Die Geschichte, wie Teronubo Fujimori zunächst als Forscher und Historiker arbeitete, ehe er im Alter von 45 Jahren damit begann, eigene Entwürfe zu realisieren, ist vielfach erzählt. Der 1946 geborene Architekt ist heute einer jener rätselhaften Protagonisten einer globalisierten Architekturszene mit starkem Lokalkolorit, denen man das Label „Blog-Liebling“ zuschreibt, wobei an anderer Stelle zu fragen wäre, wer heute eigentlich noch Blogs liest. Die Raketenstation Hombroich, diese herrliche Architektur-Kunst-Freilichtmuseums-Collage im Kulturraum Hombroich, zeigt seit dem 4. September die Ausstellung „Ein Stein Teehaus und andere Architekturen“ des japanischen Architekten.
2002 wurde das japanische Animationsfilmstudio Ghibli endlich auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt. Kenner*innen japanischer Anime-Filme war das von Hayao Miyazaki, Isao Takahata und Toshio Suzuki gegründete Studio spätestens seit dem 1997er Erfolg „Prinzessin Mononoke“ ein Begriff. 2002 wurde „Chihiros Reise ins Zauberland“ zunächst auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, ein Jahr später gab es zudem den Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“. Neben den fantastischen Figuren zeichnen die Arbeit von Miyazaki, Takahata, Suzuki und ihren Teams seit dem ersten Erfolg an den japanischen Kinokassen, „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ (1984) stets auch die herrlich sonderbar-verstiegenen Raumschöpfungen aus. Die komplexen Geschichten, in denen sich liebevoll gestaltete Charaktere durch nicht von dieser Welt zu stammen scheinende Architektur bewegen, sind Paradebeispiele für das hiesige Missverständnis, Animationsfilme seien nur für Kinder.
Terunobu Fujimori auf der Raketenstation Hombroich. (Bild:© Stiftung Insel Hombroich, Foto: Tatjana Kimmel)
Terunobu Fujimori auf der Raketenstation Hombroich. (Bild:© Stiftung Insel Hombroich, Foto: Tatjana Kimmel)
Zwei Regeln
Terunobu Fujimori – "Ein Stein Teehaus uns andere Architekturen". Ausstellungsansicht. (Bild © Hertha Hurnaus)
Terunobu Fujimori – "Ein Stein Teehaus uns andere Architekturen". Ausstellungsansicht. (Bild © Hertha Hurnaus)
Ausstellungsansicht. (Bild © Hertha Hurnaus)
Ausstellungsansicht. (Bild © Hertha Hurnaus)
Nicht von dieser Welt – und deswegen abgehoben
Terunobu Fujimori – Ein Stein Teehaus. (Bild:© Hertha Hurnaus)
Terunobu Fujimori – Ein Stein Teehaus. (Bild:© Hertha Hurnaus)
Terunobu Fujimori beim Karbonisieren des Holzes für das Teehaus. (Bild:© Stiftung Insel Hombroich, Foto: Tatjana Kimmel)
Terunobu Fujimori beim Karbonisieren des Holzes für das Teehaus. (Bild:© Stiftung Insel Hombroich, Foto: Tatjana Kimmel)
Dafür wurden je drei Bretter aufgerichtet zu einem Prisma zusammengebunden; der so entstandene Hohlraum wurde dann kontrolliert verbrannt, so dass die Außenseiten keinen Schaden nehmen konnten. Diese Außenseiten wurden für den Bau schließlich nach innen gekehrt, die verkohlten Seiten bilden als Fassade einen natürlichen Witterungsschutz. Yakisugi heißt diese traditionelle Methode der Holzkonservierung in Japan. Es sind diese Bretter, die sich neben einem der Robinienstämme auch als Exponate im Pavillon finden.
Was ist was? Grundriss und Schnitt als Vexierspiel
Ein Stein Teehaus, Vorderansicht (Bild:© Hertha Hurnaus)
Ein Stein Teehaus, Vorderansicht (Bild:© Hertha Hurnaus)
Die kleine Architektur wird der Raketenstation erhalten bleiben, für die Dauer der Ausstellung kann man nach vorheriger Anmeldung an Teezeremonien im „Stein Teehaus“ teilnehmen. Mit dieser Ausstellung erweist sich die Raketenstation als Teil des Kulturraums Hombroich einmal mehr als Schatz, der vor den Toren von Neuss, keine 20 Auto-Minuten von Düsseldorf entfernt, etwas unscheinbar zwischen Erft und der A46 liegt. Offen bleibt dabei bis Schluss zum Glück vieles, aber auch, ob die gegenseitige Einflussnahme zwischen Terunobu Fujimori und Studio Ghibli, und ob die Ähnlichkeit der Arbeiten, nicht doch ein Verstoß gegen das eigene Regelwerk des Architekten sind.
Siza Pavillon (Ausstellung)
Raketenstation Hombroich, 41472 Neuss
4. September 2020 – 29. November 2020
Freitag–Sonntag 12.00 – 17.00 Uhr
5. Februar 2021 – 11. April 2021
Freitag–Sonntag 12.00 – 17.00 Uhr
Ein Stein Teehaus
Neben dem Café Biemel
Während der Laufzeiten der Ausstellung
Sonntag 12:00 – 17:00 Uhr
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