Im Innern des wiederhergestellten Werkstattraums, nun mit zwei Oberlichtern ausgestattet. (Bild: Andreas Körner, bildhübsche fotografie. >>>)
Im Innern des wiederhergestellten Werkstattraums, nun mit zwei Oberlichtern ausgestattet. (Bild: Andreas Körner, bildhübsche fotografie. >>>)
Revitalisierter Hofkern
Die Rettung macht erst sichtbar, was verloren gegangen wäre
Großer Wert wurde dabei auf die Qualität der Baustoffe gelegt – nachhaltig und der Gesundheit förderlich sollten die Materialien sein, und so kamen Lehmputz, Sumpfkalkputz sowie Kalkfarben, Holzfaserdämmung und Linoleum zum Einsatz. Die Rahmen der neuen Fenster und der neuen Oberlichter im Werkstattgebäude sind aus massiver Eiche, Armaturen und Steckdosen kommen aus Traditionsunternehmen, Türelemente restauriert und wiederverwendet. Das alles hat seinen Preis – sicherlich. Es hat aber mehr Charme, Unscheinbares und Altes zu retten und den Bestand aufzuwerten, als öffentlichkeitswirksam aufwändige Rekonstruktionen als vermeintliche Identitätsstifter zu inszenieren. Dieser Bestand wäre ohne mutige Bauherrschaft und risikofreudige Architekten verloren gegangen, kaum einer hätte ihm eine Träne nachgeweint, wenn er denn je davon erfahren hätte. Jetzt erst wissen wir, was hier eigentlich gerettet wurde: Architektur bedarf der Augen, die sehen, was sein kann.
Küche mit Blick in den Hof. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Küche mit Blick in den Hof. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Außenansicht des geretteten Schlosserhofs. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Außenansicht des geretteten Schlosserhofs. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Im neu eingefügten Zwischenbau. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Im neu eingefügten Zwischenbau. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Wenige kräftige Farbakzente beleben das Innere. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Wenige kräftige Farbakzente beleben das Innere. Bild: Andreas Körner, bildhübsche Fotografie
Größe: 200 qm; Bauzeit: 2015 – 2017
Architektur: Dipl. Ing. Tina Kammer, InteriorPark, Stuttgart
Statik: Reinhard Kaltenbach | Ingenieurbüro für Tragwerksplanung
Bauphysik: Harriet Dittmer | planungsgruppe kuhn GmbH & Co. KG
Fotos: Andreas Körner, bildhübsche fotografie, Stuttgart
Einfach, aber alles andere als banal. Das Minimalhaus als preiswerter Wohnraum (Bild: Architekturbüro Stocker)
Einfach, aber alles andere als banal. Das Minimalhaus als preiswerter Wohnraum (Bild: Architekturbüro Stocker)
Poesie des Pragmatischen
Fantasie ist und war nicht nur vom Architekten gefragt – sondern auch vom Bauherrn. Der Clou des Häuschens ist der Verzicht auf einen statusorientierten Ausbau; wie sich das rohe Haus mit Leben füllen lässt, ist ganz Sache der Nutzer – Freiheit, die man nutzen können muss. Der Architekt stellte einen Stahlbetonrohbau im Sinne von Le Corbusiers Domino her, für die wieder aufgenommene Kubatur im Dachgeschoss kurzerhand mit schrägen Balken ausgestattet. Die Wände des Obergeschosses wurden mit einem normalerweise für den Industriebau verwendeten Sandwichsystem mit Außenflächen aus Blech bekleidet, dem weder innen noch außen eine Schicht hinzugefügt wurde: Rohbau gleich Ausbau. In diese großen Elemente wurden die Fenster eingeschnitten, der dunkle Außenton gibt dem ganzen noch eine noble Note. Umlaufend wurde in die Betonkonstruktion ein Kanal für die Elektroinstallation eingelassen, eine Fußbodenheizung und eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung konnten trotz des knappen Budgets auch noch realisiert werden.
Ländlich bauen heißt, das ländliche Bauen nicht zu verklären.
Weil der Eingang unten liegt, kommt die kalte Luft nicht ins erste beheizte Geschoss, der Wohnebene. Von ihr aus betritt man das nach Süden orientierte Holzdeck – das wiederum auf einer Stahlkonstruktion ruht, die aus einem alten Industriebetrieb gerettet werden konnte; das Geländer hat der Bauherr selbst geschweißt. Die Gaube wurde als sichtbar gebliebene Stahlkonstruktion eingestellt, Ausbauwände sind erst im zweiten Obergeschoss zu finden. Aus dem Sockel des abgerissenen Hauses konnten die Sandsteine als Fassung des Gartens genutzt werden, der sich bis zu einer großen, mächtigen Eiche erstreckt.
Das Haus schließt an den Kontext des dörflichen Bauens nicht in erster Linie als formale Idee an, sondern als eine des Umgangs mit Material und Artefakten, es knüpft so direkt an ein ländliches Bauen an, das stets eines war, das knapper Ressourcen wegen erfinderisch sein musste und dessen Poesie sich aus dem Pragmatischen speist. Seinem Erläuterungstext hat der Architekt ein Haiku vorangestellt, das diese besondere Form der Poesie aufgreift:
Bei jedem Windhauch
Setzt sich der Falter anders
Dort auf der Weide.
Blick von Süden. Bild: Architekturbüro Stocker.
Blick von Süden. Bild: Architekturbüro Stocker.
Einfachheit aus Notwendigkeit, nicht als Attitüde. Bild: Georg Drexel
Einfachheit aus Notwendigkeit, nicht als Attitüde. Bild: Georg Drexel
Wohngeschoss mit Blick zum Balkon. Bild: Georg Drexel
Wohngeschoss mit Blick zum Balkon. Bild: Georg Drexel
Übergang vom holzbekleideten Erdgeschoss zum Industriepaneel. Bild: Georg Drexel
Übergang vom holzbekleideten Erdgeschoss zum Industriepaneel. Bild: Georg Drexel
Die große Gaube – eine einfache Stahlkonstruktion. Bild: Georg Drexel
Die große Gaube – eine einfache Stahlkonstruktion. Bild: Georg Drexel
Ort: Am Überbach 14, 71397 Leutenbach
Bauherrschaft: Lorena und Johannes Müller
Architektur: Architekturbüro Stocker BDA, Remshalden
Projektteam: Florian Stocker, David Diorio, Norbert König
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro für Bauwesen, Mathias Seiler www.ifb-seiler.de
Umbauter Raum: 802 cbm
Nutzfläche: Ebene 0: 60 qm, Ebene 1-3 innen: 173 qm, Nutzflächen außen: 80 qm
Fotografie: Architekturbüro Stocker; Georg Drexel, Krumbach