Grundriss der Gesamtanlage. Die straßenräumliche Disposition mit Turm und Baum ist bestens verortet. Ein Abriss des Turms degradiert die Kirche und den Vorplatz. (© Büro Striffler, Mannheim)
Grundriss der Gesamtanlage. Die straßenräumliche Disposition mit Turm und Baum ist bestens verortet. Ein Abriss des Turms degradiert die Kirche und den Vorplatz. (© Büro Striffler, Mannheim)
Befürworter und Gegner standen sich in heftigen Diskussionen gegenüber: Ein Glashaus könne keine Kirche sein, überhaupt sei der Bau zu niedrig und zu einfach, „ein Schafstall“, der „sich in einem Vorort sicherlich gut machen würde“ – so Christian Schrade. Der Wunsch nach einem Neuanfang überwog, die Gesamtkirchengemeinde votierte für Striffler. Am 30. September 1956 wurde der Grundstein gelegt, ein Jahr darauf war der Rohbau vollendet.
Glaskunst von Emil Kiess und Gabriel Loire (Bild: Thomas Ott)
Glaskunst von Emil Kiess und Gabriel Loire (Bild: Thomas Ott)
Der diaphane Raum
Den Kirchenraum dominiert ein wunderbares Farbspiel, das durch die farbigen Dickglasstücke in der Fassade zustande kommt. (Bild: Thomas Ott). 2017 bezog der Verein EinTanzHaus das Kirchenschiff, das seither als Spielstätte für zeitgenössischen Tanz dient.
Den Kirchenraum dominiert ein wunderbares Farbspiel, das durch die farbigen Dickglasstücke in der Fassade zustande kommt. (Bild: Thomas Ott). 2017 bezog der Verein EinTanzHaus das Kirchenschiff, das seither als Spielstätte für zeitgenössischen Tanz dient.
Wie außen treten die senkrecht und quer aufgespannten Stützen und Dachbinder ordnend in Erscheinung. Die zwischen Wandabschluss und Dachkante umlaufende, klar verglaste Lichtfuge vermittelt den Eindruck, als "schwebten" die großen und schweren Dachkassetten über dem Raum. Die zunächst zur Mitte ausweichenden und dann auf die Ostwand zufluchtenden Außenwände erzeugen eine leichte Zentrierung, die der liturgischen Funktion des einstigen Gottesdienstraums entgegenkam. Aufgrund der überragenden architektonischen und künstlerischen Qualität wurde die Trinitatiskirche 1994 gem. § 12 Denkmalschutzgesetz als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung in das Denkmalbuch eingetragen.
Was innenräumlich mit farbigem Glas atmosphärisch wirkt, zeigt sich an der Fassade außen als elegantes Ornament: Adam und Eva. (Bild: Wilfried Dechau)
Was innenräumlich mit farbigem Glas atmosphärisch wirkt, zeigt sich an der Fassade außen als elegantes Ornament: Adam und Eva. (Bild: Wilfried Dechau)
Wie umnutzen?
Der zugehörige Glockenturm ist seit 2017 eingerüstet; die Betonkassetten der Schallöffnungen der Glockenstube im oberen Drittel des Turms sind sanierungsbedürftig. Aufgrund der Finanzierungslücken sucht der Eigentümer zusätzliche Nutzungen. Ohne Funktion ist er indes nicht: Im Untergeschoss befindet sich die Grablege der Pfalzgrafen Johann (†1780) und Johann Karl Ludwig (†1789) von Pfalz-Zweibrücken, die aus dem barocken Vorgängerbau stammen. Aufgrund der ungelösten Probleme sah sich der Eigentümer 2021 veranlasst, einen Abbruchantrag zu stellen.
Helmut Strifflers Trinitatiskirche überzeugt im Straßenraum durch die Positionierung des Turms. (Bild: Robert Häusser, © Büro Striffler + Striffler, Mannheim)
Helmut Strifflers Trinitatiskirche überzeugt im Straßenraum durch die Positionierung des Turms. (Bild: Robert Häusser, © Büro Striffler + Striffler, Mannheim)
Ensemble-Stärken
Blick auf die Nordseite des Turms, der den öffentlichen Raum fasst. (Robert Häusser, Striffler+Striffler Architekten)
Blick auf die Nordseite des Turms, der den öffentlichen Raum fasst. (Robert Häusser, Striffler+Striffler Architekten)
Campanile!
Mit dem drohenden Abgang des Turms steht also nichts Geringeres auf dem Spiel als der Verlust eines vielschichten Bedeutungsträgers, der eine sinnstiftende Funktion sowohl für den berühmten Kirchenbau als auch für die lokale Identität des (profanen) Stadtraums erfüllt. Dem entsprechend liegt die Verantwortung nicht allein beim Eigentümer, sondern bei einem größeren Kreis von Öffentlichkeit. Anlass zur Hoffnung?
r strukturier Seit 2017, also seit fast sechs Jahren, ist der Glockenturm eingerüstet und damit in seinen strukturierenden Aufgaben den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Der Vergleich zu Robert Häussers Fotografien manifestiert auch die Zerstörungskraft des Autoverkehrs, das "stehende Blech" ruiniert stadträumliche Qualitäten. (Bild: Wilfried Dechau)
r strukturier Seit 2017, also seit fast sechs Jahren, ist der Glockenturm eingerüstet und damit in seinen strukturierenden Aufgaben den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Der Vergleich zu Robert Häussers Fotografien manifestiert auch die Zerstörungskraft des Autoverkehrs, das "stehende Blech" ruiniert stadträumliche Qualitäten. (Bild: Wilfried Dechau)
Trinitatiskirche Mannheim, Festschrift zur Einweihung, Mannheim 1959
Chris Gerbing: Leuchtende Wände in Beton. Regensburg 2013
Ute Fahrbach-Dreher: Turm vom Abbruch bedroht. In: Die Denkmalpflege 1/2021, Seite 60/61
Melanie Mertens: Licht als Baustoff. Die Trinitatiskirche in Mannheim. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 2/2021, Seite 139–144
Bis 31. März 2023
BDA Wechselraum Zeppelin Carré, Friedrichstr. 5, Stuttgart
Eine Ausstellung des BDA Baden-Württemberg im Bündnis mit
Abrissmoratorium, Architects for Future Deutschland e.V., Arbeitskreis Bauwende – Universität Stuttgart, Bundesstiftung Baukultur und Sharing Brutalism – ABK Stuttgart
Kuratiert von Tobias Bochmann, Bernita Le Gerrette, Juliane Otterbach und Jan Theissen
Finissage und Abschlussgespräch: Freitag, 31. März 2023, 19 Uhr mit Alexander Stumm (Abrissmoratorium) und den Kurator:innen.
Weitere Information >>>
Wir danken dem BDA Baden-Württemberg für die Kooperation.