Der Eloquente
1928 ist Walter Gropius bereits in den USA. In Lawrence Kochers' Zeitschrift "Architectural Record" erscheint ein Aufsatz von Gropius, ganzseitig aufgemacht mit dem Foto, das auf dem Titel der Biografie zu sehen ist. Zu den Verlagsinformationen >>>
1928 ist Walter Gropius bereits in den USA. In Lawrence Kochers' Zeitschrift "Architectural Record" erscheint ein Aufsatz von Gropius, ganzseitig aufgemacht mit dem Foto, das auf dem Titel der Biografie zu sehen ist. Zu den Verlagsinformationen >>>
Das intendierte Nachleben des geschickten Selbstdarstellers beschäftigt die Architekturgeschichte: Reginald R. Isaacs: Walter Gropius. Der Mensch und sein Werk. 2 Bde., engl. 1983, dt. 1984; Annemarie Jaeggi: Adolf Meyer. Der zweite Mann. Ein Architekt im Schatten von Walter Gropius. Berlin 1994
Das intendierte Nachleben des geschickten Selbstdarstellers beschäftigt die Architekturgeschichte: Reginald R. Isaacs: Walter Gropius. Der Mensch und sein Werk. 2 Bde., engl. 1983, dt. 1984; Annemarie Jaeggi: Adolf Meyer. Der zweite Mann. Ein Architekt im Schatten von Walter Gropius. Berlin 1994
Frauenfreund, Selbstdarsteller, Netzwerker
Bernd Polster: Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhms. 656 Seiten. Carl Hanser Verlag, München 2019, 32 Euro ISBN 9783446262638 Zu den Verlagsinformationen >>>
Bernd Polster: Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhms. 656 Seiten. Carl Hanser Verlag, München 2019, 32 Euro ISBN 9783446262638 Zu den Verlagsinformationen >>>
Antisemit und Internationalist
1917 schreibt Gropius an den befreundeten Osthaus: "Wir alle sind schuld, daß es so gekommen ist, wir haben die Juden ungehindert groß werden lassen und ich fürchte, die frische Kraft zu einem Pogrom ist nicht mehr in uns". Und an seine Mutter 1918: "Wir können so viel und so herrlich kämpfen wie wir wollen, die Schwächlinge und die Schweine in der Heimat fallen uns in den Arm und vernichten alles Erreichte. Die Juden, dieses zersetzende Gift, das ich mehr und mehr hasse, verderben uns. Sozialdemokratie, Materialismus, Kapitalwirtschaft, Wucher – alles ist ihr Werk und wir haben Schuld, daß sie sich so in unser Leben einfressen konnten. Sie sind die Teufel in der Welt." (Seite 98, Nerdinger zitiert hier nach Isaacs, 1983)
Mit diesem Hass ist Gropius wahrlich nicht allein, aber bemerkenswert ist doch, wie dezidiert er ihn anspricht. 1933, im September, schreibt er jedoch zur Judenverfolgung an seine Tochter Manon, "sie solle ihrem jüdischen Stiefvater Franz Werfel sagen, dass er jetzt eine besondere Verwandtschaft mit ihm fühle und dass er sich überlege, sich aus Sympathie beschneiden zu lassen" (Seite 245, Nerdinger bezieht sich hier auf Reidel, 2010). Woher solch ein radikaler Sinneswandel?
Gropius nutzte die Zeit in den USA, wo er auf Hinwirken von Joseph Hudnut nach Harvard kam, wieder zum Netzwerken und dann auch zur Bauhaus-Propaganda, etwa mit der Bauhaus-Ausstellung am MoMA. Aus politischen Entwicklungen hielt er sich raus, profitierte aber von seinen Harvard-Jahren später mit Reisen und Ehrungen. Zurück in Deutschland, nutzte er alle Chancen, die "Lesart" seines Wirkens und seiner Bedeutung selbst zu bestimmen. Winfried Nerdinger resümiert zu Ende des Buches nüchtern: "Dass Walter Gropius die Weltarchitektur mit dem Faguswerk und dem Bauhausgebäude bereicherte und dass er mit dem Bauhaus eine Schule gründete, die zum Stilbegriff für eine ganze Epoche wurde, dieser Ruhm kann ihm nicht genommen werden".
Das Buch zum Bauhaus-Erbe: 168 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Text Deutsch und Englisch, ISBN 978-3-95553-482-0
Das Buch zum Bauhaus-Erbe: 168 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Text Deutsch und Englisch, ISBN 978-3-95553-482-0