Die Verwaltungsschule in der Stuttgarter Jägerstraße 2018. Das Gebäude von Rolf Gutbier entstand 1968-1971. (Bild: Leo Herrmann)
Die Verwaltungsschule in der Stuttgarter Jägerstraße 2018. Das Gebäude von Rolf Gutbier entstand 1968-1971. (Bild: Leo Herrmann)
In Stuttgart wird, nachdem 2016 die fulminante Ausstellung "Stuttgart reißt sich ab"die Problemlage in eine landesweite Öffentlichkeit getragen hatte, derzeit die Ausstellung Ausstellung "Gefährdete Arten" gezeigt. Sie widmet sich anhand von Fallstudien aus Baden-Württemberg Gebäuden der Nachkriegsmoderne, die ganz oder in Teilen abrissgefährdet sind, informiert über die Konflikte, die den Erhalt erschweren. Wir stellen bei Marlowes in den kommenden Wochen einige von ihnen vor – mit Beiträgen, die für die Ausstellungsdokumentation verfasst wurden, für Marlowes nun aktualisiert und zum Teil ergänzt wurden. red.
Axonometrische Bestandserfassung (Sharing Brutalism)
Axonometrische Bestandserfassung (Sharing Brutalism)
Die Baumasse ist auch in der Ansicht elegant mit horizontaler Gliederung ans Gelände geschmiegt. (Foto: Leo Herrmann, 2018)
Die Baumasse ist auch in der Ansicht elegant mit horizontaler Gliederung ans Gelände geschmiegt. (Foto: Leo Herrmann, 2018)
Hanglage
Zentrum der Anlage ist der Lehrbau. Er erstreckt sich der Topografie folgend über fünf Geschosse gestaffelt den Südhang hinauf und beherbergt Seminarräume, Lehrerzimmer, Bibliothek und Verwaltung. Freitreppen, Pausenhöfe und Brücken erschließen die Geschosse im Außenraum und sind zugleich (halb)öffentliche Fußwegverbindung zwischen Innenstadt und Kriegsberg. Die Staffelung der Anlage wird durch die lineare Gliederung von Brüstungen und Fensterbändern betont; dabei sind die Etagen des Bildungsbaus geschossweise um Raumtiefe horizontal versetzt und es entstehen den Seminarbereichen vorgelagerte Dachterrassen. Mit großen Sträuchern bepflanzt, bieten sie vielfältige Ausblicke zur Innenstadt und sorgen dank geringer Höhenentwicklung dafür, dass das Sichtbetonbauwerk – zumal von oberhalb am Hang - optisch kaum in Erscheinung tritt. Dies entspricht auch Gutbiers Wunsch, mit dem Ensemble „das Grün bis an den Cityrand heranzuführen“.
Treppenhaus der Verwaltungsschule von Rolf Gutbier (Bild: Leo Herrmann, 2018)
Treppenhaus der Verwaltungsschule von Rolf Gutbier (Bild: Leo Herrmann, 2018)
Treppenhaus, 2022 (Bild: Sue Barr)
Treppenhaus, 2022 (Bild: Sue Barr)
Innenleben
Der Treppenbereich erschließt dem außen horizontal dominierten Bau eine überraschende vertikale Dimension. (Bild: Leo Herrmann, 2018)
Der Treppenbereich erschließt dem außen horizontal dominierten Bau eine überraschende vertikale Dimension. (Bild: Leo Herrmann, 2018)
Gut erhalten
Wichtige Argumente für den Erhalt liefert die Betrachtung der materiellen Ressourcen und der Grauen Energie bei rund 10.000 Tonnen verbautem Stahlbeton. Noch augenfälliger sind die räumlichen Besonderheiten des Treppenraums, zumal dieser unter heutigen Flächeneffizienzbetrachtungen kaum mehr realisierbar wäre, aber vielfältige Nutzungspotentiale bietet. Nicht zuletzt lohnt ein Blick auf den Brandschutz. Dieser scheint trotz der Klassifizierung des Bauwerks als Hochhaus (!) wenig problematisch. So sprechen auch die geschossweise vorhandenen, ebenerdigen Fluchtwege ins Freie für den Erhalt dieser wenig bekannten, gefährdeten Hangtypologie im Herzen Stuttgarts.
Bis 31. März 2023
BDA Wechselraum Zeppelin Carré, Friedrichstr. 5, Stuttgart
Eine Ausstellung des BDA Baden-Württemberg im Bündnis mit
Abrissmoratorium, Architects for Future Deutschland e.V., Arbeitskreis Bauwende – Universität Stuttgart, Bundesstiftung Baukultur und Sharing Brutalism – ABK Stuttgart
Kuratiert von Tobias Bochmann, Bernita Le Gerrette, Juliane Otterbach und Jan Theissen
Finissage und Abschlussgespräch: Freitag, 31. März 2023, 19 Uhr mit Alexander Stumm (Abrissmoratorium) und den Kurator:innen.
Weitere Information >>>
Wir danken dem BDA Baden-Württemberg für die Kooperation.
Blick ins Treppenhaus des gefährdeten, noch von der Dualen Hochschule (DHBW) genutzten Gebäudes (Bild: Constantin Hörburger)
Blick ins Treppenhaus des gefährdeten, noch von der Dualen Hochschule (DHBW) genutzten Gebäudes (Bild: Constantin Hörburger)