton, 23,5 x 31 cm. © documenta archiv
Ausstellungsansicht des großen Malereisaals im Museum Fridericianum. documenta 1 (1955). © documenta archiv / Foto: Günther Becker
Ausstellungsansicht des großen Malereisaals im Museum Fridericianum. documenta 1 (1955). © documenta archiv / Foto: Günther Becker
Die Ausstellung zeigt Verbindungen und Hintergründe anschaulich und gut nachvollziehbar, auch wenn sich hin und wieder Tücken des Netzes bemerkbar machen – nicht alle Links funktionieren, andere sind aus dem Inhaltsverzeichnis nicht direkt aufrufbar. Auch hätte es nicht unbedingt sein müssen, dass Bilder beim drüberscrollen so groß werden, dass sie nicht mehr vollständig sichtbar sind. Ton- oder Filmdokumente sind nicht integriert, lassen sich aber bei einer Weiterentwicklung eines solchen Formats durchaus denken, das sich weiter als komplentäres Vermittlungsformat zu Ausstellungen etablieren wird.
Statt dessen wird der Blick gezielt auf die Weiterentwicklung und Rekontextualisierung von Bauhaus-Ideen in verschiedenen Ländern gerichtet, die oft wenig im Blickpunkt stehen: Australien, Russland, China, Palästina zur Zeit des britischen Protektorats und den USA einschließlich den Rücktransfers nach Deutschland. Dabei tauschen Personen wie Robert Rauschenberg, Hin Bredendieck oder Ludwig Hirschfeld-Mach auf, die Bauhaus-Pädagogik wird in ihrer besonderen Rolle und Wirkung mehrmals hervorgehoben. Mit einem anderen und neuen Blick auf das Bauhaus, der sich nicht, wie sonst meist, auf die Erzeugnisse konzentriert, verbindet Eduard Führ, Gründer von Wolkenkuckucksheim, in seinem Beitrag „Return to Progress“ außerdem eine Hoffnung: „Beim Bauhaus geht es nicht (...) um Deduktion eines Werkes aus einem Regelwerk. Bauhaus heißt Genese des Subjekts. Entwerfer*innen sind nicht allein die Architekten*innen, sondern alle Nutzer*innen und alle Betrachter*innen, sofern sie sich lesend – das heißt, die Komplexität und die Irritationen explizierend – auf das Werk einlassen. Das braucht allerdings – wie jedes gute Buch – seine Zeit und das Bewusstsein des Noch-Nicht-Wissens. Können wir dahin zurückkehren? Können wir dort wieder anfangen?“
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