Frank Gehry, der Architekt des legendären Guggenheim Museums in Bilbao und vieler anderer dekonstruktivistischer Bauten weltweit, ist im Alter von 96 Jahren gestorben.
Ein Werk zwischen Springfield und Bilbao
Frank Gehry, Guggenheim Museum, Bilbao, 1991–1997, Bild: Wikimedia Commons, Mario Roberto Duran Ortiz
Frank Gehry, Guggenheim Museum, Bilbao, 1991–1997, Bild: Wikimedia Commons, Mario Roberto Duran Ortiz
Von der Konvention in den Dekonstruktivismus
Frank Gehry, Gehry House, Santa Monica (Kalifornien), 1977–1991, Bild: Wikimedia Commons, IK's World Trip
Frank Gehry, Gehry House, Santa Monica (Kalifornien), 1977–1991, Bild: Wikimedia Commons, IK's World Trip
1980 wird Frank Gehrys eigenes Haus vom American Institute of Architects ausgezeichnet, und 1989 erhält er für sein architektonisches Gesamtwerk den Pritzker-Preis, die höchste Auszeichnung der westlichen Architekturwelt. Die Jury-Begründung von Jay A. Pritzker, Präsident der Hyatt Foundation, von damals liest sich retrospektiv einigermaßen überraschend: „Das große Werk des Architekten Frank Gehry, das Wohnhäuser, Museen, Bibliotheken, Schulen, Geschäfte, Konzertsäle, Restaurants, alle Arten von öffentlichen Gebäuden und sogar eine Scheune umfasst, demonstriert eine Bandbreite an Stilen, die sich einer Klassifizierung entzieht, aber sicherlich Anerkennung für seine Beiträge zur Kunst der Architektur verdient.“ Kaum ein Architekt hat seine entwerferische Handschrift im Laufe der Jahre schließlich derart zur global funktionierenden Marke ausgebaut, wie Gehry. Dass diese Material- und Formensprache dabei ausgerechnet in Kalifornien entsteht, ist sicher kein Zufall. Hier herrscht eine aus europäischer Perspektive mitunter überraschend wirkende planerische Freiheit. Staatliche und öffentliche Akteur:innen treten nicht in gleicher bestimmender Manier auf den Plan, wie in Westeuropa, Projekte werden in privater Partnerschaft und häufig durch Mäzenatentum entwickelt. Ein größeres Bild, wie eine Gemeinde auch stadträumlich gefasst werden sollte, findet sich hier nicht in gleicher Weise, wie im Nordosten der USA oder Teilen Europas.
Frank Gehry, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1986–1989, Bild: Wikimedia Commons, Wladyslaw
Frank Gehry, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 1986–1989, Bild: Wikimedia Commons, Wladyslaw
Zahlreiche Projekte auch in Deutschland
Frank Gehry, Wohnhaus in der Siedlung Goldstein-Süd, Frankfurt-Schwanheim 1994–1996, Bild: Wikimedia Commons, X-angel
Frank Gehry, Wohnhaus in der Siedlung Goldstein-Süd, Frankfurt-Schwanheim 1994–1996, Bild: Wikimedia Commons, X-angel
In einem Beitrag für Contemporary Architects schreibt Frank Gehry dabei 1980 selbst: „Ich gehe an jedes Gebäude als skulpturales Objekt, als räumlicher Behälter, als Raum mit Licht und Luft, als Reaktion auf den Kontext und die Angemessenheit von Gefühl und Geist heran. In diesen Behälter, diese Skulptur, bringt der Benutzer sein Gepäck, sein Programm ein und interagiert damit, um seinen Bedürfnissen entgegenzukommen. Wenn er das nicht kann, habe ich versagt.“ Die fachliche Bewertung dieser Ambition in Relation zum gebauten Werk ist in der Fachwelt derweil mitunter mit einigem Hohn vorgenommen wurden. In den Kanon der Popkultur jedoch hat es Frank Gehry so ohne Weiteres geschafft. Anders als viele andere Architektinnen und Architekten gehört er, wie Michael Jordan, Liz Taylor, Elton John, Michael Jackson, Cypress Hill, Leonard Nimoy oder Mark Hamill, zu jenem Kosmos der Popkultur, der in den Simpson geadelt wird. Am 5. Dezember nun ist Frank Owen Gehry im Alter von 96 Jahren in Santa Monica gestorben.
Frank Gehry, DZ Bank, Berlin 1996–2001, Bild: Wikimedia Commons, Spielvogel
Frank Gehry, DZ Bank, Berlin 1996–2001, Bild: Wikimedia Commons, Spielvogel