Das Architekturmuseum in München zeigt seit 2002 Ausstellungen auf einem herausragendem Niveau. Nun steht seine Zukunft auf dem Spiel. Das bundesweit ohnehin spärliche Angebot von Orten, an denen regelmäßig über Architektur und Stadt informiert und diskutiert wird, könnte kleiner werden. Damit dürfen wir uns nicht abfinden.
Es geht um etwa 600 von insgesamt rund 12.000 Quadratmeter. Also um fünf Prozent. Und es sind wegen des Tagesseitenlichts nicht die besten Ausstellungsflächen für Ausstellungen mit originalen Kunstwerken. Trotzdem soll das Architekturmuseum der Technischen Universität München diese Flächen abgeben. So sieht es der Bericht einer Kommission vor, der im Juli vorgelegt wurde. Sie empfiehlt, „die heutige Zuteilung der Ausstellungsräume innerhalb der Pinakothek der Moderne aufzulösen und zu prüfen, inwieweit die Nutzung der Räume zu flexibilisieren wäre.“ Im Moment sind in der Pinakothek der Moderne vier Museen untergebracht, neben dem Architekturmuseum (A.M.) sind das die Neue Sammlung, also das Designmuseum, die Sammlung Moderne Kunst und die Staatliche Graphische Sammlung München. Nun sollen das Deutsche Theatermuseum und die Sammlung Götz dazukommen. (Ingvild Götz hatte dem Freistaat Bayern 2014 ihre Sammlung einschließlich des Hauses, das Herzog & De Meuron entworfen haben, geschenkt. Es ist wegen Baumängeln geschlossen, seine Zukunft ist ungewiss.) Die Graphische Sammlung soll hingegen ausziehen. Dem Architekturmuseum soll zwar eine dauerhafte Präsenz gesichert werden, so der Kommissionsbericht. Aber eben keine festen Flächen, mit denen verlässlich geplant werden kann.
Dabei ist das A.M. sehr erfolgreich. Um die 120.000 von etwa 350.000 der Menschen, die die Pinakothek der Moderne besuchen, kommen ins Architekturmuseum, so Andres Lepik. Lepik ist der Direktor des A.M. und Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der Technischen Universität München. Er kann den Vorschlag der Kommission nur schwer nachvollziehen. „Es wird uns noch geben“, sagt er, aber wenn die Empfehlungen umgesetzt werden, „geht der feste Ort der Architektur verloren. Dann finden uns viele auch nicht mehr.“ Lepik ist noch bis 2028 im Amt. Genau in die Zeit der Neubesetzung soll also die Umstrukturierung kommen, sie soll bis 2029 vollzogen werden; ein recht ambitionierter Zeitplan also. Nicht ausgeschlossen, ob mit der Neustrukturierung und den neu aufgenommenen Sammlungen nicht auch umgebaut werden wird.
Blick von außen auf die Ausstellungsräume des Architekturmuseums. (Bild: Jan Gutjahr, 2025)
Blick von außen auf die Ausstellungsräume des Architekturmuseums. (Bild: Jan Gutjahr, 2025)
Breite Unterstützung für das A.M.
Das Architekturmuseum als Schnittstelle der Pinakothek der Moderne zur Öffentlichkeit. (Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0; Fred Romero)
Das Architekturmuseum als Schnittstelle der Pinakothek der Moderne zur Öffentlichkeit. (Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0; Fred Romero)
Blick in die Ausstellung »City in the Cloud – Data on the Ground« von 2025. (Bild: CPWH)
Blick in die Ausstellung »City in the Cloud – Data on the Ground« von 2025. (Bild: CPWH)
Bevor nun aber der Landtag entscheidet, sollte nachgeholt werden, was bislang versäumt worden war: eine öffentliche Diskussion, geht es doch in der vorgeschlagenen Strukturreform um eine umfassende Umstrukturierung der Bayerischen Museumslandschaft. Dass der Bericht vor den Sommerferien öffentlich wurde und eine Landtagsentscheidung schon im Herbst geplant ist, legt die Vermutung nahe, dass man diese Diskussion vermeiden möchte. Eine Diskussion, die dann auch gezielt weiteres Fachwissen einbinden müsste, wäre aber wichtig, auch, weil der Kommissionsbericht von einem Wirtschaftsprüfer und dem Geschäftsführer eines Investmentunternehmens im direkten Auftrag des Ministers herausgegeben wurde, die zwar eine Nähe zur Kunst, aber nie in einem Museum gearbeitet haben.
Armutszeugnis als Chance?
Schon bisher ist es ein Armutszeugnis, dass es bis auf das A.M. mit dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt nur ein weiteres Museum gibt, das dem Bauen und dessen kultureller Dimension gewidmet ist – und das ist ein städtisches Museum. Das DAZ in Berlin ist ein von einem Berufsverband getragener Ort von Ausstellungen; doch dessen bisheriges kuratiertes Ausstellungsprogramm wird zunächst einmal beendet. Einige Galerien in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Karlsruhe und anderswo werden, wenn sie nicht durch die Ausstellenden, die Wirtschaft oder eine Berufsorganisation finanziert sind, vom Ehrenamt getragen und leisten eine Arbeit, die stets davon bedroht ist, wegen fehlender Mittel beendet werden zu müssen. Der Bund hingegen gönnt sich gleich zwei Bundesstiftungen, die in ihrem Profil nicht außerordentlich scharf voneinander abgetrennt sind.
Eingangsfront der Pinakothek der Moderne. (Bild: Myrzik und Jarisch)
Eingangsfront der Pinakothek der Moderne. (Bild: Myrzik und Jarisch)
Vielleicht ist die drohende Schwächung des A.M. eine Anlass für diese Debatte, bevor weitere Verluste hinzukommen. Gerade weil es so wenige Orte für den öffentlichen Architekturdiskurs gibt, wäre jeder weitere Verlust schmerzhaft.
In München hat es den Anschein, als ob die Dimension der Umstrukturierung, ein Konzept für die „staatlichen Museen Bayerns für Kunst und Kultur“ zu erstellen – ohne Zweifel ein umfassender und anspruchsvoller Auftrag – dafür gesorgt hat, dass das A.M. als nachgeordnet relevant eingeordnet wurde, ist es doch klein im Vergleich zu vielen anderen Museen. Das heißt aber auch: Die Kommission hat bestehende Verhältnisse bestätigt. Und genau das ist das Problem: Wenn bestehende Realitäten als Grund dafür genommen werden, an ihnen nichts zu ändern, ändert sich eben auch nichts. Wenn dann auch noch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, diese Realitäten irgendwann einmal rückblickend rechtfertigen zu können, dann ist man nahe an dem, was der Volksmund derb mit dem Sprichwort vom Teufel und dem größten Haufen auf den Punkt bringt.
Transparenzhinweis: Der Autor dieses Textes hat die von Andreas Garkisch initiierte Petition zur Zukunft des Architekturmuseums unterzeichnet und ist ehrenamtlich für die Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart tätig.
Nachtrag 24.9.: Nach der Veröffentlichung des Kommissionsberichts wurde der Passus geändert, der die Integration des A.M. in die Pinakothek der Moderne betrifft. Nun heißt es: „Wie bisher soll das von der TU München getragene Architekturmuseum auch in Zukunft ein fester und integraler Bestandteil der Pinakothek der Moderne bleiben und so für die Besucher und Besucherinnen klar präsent sein.“ Der Text wurde entsprechend auf diesen Stand angepasst.