In Stadt und Architektur materialisieren sich Vorstellungen vom guten Leben – Stadt und Architektur setzen den Rahmen dafür, wie Menschen leben können. Drei neue Bücher eröffnen sehr unterschiedlichen Perspektiven auf die Potenziale des Gebauten.
Re:Form e. V. (Hg.): Re:Eden. Neue Blicke auf die älteste Reformsiedlung Deutschlands. Eine Publikation von bankleer und Dietrich Heißenbüttel. 144 Seiten, 13 x 19 cm, 18,00 Euro Jovis Verlag, Berlin, 2019
Re:Form e. V. (Hg.): Re:Eden. Neue Blicke auf die älteste Reformsiedlung Deutschlands. Eine Publikation von bankleer und Dietrich Heißenbüttel. 144 Seiten, 13 x 19 cm, 18,00 Euro Jovis Verlag, Berlin, 2019
Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen. 66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte. 128 Seiten, 14, 00 Euro oekom Verlag, München, 2019
Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen. 66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte. 128 Seiten, 14, 00 Euro oekom Verlag, München, 2019
Der hoffnungsmachende Ton, der uns Glück verspricht, uns auffordert, loszulassen und die Fantasie zu aktivieren, liest sich freilich oftmals etwas wie einen Ratgeber zur Behandlung von Luxusproblemen, zum Weg zu sich selbst oder anderen Bewusstseinserweiterungen versprechenden Erkenntnishilfen. Teilen kann aber nur, wer genug hat. Der Hinweis, dass für eine Yogamatte auch im Gefängnis Platz sein, ist schon etwas zynisch. Wie weit die Selbstverpflichtungshoffnungen tragen, erleben wir derzeit – nicht sehr weit. Gute Projekte und Aufforderung zum Handeln sind richtig; ohne in den politischen Kontext eingebettet zu sein, wirken sie dann doch etwas wie die Nachrichten aus einer fernen, heilen Welt. Aber gerade dort dürfte ruhig auch etwas von denen erzählt werden, die mit politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen alles zunichte machen, was der Einzelne sich abringt.
Michael Meier, Christoph Franz (Hg.): Der Durchschnitt als Norm. 260 Seiten, 12 x 19 cm, 26,00 Euro Spector books, Leipzig, 2018
Michael Meier, Christoph Franz (Hg.): Der Durchschnitt als Norm. 260 Seiten, 12 x 19 cm, 26,00 Euro Spector books, Leipzig, 2018
Den Durchschnitt anzuerkennen ist eine Methode, eine Wirklichkeit in Augenschein zu nehmen, ohne sie sofort bewerten zu müssen, provoziert gleichwohl gleichzeitig den Wunsch, die Norm zu verschieben, um eine andere Wirklichkeit denkbar werden zu lassen. Soziologen, Planer, Urbanisten, Künstler kommen zu Wort, sie suchen nach den Lücken in veralteten Konzepten von Stadt, die neue Freiheiten eröffnen, verweisen auf die reibungsvolle Aneignung von Stadt, die Kommunikation und neue Ideen hervorbringt. Sie diskutieren über neue Wohnformen und eine Faszination der Großsiedlung, die Erfahrung von Gewalt und Widerstand, die abgelegten Formen des Fortschritts wie Hochstraßen. Sie machen sich Gedanken über Partizipation und die Potenziale, Leere nicht mit Gestaltung zu füllen, sondern sie den Alltagspraktiken der Bewohnerschaft zu öffnen. Fast gewinnt man zwischenzeitlich den Eindruck einer Beschwörung: dass man doch endlich wahrnehme, dass die Stadt wegen ihrer Regeln Freiheit schafft, dass sie Freiräume trotz der sie durchdringenden Ökonomisierung bietet, so wie heute in dem, was zunächst auf Funktion getrimmt wurde.
Die Arbeit der beiden Künstler übrigens besteht in einem zu einem Krangewicht von über einer Tonne Gewicht, das auch tatsächlich als solches eingesetzt wurde. Eine zur Norm gepresste Geschichte, die Voraussetzung für Neues werden kann, ohne es vorherzubestimmen. Es ist nicht entschieden, ob Besseres kommen wird.