Über 870 Jahre Baugeschichte: Gerade deswegen haben jüngere Veränderungen wie eine mit Patina geschmückte Außentreppe aus den 1960er Jahren Anspruch auf Pflege. (Bild: Wilfried Dechau)
Über 870 Jahre Baugeschichte: Gerade deswegen haben jüngere Veränderungen wie eine mit Patina geschmückte Außentreppe aus den 1960er Jahren Anspruch auf Pflege. (Bild: Wilfried Dechau)
Blick von Westen auf die Klosteranlage (Bild: MfM Baden_Württemberg)
Blick von Westen auf die Klosteranlage (Bild: MfM Baden_Württemberg)
Architekten: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Pforzheim
März 2021: Noch verdeckt das Laub nicht den Blick auf die Klosteranlage. (Bild: Wilfried Dechau)
März 2021: Noch verdeckt das Laub nicht den Blick auf die Klosteranlage. (Bild: Wilfried Dechau)
Lageplan; dunkel markiert die sanierten und umgebauten Gebäude
Lageplan; dunkel markiert die sanierten und umgebauten Gebäude
Doch vor Ort ist alles ganz anders in diesem einstigen Zisterzienserkloster, dessen Ursprünge in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurückreichen und das seit 1993 zum Weltkulturerbe gehört, weil es das am besten erhaltene Zisterzienserkloster nördlich der Alpen ist. Nach der Reformation wird hier 1556 die evangelische Klosterschule eingerichtet, in der talentierter Nachwuchs – unabhängig vom sozial-ökonomischen Stand – ausgebildet wird. 1806 folgt die Säkularisierung des Klosters, das fürder mit unterschiedlichem Verständnis von Denkmalpflege erhalten, erweitert, umgebaut wird. Von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, wird das Seminar 1945-46 wiedereröffnet.
Eingangshalle im "Jagdschloss" (Bild: Dirk Altenkirch)
Eingangshalle im "Jagdschloss" (Bild: Dirk Altenkirch)
Mehrbett-Zimmer mit dem modularen, vielseitig kombinierbaren Möbelsystem (Bild: Dirk Altenkirch)
Mehrbett-Zimmer mit dem modularen, vielseitig kombinierbaren Möbelsystem (Bild: Dirk Altenkirch)
Passgenau
Funktional ging es darum, Jungen und Mädchen adäquate Wohnverhältnisse mit neuen Sanitäreinrichtungen zu schaffen, die Unterrichts- und Aufenthaltsräume auf heutigen Standard – auch mit Barrierefreiheit und Brandschutz – zu bringen und dabei den einzigartigen Denkmalwert zu berücksichtigen. Außen lässt sich kaum erkennen, mit welchem Aufwand dabei die Bausubstanz zu erforschen und zu ertüchtigen war.
Wendeltreppe aus dem 19. Jahrhundert in der Bibliothek des Klostermühlengebäudes (Bild: Wilfried Dechau)
Wendeltreppe aus dem 19. Jahrhundert in der Bibliothek des Klostermühlengebäudes (Bild: Wilfried Dechau)
Werk auf Maß
Musiksaal im nördlichen Teil des Herrendorments (Bild: Wilfried Dechau). Auf der gleichen Ebene befinden sich schallgeschützte Einzelübungs-Räume.
Musiksaal im nördlichen Teil des Herrendorments (Bild: Wilfried Dechau). Auf der gleichen Ebene befinden sich schallgeschützte Einzelübungs-Räume.
Großer Hörsaal im Erker zum Kreuzgang (Bild: Wilfried Dechau)
Großer Hörsaal im Erker zum Kreuzgang (Bild: Wilfried Dechau)
Auch das legendäre Klassenzimmer im Erker am Kreuzgang ist so saniert, dass man nicht mehr friert und nicht geblendet wird. Ja, hier lässt sich leben und lernen. Es fehlt an nichts.
Gemeinschaftsbereich im südlichen Herrendorment mit Sitzstufen um einen Durchblick zum Grabungsbereich (Bild: Wilfried Dechau)
Gemeinschaftsbereich im südlichen Herrendorment mit Sitzstufen um einen Durchblick zum Grabungsbereich (Bild: Wilfried Dechau)
Der Küchen-Neubau war zunächst als "Blechkubus" erkennbar und ist inzwischen patiniert. (Bild: Wilfried Dechau)
Der Küchen-Neubau war zunächst als "Blechkubus" erkennbar und ist inzwischen patiniert. (Bild: Wilfried Dechau)
Neuer Speisesaal in der Abt-Entenfuß-Halle, die durch einen Glasgang mit der neuen Küche verbunden ist. (Bild: Wilfried Dechau)
Neuer Speisesaal in der Abt-Entenfuß-Halle, die durch einen Glasgang mit der neuen Küche verbunden ist. (Bild: Wilfried Dechau)
Jenseits des Wettbewerbs
Das ist es mir wert
- 1"Weitläufig, fest und wohl erhalten stehen die schönen alten Bauten und wären ein verlockender Wohnsitz, denn sie sind prächtig, von innen und außen, und sie sind in den Jahrhunderten mit ihrer ruhig schönen, grünen Umgebung edel und innig zusammengewachsen". Hermann Hesse: Unterm Rad. Frankfurt, 1970, Seite 53 Übergang von der Seminar-Eingangshalle im nördlichen Herrendorment zum Treppenhaus. Barrierefreiheit in solcher Bausubstanz verlangt kleine Raumwunder mit Präzisionsarbeit. (Besichtigung mit Desinfektion und Maske im März 2021; Bild: Wilfried Dechau) Bauherr Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Pforzheim Nutzer Evangelisches Seminar Maulbronn Architekten Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Pforzheim Projektleitung und Planung: Gerhard Habermann, Holger Probst, Rolf Creyaufmüller Entwurf Mobiliar: Gerhard Habermann, Rolf Creyaufmüller Bauleitung: Konrad Hess (+), Stéphane Castel, Rolf Creyaufmüller