Entwicklungsschritte
Hyparschale Magdeburg. Foto vor Sanierungsbeginn, 2017 (gmp, Archiv)
Hyparschale Magdeburg. Foto vor Sanierungsbeginn, 2017 (gmp, Archiv)
Wer lässt jahrzehntelang Verrottung zu?
Alle drei waren lange vom Abriss bedroht. Inzwischen stehen alle unter Denkmalschutz. Die Magdeburger Halle bereits seit 1998. Trotzdem dauerte es fast zwanzig Jahre bis sich der Stadtrat 2017 mit überparteilicher Mehrheit für eine Instandsetzung der Halle aussprach und das Architekturbüro gmp mit der Sanierung beauftragte.
Dabei ging es zu allererst um die konstruktive Ertüchtigung der Schale. Hierfür wurde das Ingenieurbüro Prof. Rühle, Jentzsch & Partner, Dresden, die bereits bei der Sanierung des Dresdner Ruderzentrums maßgeblich beteiligt waren, hinzugezogen. Das durch Korrosion gefährdete Schalendach erhielt auf der Außen- wie auch auf der Innenseite eine jeweils 10 Millimeter dünne Schicht aus Carbonfaser-Gelegen und Feinbeton. Dadurch konnte das Dach nicht nur ertüchtigt werden. Es hat jetzt sogar eine gegenüber dem Ursprungszustand höhere Tragfähigkeit.
Es geht doch: Das Bauwerk ist 2024 saniert worden. Kompetent, fachgerecht, wiedereröffnet für vielfältige Zwecke. (Bild: Wilfried Dechau)
Es geht doch: Das Bauwerk ist 2024 saniert worden. Kompetent, fachgerecht, wiedereröffnet für vielfältige Zwecke. (Bild: Wilfried Dechau)
Geht doch!
• die Farbigkeit. Das an eine »Schwedenküche« aus den Sechziger Jahren erinnernde Blassblau/Türkis (So jedenfalls die Ursprungsfarbe in Dresden, wie die Fassadenprofile in Magdeburg mal ausgesehen haben, kann man vor lauter Rost – siehe Foto – nur noch mutmaßen) ist verschwunden. Jetzt wurde alles »sehr gmp«, also so licht und weiß, wie es vorher nie gewesen ist. Man kann sich darüber streiten, ob die Weißwäsche dem Denkmal gerecht wird. Andererseits muss man sich fragen, ob Ulrich Müther auch heute noch an seinen Farbvorlieben von 1969 festhalten würde. Ich finde, das neue, weiße Kleid steht dem Bau außerordentlich gut. Und dennoch hätte der Denkmalschutz Recht gehabt, wenn er auf der Ursprungsfarbigkeit bestanden hätte.
• die Oberlichtbänder. Der sternförmig aufgeweitete Stoß der vier Hyparschalen (Magdeburg) diente ursprünglich – mit Glasbausteinen – als Oberlicht. Allerdings erwies sich dieses Detail sehr bald als Schwachstelle. Schon kurz nach der Eröffnung sind die Oberlichter mit Teerpappe abgedichtet worden. Ulrich Müther war darüber sicher »not amused«, eine konstruktiv bessere, wasserdichte Lösung konnte er aber mit den bautechnischen Möglichkeiten seiner Zeit auch nicht präsentieren. Bei der Sanierung wurde Müthers Idee der Oberlichter wieder aufgegriffen, allerdings nicht mit Glasbausteinen, sondern mit klar verglasten Oberlichtbändern.
• Raumwirkung unter der Schale. In allen drei Bauten hatte man ursprünglich im Innenraum von jedem Standpunkt aus die gesamte Untersicht der Schale im Blick. Aber für eine weiterhin ungeteilte Nutzung fanden sich keine Interessenten. Und damit beginnt das Problem, denn ein Bauwerk lässt sich nur selten als Museum seiner selbst erhalten. Es müssen neue, möglichst passende Nutzungen gefunden werden. Das gelingt nicht immer. Der »Teepott« in Warnemünde, ein großer, runder All-Raum wurde bis unters Dach in mehrere Tortenstücke zerteilt, man kann auch sagen: kaputtsaniert. Vom Denkmal bleibt nur die noch intakte Außenansicht.
Blick von der Empore. Die Einbauten beeinträchtigen die Raumwirkung unter Schale nicht. (Bild: Wilfried Dechau)
Blick von der Empore. Die Einbauten beeinträchtigen die Raumwirkung unter Schale nicht. (Bild: Wilfried Dechau)
Chancen der Veränderung
Dass überhaupt nichts raumhoch Trennendes eingebaut wird, davon sind nicht einmal Gotteshäuser verschont. Vielerorts werden Kirchen profaniert, umgebaut und damit oft ihrer Raumwirkung beraubt. Der Dom in Magdeburg ist aber noch als großartiger Raum erlebbar. Wer also nach Magdeburg fährt, um sich den Müther-Bau (und die dort bis 10.11. laufende Banksy-Ausstellung) anzusehen, sollte auch einen Blick auf das Hundertwasser-Haus werfen (es gibt darin ein feines Café!) und unbedingt den Dom besichtigen!
(Bild: Wilfried Dechau)
(Bild: Wilfried Dechau)
Landeshauptstadt Magdeburg, Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement
Entwurf 1969:
Ulrich Müther, in Zusammenarbeit mit Horst Freytag
Bauausführung 1969: Gerling & Rausch KG
VgV-Verhandlungsverfahren:
2017 – Zuschlag
Entwurf:
Umbau Meinhard von Gerkan und Stephan Schütz mit Christian Hellmund
Projektleitung: Sophie von Mansberg, Ursula Köper
Mitarbeit: Rosaria de Canditiis, Jan-Peter Deml (Visualisierungen) Annett Fabian (BIM), Florian Illenberger, Sonja Kautz, Annette Löber, Bao Wangtao, Maria Wolff, Thilo Zehme (Visualisierungen), Aaron Zuber
Objektüberwachung gmp: Moritz Buchholz, Jessica Neumann, Christoph Rohner, Viktor Saib, in Zusammenarbeit mit A.BB Architekten, Rudolf Droste
Tragwerk/Brandschutz:
Prof. Rühle, Jentzsch & Partner, Dresden
TGA:
Haupt Ingenieurgesellschaft, Leipzig; Ingenieurbüro Elektrotechnik Dipl.Ing. Andreas Kist, Burg
Lichtplanung:
Lichtvision Design, Berlin
Akustik:
ADA Acoustics & Media Consultants, Berlin
Leitsystem:
Moniteurs GmbH Kommunikationsdesign, Berlin
Straßen-, Tiefbau- und Abwassertechnik:
IKM Ingenieurkontor Magdeburg
Bauphysik:
Ingenieurbüro Kriegenburg, Magdeburg; ITG Energieinstitut GmbH, Magdeburg
Carbonbeton-Technologie:
CARBOCON, Dresden
BGF: 3.948 m²
Kapazitäten
Veranstaltungsbereiche 1-4: 500 Sitzplätze
Seminarräume 2.1/4.2: 127/127 Sitzplätze