Arbeiten oder spielen? Im Reply Office, gestaltet von CSMM, kann man beides. Bild: Gleb Polovnykov
Arbeiten oder spielen? Im Reply Office, gestaltet von CSMM, kann man beides. Bild: Gleb Polovnykov
Das Bürogebäude ist durch Homeoffice und digitale Zusammenarbeit noch lange nicht tot – ganz im Gegenteil. Denn dort kann man die Kolleg:innen treffen. Die Rolle des Büros verschiebt sich – vom Arbeitsort zu einem, in dem die soziale Interaktion im Mittelpunkt steht. Das spiegelt sich in der Entwicklung der neuen Bürowelten wider. Allerdings haben diese schönen Welten auch ihre Schattenseiten.
„2.500 Entlassungen bei BASF in Ludwigshafen.“ Diese Schlagzeile machte Ende Februar 2023 die Runde. Der Chemiekonzern reagierte damit auch auf die steigenden Energiepreise. Gerade in energieintensiven Branchen ist die Stimmung düster. Aber nicht nur hier, auch im Ganzen leidet die deutsche Wirtschaft neben den Energiepreisen unter Material- und Lieferkettenengpässen, dem Krieg in der Ukraine und immer noch unter den Auswirkungen von Corona. Dennoch verzeichnet der Arbeitsmarkt Zuwachs, die Unternehmensbilanzen sind robust. Dies alles spielt bei der Entwicklung von Büroimmobilien eine Rolle. Und obwohl die Unternehmen mit wirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen zu kämpfen haben, sind sie auf der anderen Seite gefordert, in Mitarbeiter:innen und Büroflächen zu investieren. Mit dem „war for talents“ muss sich angesichts sinkender Geburtenraten heute fast jedes Unternehmen auseinandersetzen. Die Firmen antworten darauf mit Offerten zur Work-Life-Balance, interessanten Zusatzangeboten und vor allem mit attraktiv gestalteten Arbeitsplätzen. Schließlich hat sich die Frage nach einer veränderten Arbeits- und Bürowelt durch die Pandemie und die Option Homeoffice maßgeblich verändert.Die Transformation der Arbeit steht im Mittelpunkt beim Landeskongress Archikon2023 am 19. April 2023
Weitere Information >>>
Mit Schlagwort "New Work" ist auch die Öffnung zur Stadt verbunden. Als "als erfolgreicher Beitrag zur aktuellen Diskussion über Stadtkultur" wurde das Casino Futur in Bremen im Wettbewerb Best Workspaces 2023 ausgezeichnet. Architektur: Gruppe GME Architekten für Bauherren Horst und Ulrike Dierking. Foto: Piet Niemann
Mit Schlagwort "New Work" ist auch die Öffnung zur Stadt verbunden. Als "als erfolgreicher Beitrag zur aktuellen Diskussion über Stadtkultur" wurde das Casino Futur in Bremen im Wettbewerb Best Workspaces 2023 ausgezeichnet. Architektur: Gruppe GME Architekten für Bauherren Horst und Ulrike Dierking. Foto: Piet Niemann
Hybrides Arbeiten ist Normalität
Leerstand transformieren
Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und Flexibilität war andOFFICE bei der Gestaltung des eigenen Büros wichtig. Dafür wurde eine ehemalige Lagerfläche genutzt. Foto: Phillip Kottlorz
Natürlichkeit, Nachhaltigkeit und Flexibilität war andOFFICE bei der Gestaltung des eigenen Büros wichtig. Dafür wurde eine ehemalige Lagerfläche genutzt. Foto: Phillip Kottlorz
Treffpunkt mit viel Grün stehen hoch im Kurs. Hier in einem Büro des IT-Dienstleisters doubleSlash, gestaltet von Drees & Sommer. Solche Elemente lassen sich auch in den Bestand integrieren. Foto: Peter Neusser
Treffpunkt mit viel Grün stehen hoch im Kurs. Hier in einem Büro des IT-Dienstleisters doubleSlash, gestaltet von Drees & Sommer. Solche Elemente lassen sich auch in den Bestand integrieren. Foto: Peter Neusser
Allerdings haben auch schon größere Unternehmen angekündigt, ihre Büroflächen zu verkleinern. So etwa Bayer und Allianz, die Flächen untervermieten oder sogar gänzlich aufgeben. Bei Siemens hat sich der Flächenbedarf um rund 20 Prozent verringert. Einsparen will auch die Deutsche Bank: Deren Büroflächen in Frankfurt und Eschborn werden bis Ende 2024 um etwa 40 Prozent schrumpfen. Die Restflächen werden höchstens etwas für kleinere Büros wie Kanzleien oder Co-Working-Spaces sein, aber nicht die Nachfrage nach größeren, zusammenhängenden Büroflächen decken können.
