Visualisierung der geplanten Aufstockung, Bild: Lacaton Vassal
Visualisierung der geplanten Aufstockung, Bild: Lacaton Vassal
Sie ist eine Institution der Kultur von unten, weit über Hamburg hinaus – die Kultur-Fabrik Kampnagel, die in alten Industriehallen beheimatet ist. Sie ist auch als Veranstaltungsort in die Jahre gekommen. Die Planung für Umbau und die Sanierung übernahmen keine Geringeren als die mit dem Pritzker-Preis Ausgezeichneten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal. Die gehen die Aufgabe erwartet unkonventionell an – die Eckpfeiler des architektonischen Konzepts sind nun vorgestellt worden.
Amelie Deuflhard, die Intendantin der Kultur-Fabrik Kampnagel, war fast euphorisch, als sie gemeinsam mit Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal die Umbaupläne für ihr Domizil vorstellte: „Wir sind wohl das einzige Theater in Deutschland, dass sich auf den Umbau seiner Gebäude wirklich freut!“ Ob dem so ist, oder ob die Freude auf bauliche Veränderung nicht auch andernorts groß ist oder wäre, soll dahingestellt bleiben. In Hamburg sieht sich zumindest die Intendanz in einem Aufbruch in eine neue Epoche.
Bild aus den Pioniertagen – 1989 fand hier das Festival "Theater der Welt" statt. (Bild: Friedemann Simon)
Bild aus den Pioniertagen – 1989 fand hier das Festival "Theater der Welt" statt. (Bild: Friedemann Simon)
Chancen der Sanierung der Sanierung
Luftbild von West, 2014. (Bild: Reimer Wulf)
Luftbild von West, 2014. (Bild: Reimer Wulf)
Die Halle K6 im heutigen Zustand. (BIld: Frederik Röh)
Die Halle K6 im heutigen Zustand. (BIld: Frederik Röh)
Skizze vom Umbau der Halle K1. (Visualisierung: Lacaton Vassal)
Skizze vom Umbau der Halle K1. (Visualisierung: Lacaton Vassal)
Aus der Halle K1 werden die dort backstage befindlichen Depots ausgelagert und der Raum bis unter das alte Fabrikdach erweitert. Im Dach sollen durch die alten Sheds wieder Licht in das Gebäudeinnere fallen, die Außenwand zum Grünbereich des Geländes verglast und geöffnet werden können, so dass hier ebenfalls ein neuer Spielort für Tanztheater oder Performances entsteht.
Perspektive des Gesamtprojekts, Blick aus Süd. (Zeichnung. Lacaton Vassal)
Perspektive des Gesamtprojekts, Blick aus Süd. (Zeichnung. Lacaton Vassal)
Räumliches Energiekonzept
Blick auf den Treppenturm des Studienhauses rechts im Bild) im östlichen Teil des Areals. (Visualisierung: Lacaton Vassal)
Blick auf den Treppenturm des Studienhauses rechts im Bild) im östlichen Teil des Areals. (Visualisierung: Lacaton Vassal)
Visualisierung der Aufstockung. Die geplante Dachterrasse wird noch über dem hier gezeigten Stockwerk liegen. Blick nach Osten. (Zeichnung: Lacaton Vassal)
Visualisierung der Aufstockung. Die geplante Dachterrasse wird noch über dem hier gezeigten Stockwerk liegen. Blick nach Osten. (Zeichnung: Lacaton Vassal)
Von der Architektur, die Lacaton Vassal auf Kampnagel vorsehen, sind bislang nur wenige Skizzen bekannt. Sicher, die kräftige, weithin sichtbare Aufstockung des Foyers und das Gästehaus werden weithin sichtbare Zeichen in der Stadt setzen. Ansonsten bleibt die architektonische Aussage des Entwurfs betont vage. Sie ist ein performativer Prozess – betonen Hausherrin und Architektin –, der von den Entscheidungen im konkreten Fall auf der Baustelle bestimmt wird. Der Bestand – soviel steht allerdings fest – ist heilig! Er soll so wenig wie möglich verändert werden. Inwieweit die Architektur von Lacaton & Vassal überhaupt nachhaltige Spuren in der Kulturfabrik hinterlassen, muss abgewartet werden. Das Renommee des Büros leistet hier der Hoffnung Vorschub.
Theater als ein dritter Ort
Schließlich soll die neue Kampnagel Kulturfabrik ein erweitertes Wohnzimmer für die Nachbarschaft sein – ein dritter Ort, in dem man sich auch dann gerne aufhält, wenn man nicht (noch) ins Theater gehen, sondern nur und vielleicht spontan Freunde treffen will. Wenn dies gelingt, könnte Kampnagel der Stadtgesellschaft, aus der es entstanden ist, wieder etwas zurückgeben – allerdings frühestens 2030.