Wie wäre es um die Rezeption des Werks des Architekten Erich Mendelsohn heute wohl bestellt, hätte er auf PR soviel Wert gelegt wie einst seine Zeitgenossen Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe oder das Team von Duplex Architekten heute? Über die Wohnbauten von Duplex liegt nun ebenso ein Buch vor wie über Bauten und Projekte Mendelsohns. Die Bücher erzählen nicht nur etwas über ihre Bauten, sondern auch über den Willen zur Selbstdarstellung ihrer Architekt:innen.
Ludovic Balland und Nele Dechmann (Hg.): Duplex Architekten. Wohnungsbau neu denken. 416 Seiten, 119 farbigen und 829 Duplex-Abbildungen, Pläne und Grafiken, 58 Euro Park Books, Zürich 2021
Ludovic Balland und Nele Dechmann (Hg.): Duplex Architekten. Wohnungsbau neu denken. 416 Seiten, 119 farbigen und 829 Duplex-Abbildungen, Pläne und Grafiken, 58 Euro Park Books, Zürich 2021
Eine Reihe namhafter Autoren hat dieses Team zusammen mit dem Büro für das Buch versammelt: Neben Nele Dechmann, Anne Kaestle und Dan Schürch haben auch Hubertus Adam, Marc Angélil, Andreas Ruby, Caspar Schärer, Philip Ursprung, Niklas Maak und Günther Vogt Texte beigesteuert. Den Auftakt macht Niklas Maak mit einem umfassenden und bereits in der FAZ publizierten Essay zum Werk des Büros. Dem schließt sich eine Folge thematischer Zuordnungen an: „Studentisches Wohnen“, das sich dem Studierendenwohnheim Habitat in Basel annimmt, „Urbanes Wohnen“, das das WALO-Haus in Zürich porträtiert, die Zürcher Siedlung Buchegg fällt in das Rubrum „Wohnen trotz Lärm“, das Projekt am Limmatfeld unter „Wohnen am Stadtrand“ und für das Hunziker Areal wird das bereits eingeführte „Mehr als Wohnen“ aufgefrischt.
Blick ins Buch
Blick ins Buch
So kommen konkrete Architekturbeschreibungen zusammen mit Interviews und Kurzkritiken sowie den Hintergrunderläuterungen von Kaestle und Schürch zu Bezügen in der Architektur von Duplex Architekten oder zur Wichtigkeit von Material und Fügung. Im Zusammenspiel mit den mannigfaltigen Illustrationen und Planzeichnungen lässt sich so die Arbeit von Duplex Architekten gut nachvollziehen. Seine Relevanz bezieht das Buch dabei weniger aus der gewohnt PR-affinen Selbstdarstellung, sondern ob der Kraft der Projekte. Ludovic Balland und Nele Dechmann dokumentieren hier, wie es Anne Kaestle, Dan Schürch und ihren Teams immer wieder gelingt, Architektur zu entwickeln, die kraftvoll und selbstverständlich im Dienst der Bewohnerinnen und Bewohner steht und das, obschon sie selbst oft genug in Kontexten verortet ist, an denen „alles zu spät“ ist, wie Niklas Maak in seinem Text schreibt. Hier wird deutlich, welche Wirkmacht Architektur haben kann, wenn ihre Stärken von fähigen Gestaltern ausgespielt werden.
Carsten Krohn, Michele Stavagna: Erich Mendelsohn. Bauten und Projekte 240 Seiten, zahlreiche Pläne und Fotos, 69,95 Euro Birkhäuser, Basel 2021
Carsten Krohn, Michele Stavagna: Erich Mendelsohn. Bauten und Projekte 240 Seiten, zahlreiche Pläne und Fotos, 69,95 Euro Birkhäuser, Basel 2021
Das Buch greift die Konzeption früherer Publikationen von Carsten Krohn auf und zeigt ausgewählte Bauten aus dem Œuvre Mendelsohns in neu gezeichneten, klaren und prägnanten Grundrissen und Ansichten, historischen und aktuellen Fotos sowie kurzen Texten. Die Zeichnungen wie die neuen Fotos stammen dabei ebenso wie ein Teil der Texte von Krohn, die übrigen Kurztexte verantwortet Stavagna. Von ihm stammt auch ein einleitender Essay, der das architektonische Schaffen Mendelsohns in seiner Genese und Rezeption lesenswert einordnet. Auch Krohn steuert einen Einleitungstext bei, der etwa die Folgerichtigkeit der formalen Stränge im Werk des Architekten deutlich macht: von ersten Skizzen, die teilweise an der Front des Ersten Weltkriegs entstehen, über holzschnittartige Schwarzweiß-Zeichnungen hin zu ikonischen Bauten wie dem Kaufhaus Petersdorf in Breslau (1927–1928), das auch das Cover der Publikation ziert, oder der Hutfabrik Steinberg in Luckenwalde (1921–1923).
Blick ins Buch
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