Blick vom oberen Rang zur Bühne (© Gordon Welters)
Blick vom oberen Rang zur Bühne (© Gordon Welters)
Blick von Unter den Linden zum Bebelplatz, im Hintergrund die Sankt-Hedwigs-Kathedrale (© Gordon Welters)
Blick von Unter den Linden zum Bebelplatz, im Hintergrund die Sankt-Hedwigs-Kathedrale (© Gordon Welters)
Früher war nichts besser ...
Lageplan; gestrichelt der neue Verbindungsgang im UG (Plan: Büro HG Merz)
Lageplan; gestrichelt der neue Verbindungsgang im UG (Plan: Büro HG Merz)
Kaffeehaus-Atmosphäre: Auch der Apollo-Saal wurde penibel restauriert. Die Paulicksche Ornamentik offenbare sich, so die Bestandsanalyse, auch in gold gestrichenen Elektrokabeln. (Bild: Alexandra Sell)
Kaffeehaus-Atmosphäre: Auch der Apollo-Saal wurde penibel restauriert. Die Paulicksche Ornamentik offenbare sich, so die Bestandsanalyse, auch in gold gestrichenen Elektrokabeln. (Bild: Alexandra Sell)
Knobelsdorff und Paulick
Zuschauersaal im Entwurf von Klaus Roth, 2008 (Bild: Klaus Roth)
Zuschauersaal im Entwurf von Klaus Roth, 2008 (Bild: Klaus Roth)
Befangen statt couragiert
Klaus Roth hätte einen Opernsaal gebaut, der mit allen Sichtproblemen aufgeräumt und akustisch genug Volumen erzeugt hätte. Aber nein, es musste die biedermeierlich anmutende Fassung von Richard Paulick anvisiert werden, aus der – und das macht den Reiz der Umsetzung aus – HG Merz in homöopathischer Herangehensweise souverän eine subtile Erneuerung hinbekam. Das Büro ist erfahren im Weiterbauen heikler Bausubstanz, hat es doch nicht nur die Staatsbibliothek Unter den Linden, sondern auch das benachbarte, ehemalige DDR-Staatsratsgebäude und die Alte Nationalgalerie saniert und umgebaut.
Grundriss – gut zu sehen ist die Opulenz der Bühnentechnik
Grundriss – gut zu sehen ist die Opulenz der Bühnentechnik
Denkmalschutz und Akustik
Im Haupthaus häuften sich, wie nicht anders zu erwarten, die Probleme. Erhalten werden musste unter anderem die niedrige Eingangssituation – man kommt wie durch ein Mauseloch von draußen ins Foyer beziehungsweise zu den Kartenschaltern. Außerdem wurden die Umgänge, die Treppenzugänge und die Saalgrundrisse im Wesentlichen unverändert auf Vordermann gebracht. Barrierefreiheit, Bühnentechnik, Brandschutz – das Übliche, was normativ erwartet wird, war schon schwierig genug ins alte Gemäuer zu integrieren.
Bildmontage der einst niedrigeren und nun mit einer Nachhallgalerie erhöhten Saaldecke (Bild: HG Merz)
Bildmontage der einst niedrigeren und nun mit einer Nachhallgalerie erhöhten Saaldecke (Bild: HG Merz)
Rückseite des Rautengitters (© Gordon Welters)
Rückseite des Rautengitters (© Gordon Welters)
Funktionsweise der Nachhallgalerie
Funktionsweise der Nachhallgalerie
Die Proportionsänderung tritt an den Seitenlogen deutlich zutage. 1356 Opernfreunde können Platz nehmen. (© Gordon Welters)
Die Proportionsänderung tritt an den Seitenlogen deutlich zutage. 1356 Opernfreunde können Platz nehmen. (© Gordon Welters)
Verklingende Töne
Vorbei sind zwar die Opernskandale, die weiland in Fausthieben mit gerichtlichem Nachspiel endeten. Die Rangfolge der neuen Musikspielstätten – Oslo oder Reykjavik, Baku oder Singapur, Porto oder Kansas City, Graz oder Hamburg und jetzt München – droht jedoch nicht von künstlerischer Vortragsbrillanz oder gesellschaftspolitischer Bedeutung, sondern von einer schalltechnischen Optimierung getragen zu werden. Die Auszeichnung "Opernhaus des Jahres" wirkt dem dankenswerterweise entgegen.
(© Gordon Welters)
(© Gordon Welters)
Buisiness, Engagement, Event
HG Merz weiß das Unspektakuläre meisterhaft vor der Banalität zu retten. Aber Richard Paulick zu einem Virtuosen des Raums adeln, kann auch er nicht. So bleibt die Staatsoper unter vielen Gesichtspunkten, vor allem atmosphärisch, wie sie war – gefangen in Berliner Retroseligkeit, die auch vor Kitsch nicht halt macht.
(© Gordon Welters)
(© Gordon Welters)
Senatsverwaltung für Kultur und Europa vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Architekten
HG Merz, Berlin
Projektleitung
Joachim Munzig, Lutz Schütter mit Nursen Dasdelen, Thomas Greif, Matthias Rempen, Andreas Brass
Tragwerksplaner
CRP, GSE, Enseleit & Partner, Happold Ingenieurbüro
Planung Deckenkehle
Knippers Helbig
Projektsteuerung
Apleona / ipb whp
Gesamtkosten
400 Mio Euro
Gottfried Knapp, in: Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2017, Seite 12
Das ist es mir wert
- 1Christine Lemke-Matwey: Hightech in preußischem Rokoko. In: Die Zeit, 2. September 2017; Rolf Lautenschläger: Der kleine BER macht auf. In: taz, 2. Oktober 2017; Ralph Bollmann: Teuer, teurer, Staatsoper. In: FAZ, 8. Oktober 2017; Niklas Maak: Ist das die Berliner Elbphilharmonie? In: FAZ, 2. Oktober 2017; Peter Richter: Nachhallzeiten. In: Süddeutsche Zeitung, 5. Oktober 2017; Gerhard Matzig: Planen und Bauen in Schilda. In: Süddeutsche Zeitung, 30. September 2017 (2) Gottfried Knapp, in: Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2017, Seite 12
- 2Gottfried Knapp, in: Süddeutsche Zeitung, 16. Oktober 2017, Seite 12