Faktor Emotion
Die Zeit von lieblosen Teeküchen sind vorbei. Die Übergänge zu Besprechungsraum und Arbeitsplatz werden fließend, wie hier bei BSH Hausgeräte, entworfen von Schmidhuber Future Work (oben) oder in der Vattenfall Deutschlandzentrale in Berlin von de Winder Architekten. Fotos: Olaf Becker (oben), Mark Seelen Photography (unten)
Die Zeit von lieblosen Teeküchen sind vorbei. Die Übergänge zu Besprechungsraum und Arbeitsplatz werden fließend, wie hier bei BSH Hausgeräte, entworfen von Schmidhuber Future Work (oben) oder in der Vattenfall Deutschlandzentrale in Berlin von de Winder Architekten. Fotos: Olaf Becker (oben), Mark Seelen Photography (unten)
Um den gestiegenen Ansprüchen an das Büro gerecht zu werden, konzentrieren sich die Gestaltenden vor allem auf neue Kommunikations- und Kollaborationsbereiche. Sie nutzen den Raum, der durch die vielen einzelnen Arbeitsplätze zugunsten Desk-Sharing wegfällt. Räume für virtuelle Meetings gehören genauso dazu wie die Loungeecke oder, wenn es etwas größer sein darf, der „Market Place“ als zentraler Ort für den informellen Austausch. Gerade der ungezwungene Plausch ist nämlich besonders förderlich für Kreativität und Teamgeist. Auch die Kaffeeküchen – einst meist lieblos gestaltet und vernachlässigt – nehmen hierbei eine wichtige Funktion ein, wo man sich locker treffen und unterhalten kann. Mittlerweile sind sie so gut ausgestattet, dass man sich dort wie in einer angesagten Cafébar fühlen kann.
Die zentrale Halle ist das Herzstück der Vattenfall Deutschlandzentrale. Architektur: de Winder Architekten. Foto: Mark Seelen Photography
Die zentrale Halle ist das Herzstück der Vattenfall Deutschlandzentrale. Architektur: de Winder Architekten. Foto: Mark Seelen Photography
Natur ja, Nachhaltigkeit nein
Mit der neuen Entwicklung der Arbeitswelten geht auch ein Strukturwandel in den urbanen Zentren einher. Die so genannten Third Places wie Cafés oder Bibliotheken nehmen in der Gunst der mobilen Nomaden zu. Der Zwang, in der hauseigenen Kantine zu konsumieren, könnte durch einen Working-in-the-City-Pass aufgehoben werden, der von den Unternehmen finanziert würde. Außerdem suchen die Unternehmen Standorte vermehrt in der Nähe zu Bildungseinrichtungen, Start-ups oder der Kreativbranche, um sich mit ihnen zu vernetzen und von deren Wissen und Spirit zu profitieren. Manche Unternehmen wie der Chemie- und Pharmakonzern Merck etwa, der sein neues, von Henn gestaltes Innovation Center 2018 einweihte, bieten im eigenen Haus Flächen für externe Start-ups oder Kreative an.
Lifestyle wird Pflicht
Das ist es mir wert
- 1Studie „Arbeiten in der Corona-Pandemie“, Fraunhofer IAO, 2020, online unter >>>(2) Vgl. WELT, vom 14. 1. 23, online unter >>>(3)Die Studie ist zum Download zugänglich unter >>>