Stilkritik (84) | Der Protest gegen die Entscheidung, Florian Pronold als Gründungsdirektor der Bauakademie zu berufen, beschränkte sich nicht nur auf einen von über 600 Personen unterzeichneten Offenen Brief. Zwei Bewerber haben gegen die Entscheidung geklagt. In der ersten Klage wurde Anfang Januar entschieden. Pronold kann die Stelle vorerst nicht antreten. Eine Hängepartie droht. Nun sollte die Politik reagieren.
Wenn unterlegene Bewerberkonkurrenten klagen, weil das Verfahren nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde, sind in der Regel Stellen der öffentlichen Hand betroffen. Da hier, bei der Berliner Bauakademie, die Stelle einer Stiftung zu besetzen war, hatte das Gericht Anfang Januar erst einmal darüber zu entscheiden, ob eine Konkurrentenschutzklage zulässig ist. Geklagt hatte Philipp Oswalt, Professor für Architekturtheorie in Kassel und ehemaliger Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau; ein weiteres Verfahren eines anderen Bewerbers wird Ende Januar entschieden. Das Gericht ist der Begründung von Oswalts Anwalt gefolgt: Die Bauakademie wird mithilfe öffentlicher Gelder eingerichtet, sie wird maßgeblich durch die öffentliche Hand getragen werden – die Konkurrentenschutzklage ist zulässig. Dazu folgte das Gericht der Argumentation, dass es plausibel zu vermuten sei, wie es das vorsichtige Juristendeutsch in diesem Fall benennen muss, dass Pronold die Kriterien der Ausschreibung nicht erfülle. Und untersagte die Berufung Pronolds vorerst. Die Entscheidung darüber, ob tatsächlich Pronold hätte berufen werden dürfen, fiel jetzt gleichwohl noch nicht. Sie wird in einer Hauptverhandlung zu treffen sei, die erst in einigen Monaten beginnen könnte. Das Verfahren könnte sich durch das Einlegen von Berufungen verzögern, es ist nicht auszuschließen, dass die Stelle zunächst provisorisch besetzt würde, vielleicht sogar mit Pronold selbst.Ein Desaster
Es ist schwer zu glauben, dass ein Politprofi dafür die richtige Person ist. Vor allem aber: Wie soll das Wort einer Stiftung Gewicht haben, wenn der Verdacht nie ausgeräumt werden kann, dass es hier nicht um die Sache, sondern darum ging, Einfluss zu sichern und eine Instanz zwischen Politik und Wirtschaft zu installieren, die das Schmiermittel für die Zusammenarbeit liefert? Warum war denn das Gremium der Berufung mehrheitlich mit Vertretern der Politik besetzt? Warum musste das Gericht letzte Woche das Verfahren für seine Intransparenz kritisieren? Wie gering schätzen die Politiker der Kommission den Vertrauensverlust in das Verfahren, wenn sie einen Bewerber berufen, der Kriterien der Ausschreibung nicht erfüllt?
Eine Hängepartie droht. Wie sieht die Zukunft der Bauakademie aus? Bild: Friederike Meyer.
Eine Hängepartie droht. Wie sieht die Zukunft der Bauakademie aus? Bild: Friederike Meyer.
Jetzt aber schnell
Da hatte man noch so schön behauptet, man wolle bei der Bauakademie nicht die gleichen Fehler wie beim Humboldt-Forum machen. Daran hat man sich gehalten: Man hat einfach andere gemacht. Nun sollte man erst einmal zusehen, dass man die eigenen Fehler korrigiert. Das ist sicher schmerzhaft. Aber es wird umso schmerzhafter werden, je länger damit gewartet wird.
Einen Überblick über die Presseberichte zur Bauakademie ist zu finden unter https://www.facebook.com/pg/neuebauakademie/posts/
Der Autor ist Unterzeichner des Offenen Briefs, der die Entscheidung für Florian Pronold kritisierte und war 2017 einer der Unterstützer der Zehn Thesen zur Bauakademie