Das Jubiläumsjahr hat die HfG Ulm schon hinter sich – wenn man von einem solchen sprechen kann, denn sie wurde vor nunmehr 51 Jahren geschlossen, sowohl aufgrund einer schwierigen finanziellen als auch aufgrund einer komplexen politischen Lage; HfG-interne Streitigkeiten trugen ein Übriges bei. Wie es zu diesem Ende kam, ist in dem gut zu lesenden Buch von Christiane Wachsmann nachzuvollziehen. Es erschien anlässlich einer Ausstellung, die 2018 in Ulm zu sehen war (zur Rezension von Ursula Baus in der bauwelt
>>>). Auch die HfG verstand sich als Reformschule, sie war, wie das Bauhaus, nach einem schrecklichen Krieg mit dem Pathos des Neuanfangs gegründet worden. Und auch ihr war nur eine kurze Zeit des Bestehens vergönnt – 15 Jahre waren es in diesem Fall, gerade mal ein Jahr mehr als das Bauhaus. Inge Scholl, Otl Aicher, Max Bill waren die Figuren der Gründungszeit, in Ulm lehrten unter anderem Max Bense, Hort Rittel, Edgar Reitz, Alexander Kluge, Gui Bonsiepe, der vor wenigen Wochen verstorbene Tomas Maldonado und andere. Christine Wachsmann zeichnet die Entwicklung der Schule nach, einschließlich der programmatischen wie der persönlichen Konflikte und der unterschiedlichen pädagogischen Ausrichtungen. Sie zeigt auf, welche Verdienste sich die Schule auf dem Gebiet des Designs erworben hat, und dabei auch, wie sehr sich in der Frage, wie Gestaltung gelehrt und verstanden wird, Weltsicht, Auftrag und gesellschaftliche Deutung praktisch entfalten konnte oder sollte – und in dieser über die technischen und kommerziell verwertbaren Aspekte hinaus weisenden Dimensionen liegt neben der großen Qualität auch ein Grund für die internen Reibereien, die zumindest zum Teil mit zum Ende der HfG geführt hatten, denn sie bedingten eine persönliche Identifikation mit der Lehre, die Kompromisse erschwerten – Krisengespräche, Auseinandersetzungen bis zum Ultimatum gehörten so gesehen fast schon zwangsläufig zur HfG. Die aber auch als Privatschule ständig unter hohem finanziellen Druck arbeiten musste. Wachsmann stellt deswegen in Frage, ob überhaupt von einem Scheitern geredet werden könne: Es habe an ein Wunder gegrenzt, dass Inge Scholl das Geld zur Gründung der Schule überhaupt habe zusammenbringen können. Das Zeichen der Hoffnung, das die HfG im biederen und konservativen Nachkriegsdeutschland durch seine Weltoffenheit gesetzt hatte, bleibt aktuell. „Ein Gegengewicht gegen die aufkommenden nationalistischen und reaktionären Kräften“ zu bilden, wie es in einem der ersten Programmentwürfe der HfG hieß, sei noch immer ein gute Idee, so Wachsmann. Einverstanden.