Foto oben: Die Grenze 2006 (Bild: Olaf Bartels) Skizze: Ein geteiltes Land, eine UN-Pufferzone: Nikosia liegt an einer Grenze – Grenzen sind das Thema der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig (Skizze: Marlowes)
Foto oben: Die Grenze 2006 (Bild: Olaf Bartels) Skizze: Ein geteiltes Land, eine UN-Pufferzone: Nikosia liegt an einer Grenze – Grenzen sind das Thema der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig (Skizze: Marlowes)
100 Meter Luftlinie
Yalçıns Restaurant im Arab-Ahmet-Quartier im Norden Nikosias. Im Hintergrund die katholische Kirche. Direkt davor die Sperranlage der UN-Pufferzone (Bild: Olaf Bartels, 2006)
Yalçıns Restaurant im Arab-Ahmet-Quartier im Norden Nikosias. Im Hintergrund die katholische Kirche. Direkt davor die Sperranlage der UN-Pufferzone (Bild: Olaf Bartels, 2006)
Teilung im Krieg
Während sich auf der griechischen Seite die sanierten, pittoresken Quartiere schnell mit neuen Bewohnern füllten, hatte die Wiederbelebung auf der türkischen Seite mit den weiter unklaren Besitzverhältnissen und Zugriffsmöglichkeiten auf Gebäude und Grundstücke zu kämpfen, so dass sich die „Wiederbelebung“ entweder auf die Sanierung von Fassaden oder auf öffentlich genutzte Gebäude beschränkte. Im Umfeld der alten armenischen Kirche entstand ein Theater, in dem der gemeinsamen Tradition des Landes gehuldigt wird und das ein Schlaglicht in diese Schattenzone im Zentrum der Hauptstadt Zyperns wirft.
Blick von Norden auf einen neuen Grenzübergang aus dem Jahr 2010 (Bild: Olaf Bartles)
Blick von Norden auf einen neuen Grenzübergang aus dem Jahr 2010 (Bild: Olaf Bartles)
Der Grenzwall bekommt Löcher
Veränderungen in der geteilten Altstadt Nikosias: Beide Bilder zeigen den Blick von Norden auf den Übergang an der Ledra-Straße, der 2008 geöffnet wurde. (Bilder: Olaf Bartels)
Veränderungen in der geteilten Altstadt Nikosias: Beide Bilder zeigen den Blick von Norden auf den Übergang an der Ledra-Straße, der 2008 geöffnet wurde. (Bilder: Olaf Bartels)
Eine tote Pufferzone
Faktisch verläuft mitten durch die zypriotische Hauptstadt eine EU-Außengrenze, im vergangenen Jahr sind Verhandlungen über eine Vereinigung wieder gescheitert. Zwar waren sich die beiden Volksgruppen weitgehend einig geworden, ihnen blieb aber die Unterstützung der jeweilige Garantiemächte der Türkei und Griechenlands verwehrt. Die Führer der beiden Volksgruppen ziehen schon lange am selben Strang. Beiden Verhandlungsführern wird eine pragmatische Handhabung der grenzüberschreitenden Angelegenheiten wie die Verwaltung der Strom, Frisch- und Abwassernetze nachgesagt. Maßgebend haben beide auch den Nikosia-Masterplan vorangetrieben, der schon 1979 unter Vermittlung der UNO zustande kam.
Teilen oder gemeinsam?
Die einseitige Anerkennung der Türkischen Republik Nordzypern durch die Türkei und der lange andauernden internationale Wirtschaftsboykott haben in diesem Landesteil ganz eigene Wirtschaftsstrukturen geschaffen. Unter anderem floriert hier der Handel mit Raubkopien von Musik, Filmen und Markenkleidung. Eine internationale Strafverfolgung würde die Anerkennung des Staates voraussetzen, und dadurch ist sie im Norden der Insel kaum zu befürchten.
Das Kurzwarengeschäft Yağcioğlu existiert in Nikosia schon seit 1955. Heute muss es sich, direkt an den Sperranalgen der UN-Pufferzone gelegen, zwischen den Angeboten halb- und illegalen Kopien von Markentextilien behaupten. (Bild: Olaf Bartels)
Das Kurzwarengeschäft Yağcioğlu existiert in Nikosia schon seit 1955. Heute muss es sich, direkt an den Sperranalgen der UN-Pufferzone gelegen, zwischen den Angeboten halb- und illegalen Kopien von Markentextilien behaupten. (Bild: Olaf Bartels)
Städtisches Leben in einer boykottierten Wirtschaft
Manche Regale sind noch immer mit Waren aus zypriotischer Vorkriegsproduktion gefüllt. (Bild: Olaf Bartels)
Manche Regale sind noch immer mit Waren aus zypriotischer Vorkriegsproduktion gefüllt. (Bild: Olaf Bartels)
Das Rüstem Kitabevi liegt an der Kyrenia-Straße im Zentrum Nikosias. (Bild: Olaf Bartels)
Das Rüstem Kitabevi liegt an der Kyrenia-Straße im Zentrum Nikosias. (Bild: Olaf Bartels)
Jedes Jahr eine Rose für die Queen
Ali Rüstem hat die bekannte Verlagsbuchhandlung seines Vaters Kemal durch ein Restaurant im Obergeschoss und ein Café im Erdgeschoss ergänzt. (Bild: Olaf Bartels)
Ali Rüstem hat die bekannte Verlagsbuchhandlung seines Vaters Kemal durch ein Restaurant im Obergeschoss und ein Café im Erdgeschoss ergänzt. (Bild: Olaf Bartels)
Neues Leben in alten Räumen
Mit den zunehmenden Verhandlungsaktivitäten wird der Wirtschaftsboykott brüchig und international agierende Unternehmen werden auch im Norden Zyperns aktiver. Während Alis Buchgeschäft nach der Öffnung der Grenze im Licht steht, liegt das Arab Ahmet Quartier noch immer in Schatten der Green-Line. In Nikosia wächst das, was einst zusammen gehörte, nur schwer zusammen. In der Pufferzone, die nach wie vor nur Mitglieder der UN-Schutztruppe betreten dürfen, bleibt alles beim Alten. Anders als in Berlin ist in Nikosia keine penibel geräumte, kontrollierte Zone eingerichtet worden, in der jeder Schritt verfolgt wird und zum Tod führt, wenn sein Urheber erkannt wird. Das Dickicht der städtischen Sperrzone war dennoch kaum überwindbar. Aber wenn auch diese Grenze menschliche Opfer forderte, sterben die Dinge hier noch einen natürlichen Tod. Das gilt auch für die Stadtstruktur in der Pufferzone. Noch gibt es sie. Von Norden wie von Süden bewachen türkische und griechische Soldaten diesen Stillstand.