Wissensgesellschaften
Eine Tagung, die nicht nur Geschichte reflektiert, sondern auch das Institut als wichtigen Akteur im Architekturdiskurs positioniert. Damit wird gleich auch ein eigener Mythos initiiert.
Eine Tagung, die nicht nur Geschichte reflektiert, sondern auch das Institut als wichtigen Akteur im Architekturdiskurs positioniert. Damit wird gleich auch ein eigener Mythos initiiert.
Persönlichkeiten und Lehre
Bis zum 12. 12. ist im Württembergischen Kunstverein die Geschichte des igma ausgebreitet >>> (Bild: Christian Holl)
Bis zum 12. 12. ist im Württembergischen Kunstverein die Geschichte des igma ausgebreitet >>> (Bild: Christian Holl)
Das Politische
Jürgen Joedicke (Bild: igma, Universität Stuttgart)
Jürgen Joedicke (Bild: igma, Universität Stuttgart)
Mit dem Krämer Verlag begleitete Joedicke die Entwicklungen aktueller Architektur. Das publizistische Werk Joedickes kann kaum überbewertet werden. (Bild: Christian Holl)
Mit dem Krämer Verlag begleitete Joedicke die Entwicklungen aktueller Architektur. Das publizistische Werk Joedickes kann kaum überbewertet werden. (Bild: Christian Holl)
Varianten der Moderne
Eine andere, eine interessantere Frage wurde damit umgangen. Elser hatte nämlich eigentlich zum Revival der Postmoderne vorgetragen. Und man hätte fragen können, was die Neue Altstadt in einem solchen Vortrag zu suchen hat. Hatte nämlich die Postmoderne das Ende der „großen Erzählung“ postuliert, ist eine Rekonstruktion wie die in Frankfurt gerade deswegen so erfolgreich, weil es eine große Erzählung wieder rehabilitiert: die der Kontinuität von Geschichte, in der sich eine vermeintlich zeitlose Wahrheit der guten Stadt in nur immer wieder neuem Gewand zeigt. Vor Elser hatte Vittorio Magnano Lampugnani vorgetragen und in bemerkenswerter, scheinbarer Selbstkritik zugegeben, dass er mit seiner Publikation „Architektur und Städtebau des 20. Jahrhunderts“ genau den Fehler gemacht habe, den er mit ihr gemeint habe korrigieren zu können: den großen Mythos von der strahlenden Moderne, die sich nach dem dunklen 19. Jahrhundert vom Ballast des Historismus befreit und zu einer dem Menschen und der Zeit entsprechenden Formen findet. Doch diese Selbstkritik war letztlich kaum mehr als Eitelkeit. Am Ende sprach er sich doch für die eine große Geschichte aus, die all die Erscheinungen zusammenbinden müsse aus. Die Brisanz, die gerade darin liegt – in Bezug auf die restaurativen Tendenzen und der Sehnsucht nach einer Einheit, die es nie gegeben hat – blieb unangetastet.
Einmischung und Verunsicherung
Durths Forschungen am igma fanden ihren wichtigsten Niederschlag im zweibändigen Werk zur Architektur und Städtebau der DDR. (Bild: Redaktion)
Durths Forschungen am igma fanden ihren wichtigsten Niederschlag im zweibändigen Werk zur Architektur und Städtebau der DDR. (Bild: Redaktion)
Forschungsarbeit, die am igma ihren Anfang nahm. Ferdinand Ludwig wird sich den lebenden Brücken in Nodrindien widmen. Bild: Anselmrogers, CC BY-SA 4.0 (Quelle >>>)
Forschungsarbeit, die am igma ihren Anfang nahm. Ferdinand Ludwig wird sich den lebenden Brücken in Nodrindien widmen. Bild: Anselmrogers, CC BY-SA 4.0 (Quelle >>>)
Radikales zulassen
Als Forschungsgebiete nannte Trüby in seiner Antrittsvorlesung die Fortsetzung des Biennale-Themas der Architekturelemente oder wie des Zusammenhangs aus Finanzwesen und Architektur. Die Spannung, die dieses Institut in 50 Jahren geprägt hatte, kann darin wiedergefunden werden: Der Wunsch nach einer Fundierung, auf der entfernte Zeiten zusammengespannt werden können, oder die Auseinandersetzung mit dem schmutzigen Geschäft des Alltags und der Politik, mit ganz konkreten Brüchen und Verunsicherungen. Vermutlich muss man so groß denken, will man sich nicht selbst von dem Erbe verunsichern lassen, das man angetreten ist. Wie groß es ist, haben diese zwei Tage gezeigt.
Das ist es mir wert
- 1Horst W. Rittel: Dilemmas in einer allgemeinen Theorie der Planung. Mit Melvin M. Webber. In: ders.: Thinking Design. Transdisziplinäre Konzepte für Planer und Entwerfer. Neu herausgegeben von Wolf D. Reuter und Wolfgang Jonas. Basel 2013, S. 20–38