Épreuve gélatino-argentique, 20 x 25 cm, Le Havre, French Lines & Compagnies, patrimoine maritime et portuaire (Copyright: MUMA Le Havre)
Paul Iribe: Speisesaal in der ersten Klasse der "Normandie"; La Salle à manger de la première classe de Normandie, brochure publicitaire de la Compagnie Générale Transatlantique, vers 1935. Papier cartonné imprimé, 30,5 x 24,3 x 0,4 cm (Copyright: Collection Saint-Nazaire Agglomération Tourisme - Écomusé)
Paul Iribe: Speisesaal in der ersten Klasse der "Normandie"; La Salle à manger de la première classe de Normandie, brochure publicitaire de la Compagnie Générale Transatlantique, vers 1935. Papier cartonné imprimé, 30,5 x 24,3 x 0,4 cm (Copyright: Collection Saint-Nazaire Agglomération Tourisme - Écomusé)
Maritimer Luxus
Die Ausstellung erweist sich als eine Feier der Schiffsästhetik, der stromlinienförmigen Sonderform des Art Deco, der „Style Paquebot“. Seit Mitte der 1920er-Jahre hatte er Architektur und Malerei ebenso ergriffen, wie Fotografie, Mode, Werbung und Kunsthandwerk. Beispielhaft dafür werden ein Sessel und eine kleine Kommode aus Haus E1027 von Eileen Gray vorgestellt. Vor allem aber sind es Fotografien, die die technische Schiffsästhetik in allen Facetten zeigen. Sei es mit einer dramatischen Untersicht des Vorderstevens der Normandie (Fotograf unbekannt), einem Blick in einen Maschinenraum (Fotograf Roger Schall) oder auf die Schiffschraube (Fotograf François Tuefferd). Zauberschön sind zudem die nächtlichen Schiffslichter auf dem Meer, die Amédée Ozenfant 1949 in seinem Gemälde „Lumières sur l’eau“ eingefangen hat. Der Spaziergang durch die Ausstellung lässt die Assoziationen nur so hervorpurzeln. Stammte das Pariser Atelier von Ozenfant doch von Le Corbusier, dessen technische Architektur jener Jahre gleichermaßen von der Schiffs- wie von der Automobil- und Flugzeugästhetik berauscht war. Zudem war Ozenfant mit Erich Mendelsohn befreundet. In dessen Berliner Haus an der Havel hing ein Gemälde Ozenfants und sein 1935 mit Serge Chermayeff verwirklichter De-La-Warr-Pavillon in Bexhill-on Sea war ebenfalls von maritimer Gestaltungslust durchdrungen. Doch der heiße Atem dieser see-seligen Avantgarde verrauchte vor den Salons der Normandie. An seine Stelle trat dort ein schwülstiges Dekor, das den Architekten Robert Mallet-Stevens zu scharfer Kritik anregte. Einzig die Küche der Normandie wusste er zu loben. Mallet-Stevens eigenes Werk war von seiner Faszination für die Formen der Schiffe durchdrungen, für Seezeichen, Reling und Kommandobrücke, wie der sensationelle „Dampfer“ seiner gewaltigen Villa Cavrois bei Lille zeigt, die vor einigen Jahren beispielhaft saniert wurde. Darüber hinaus zeigt der Katalog einen technisch anmutenden Entwurf von Mallet-Stevens für eine Schiffskabine dritter Klasse. Ergänzt wird die anregende Auswahl der Objekte und ihre gelungene Präsentation durch kurze literarische Zitate von Fernando Pessoa bis zu Blaise Cendrars, die der Ausstellung eine poetische Note verleihen.
Katalog, hrsg. vom Musée d’arts de Nantes, MuMa et In Fine, 2024. 280 Seiten, 230 × 290 mm, 32 € ISBN 978-2-38203-205-3
Katalog, hrsg. vom Musée d’arts de Nantes, MuMa et In Fine, 2024. 280 Seiten, 230 × 290 mm, 32 € ISBN 978-2-38203-205-3
Klägliches Ende
Nachklang
https://www.muma-lehavre.fr/fr/expositions/paquebots-1913-1942-une-esthetique-transatlantique