Die Abschottung zum öffentlichen Raum hin – mit welchen Mitteln auch immer – kennzeichnet nahezu alle Einfamilienhausgebiete. (Bild: Ursula Baus)
Die Abschottung zum öffentlichen Raum hin – mit welchen Mitteln auch immer – kennzeichnet nahezu alle Einfamilienhausgebiete. (Bild: Ursula Baus)
In Einfamilienhausgebieten wie diesen findet im öffentlichen Raum nichts statt. Weil es keine Gelegenheit gibt? Weil Begegnung nicht gewünscht ist? (Bild: Ursula Baus)
In Einfamilienhausgebieten wie diesen findet im öffentlichen Raum nichts statt. Weil es keine Gelegenheit gibt? Weil Begegnung nicht gewünscht ist? (Bild: Ursula Baus)
Die arte-Dokumentation ist in der Mediathek bis zum 28. September 2026 zu sehen.
Die arte-Dokumentation ist in der Mediathek bis zum 28. September 2026 zu sehen.
Der Gesetzgeber: Politik
Der Appell an die Politik, der Neuausweisung von Einfamilienhausgebieten Einhalt zu gebieten, scheitert am Interesse der Partei- und Lobbypolitik. Mit bestehenden Einfamilienhausgebieten eine zeitgemäße, überindividuelle Entwicklung mit Gesetzesänderungen voranzutreiben, wird wissenschaftlich zwar gefordert. Auch sozial ist die funktionale Aufweitung dieser Gebiete unumstritten. Denn wenn Nahversorgung, ÖPNV und Umbauförderungen solche Gebiete ergänzten, könnten ältere Menschen ebenda bleiben, preiswerte Gebietserneuerungen in Angriff genommen werden, gewachsene Strukturen aufrechterhalten bleiben und mit Nachverdichtungen aufgewertet werden. Die Substanz von Einfamilienhausgebieten, die seit den 1950er Jahren konjunkturfördernd und wertkonservativ im Familienbild entstanden sind, ist – wie erwähnt – nicht über einen Kamm zu scheren. Ich persönlich arbeite daran, aus einem Einfamilienhaus von 1963 ein Drei-Parteien-Haus zu machen. Das geht. Es ist aufwändig, Fördermittel gibt es nicht dafür.
Auch das Reihenhaus als Einfamilienhaus-Typ weist mit Garagen und Stellflächen die Fokussierung auf das Auto und die Gleichgültigkeit gegenüber einem öffentlichen Raum als Aufenthaltsort auf. Wer hier Fußball spielt und einem Auto einen Kratzer oder eine Delle beschert: Wehe dem! (Bild: Ursula Baus)
Auch das Reihenhaus als Einfamilienhaus-Typ weist mit Garagen und Stellflächen die Fokussierung auf das Auto und die Gleichgültigkeit gegenüber einem öffentlichen Raum als Aufenthaltsort auf. Wer hier Fußball spielt und einem Auto einen Kratzer oder eine Delle beschert: Wehe dem! (Bild: Ursula Baus)
Im Einzelnen gehören alle Hausbauförderprogramme auf den Prüfstand. Alle Gesetze müssen infrage gestellt werden, die neue Einfamilienhausgebiete erlauben. Die Haushaltsprüfung müsste klarstellen, dass neue Infrastruktur für neue Einfamilienhausgebiete Steuergeldverschwendung, ökologischer Unsinn und verkehrspolitische Katastrophen sind. "Das Einfamilienhaus im Bestand ist der Hebel für alles, was im Wohnbereich aus Klimaschutzgründen zu steuern und erzielen ist".2 Ergänzen darf man "politisch" zu steuern und zu erzielen. In Einfamilienhausgebieten müssen Häuser umzunutzen sein für Grundversorgungseinrichtungen, Betreuungseinrichtungen, kleine Gastronomie, wohnumfeldverträgliche Gewerbe, Kitas und vieles mehr, was Bebauungspläne kaum vorsehen.
In der arte-Doku wird der Bau eines Fertighauses für eine junge Familie begleitet.
In der arte-Doku wird der Bau eines Fertighauses für eine junge Familie begleitet.
Die BewohnerInnen: Egoisten im Glück
Turit Fröbe in der arte-Dokumentation.
Turit Fröbe in der arte-Dokumentation.
In der Arte-Dokumentation von Ulrike Brincker werden dankenswerterweise die altbekannten Alternativen zum Einfamilienhausgebiet der Egoshooter benannt, die wie die Siedlung Teutoburgia nach gemeinschaftsorientierten Gestaltungsprinzipien gebaut wurden und noch heute – ohne individualistische Ausprägung – sehr beliebt sind.8
Überindividuelle Wohnwerte
"Das ist mein Zimmer."
Aber das Traumhaus könnte gewiss ein Bestandsbau sein, wenn es als solches politisch gefördert oder – noch besser – gefordert wird. Anders als wohl die meisten Traumhaus-Aspiranten wissen Politiker auf kommunaler, Landes- und Bundesebene darum, Bestandspflege zu priorisieren und bestehende Einfamilienhausgebiete gesetzlich zu flexibilisieren und aufzuwerten. Leider folgt gerade in der Politik dem Wissen viel zu selten ein adäquates Handeln. Also sind doch ArchitektInnen am Zug? Um ein Mal mehr mit besten Beispielen voranzugehen? Indem sie beraten statt entwerfen? Indem sie betreuen statt bauen?
Das ist es mir wert
- 1Das Positionspapier ist kein fachintern zirkulierendes, sondern jetzt weit verbreitetes: Gerhard Matzig: Aus dem Häuschen. In: Süddeutsche Zeitung, 17. März 2023, Seite 9 Zudem Uwe Höger: Alternde Einfamilienhausgebiete. Standortanalyse und Entwicklungspotenziale. Diss. Kassel 2019; dort weiterführende Literatur
- 2siehe Anm. 1
- 3verfügbar bis 28. 9. 2026: https://www.arte.tv/de/videos/109373-000-A/trautes-heim-glueck-allein/ Mitwirkende: Christian Holl (frei04 publizistik), Christiane Cantauw (Kulturanthropologin), Turit Fröbe (Autorin), Jan Zweyer (Hausbesitzer), Hans Weber (Weber Haus)
- 4ebda., Min. 9:14
- 5ebda., Min. 11:20
- 6ebda., Min. 13:14
- 7ebda., Min. 14:15
- 8ebda., Min. 18