Der »Parc central« im Stadtteil Kirchberg, Luxemburg. (Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, GilPe)
Der »Parc central« im Stadtteil Kirchberg, Luxemburg. (Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, GilPe)
Luxemburg gilt manchen als das Dubai Europas. Mal verschrien, mal gelobt, ist es zum Hotspot internationaler Geldpolitik und Drehkreuz global agierender Unternehmen geworden, die das Großherzogtum als Standort ihres jeweiligen Europageschäfts auserkoren haben. Doch auch architektonisch tut sich etwas in unserem Nachbarland.
Luxemburg ist ein bemerkenswertes Land. Strategisch hat sich das Großherzogtum im Laufe der letzten Jahrzehnte neu aufgestellt, nach europäischen Institutionen durch eine marktliberale Steuerpolitik Global Player wie Amazon, Ebay oder Paypal angezogen. So ist das Plateau des Kirchbergs im Nordosten der Hauptstadt Luxemburg seit den 1960er-Jahren systematisch erschlossen worden und mit der Großherzogin-Charlotte-Brücke, entworfen 1957 vom Architekten der Hamburger Köhlbrandbrücke, Egon Jux, an die Stadt angeschlossen worden. Heute finden sich dort der Gerichtshof der Europäischen Union mit seinen in fünf Erweiterungsphasen zwischen 1970 und 2019 errichteten Gebäuden, die Europäische Investitionsbank mit ihren beiden Bauteilen von Denys Lasdun (1973–1980) und Ingenhoven Associates (2003–2008), das Musée d’art moderne Grand-Duc Jean von Ieoh Ming Pei (1999–2006), die Philharmonie von Christian de Portzamparc (1996–2003), das Sport- und Veranstaltungszentrum D’Coque (von Roger Taillibert, dem Architekten des Pariser Prinzenparkstadions und des Montrealer Olympiastadions, oder die neue Nationalbibliothek samt Archiv von Bolles+Willson (2003–2019) – eine Aneinanderreihung der großen Namen auf Seiten der Auftraggebenden gleichermaßen wie auf der der Architekturbüros. Außerdem ist hier Wohnraum für rund 6.000 Menschen entstanden. Durch derlei Entwicklungen ist die Bevölkerung des Landes von 433.698 im Jahr 2000 auf etwas über 688.000 Menschen im September 2024 angewachsen, die Zahl der Arbeitsplätze hat sich währenddessen nahezu verdoppelt.
36 Einfamilienhäuser in verdichteter Bauweise in Esch-sur-Alzette; BSArc, Christophe Bourguignon und Patrick Siebenaler. (Bild: David Kasparek)
36 Einfamilienhäuser in verdichteter Bauweise in Esch-sur-Alzette; BSArc, Christophe Bourguignon und Patrick Siebenaler. (Bild: David Kasparek)
Wachstum und Wandel
Platz und Haus sind ohne Bezug zueinander. (Bild: David Kasparek)
Platz und Haus sind ohne Bezug zueinander. (Bild: David Kasparek)
Ausgehend von einem quadratischen Raster mit der Grundeinheit von 15 auf 15 Metern haben die Architekten eine Folge von autofreien Plätzen und Straßen geschaffen, die auf städtebaulicher Ebene schlüssig durch die Häuser gebildet werden. Durch Rotation der Gebäudevolumen auf den quadratischen Grundstücken wenden sich die Häuser dann aber merkwürdig von den drei Plätzen ab. Was für die großen Wohnküchen im Inneren einerseits schön ist – blickt man nun doch ganz in den eigenen Garten und damit ins grünen Blockinneren –, ist für den Platzraum kein Gewinn. Hier fehlt die Verbindung zwischen dem halböffentlichen des Quartiersplatzes und dem halbprivaten Innenraum der Häuser, deren private Innenräume dann wiederum durch schlüssige Grundrisse und dort eingeführte räumliche Schwellen eine angemessene Abschottung erfahren. Bis ins Detail sind die Häuser sauber geplant und ausgeführt – wenn man vom merkwürdig anmutenden Verzicht auf „echte“ Stürze über den Mauerwerksöffnungen absieht. Das Mauerwerk ist hier die Bekleidung einer reinen und in weiten Teilen vorgefertigten Holzkonstruktion, die mit Zellulose gedämmt wurde. Mit Blick auf die alterungsbedingte Patina sicher ein guter Schritt.
Details und Innenräume der Bebauung in Esch-sur-Alzette. (Bilder: David Kasparek)
Gut gedacht vs. gut gemacht
»Floater« von M3 Architekten und Patrick Siebenaler in Dudelange (Bild: David Kasparek)
»Floater« von M3 Architekten und Patrick Siebenaler in Dudelange (Bild: David Kasparek)
Blick auf das ehemalige Stahlwerk und dessen Wasserturm; links der »Floater«. (Bild: David Kasparek)
Blick auf das ehemalige Stahlwerk und dessen Wasserturm; links der »Floater«. (Bild: David Kasparek)
Raumhohes Panoramafenster im Innern, fast auf Höhe der Wasseroberfläche. (Bild: David Kasparek)
Raumhohes Panoramafenster im Innern, fast auf Höhe der Wasseroberfläche. (Bild: David Kasparek)
Landmarken im Wandel der Zeit
Von Weitem sichtbar: Der Wasserturm von Altrier/ Bech im Osten des Landes. (Bild: David Kasparek)
Von Weitem sichtbar: Der Wasserturm von Altrier/ Bech im Osten des Landes. (Bild: David Kasparek)
Der eigentliche Zweck des Bauwerks befindet sich in einem Becken unter der Erde und in zwei Tanks in der Spitze des Turms: 150 Kubikmeter Wasser können oberirdisch gespeichert werden, weitere 500 unter der Erdoberfläche. Dazwischen ergeben sich überraschend schöne, rauhe Räume, da die äußeren Einschnitte ihre Holzverkleidete Entsprechung im Inneren finden. Man würde der Gemeinde wünschen, dass hier Veranstaltungen der Allgemeinheit stattfinden würden – oder wenigstens eine Kunstgalerie einzöge.
Ansichten des prismatisch geformten Wasserturms. (Bilder: David Kasparek)