Eingangsgebäude zum alten Elbe-Tunnel (© Martina Nolte, wikipedia)
Eingangsgebäude zum alten Elbe-Tunnel (© Martina Nolte, wikipedia)
Zugang zum Elbtunnel
Zugang zum Elbtunnel
oben: Aufblick im Eingangsbauwerk, in dem die Aufzüge auf Tunnelniveau führen.
Rechts: Fußgänger- und Fahrradstreifen im sanierten Tunnelabschnitt (Oströhre)
oben: Aufblick im Eingangsbauwerk, in dem die Aufzüge auf Tunnelniveau führen.
Rechts: Fußgänger- und Fahrradstreifen im sanierten Tunnelabschnitt (Oströhre)
Querschnitt durch die beiden Röhren; bei der Höhe des Tunnels musste nicht allein die Sitzhöhe der Kutscher berücksichtigt werden, sondern auch die Höhe des Peitschenschwungs. (Bild: Boeger-Jaeckle)
Querschnitt durch die beiden Röhren; bei der Höhe des Tunnels musste nicht allein die Sitzhöhe der Kutscher berücksichtigt werden, sondern auch die Höhe des Peitschenschwungs. (Bild: Boeger-Jaeckle)
Tübbings: Vorarbeiten an den Segmentstücken. Sechs Tübbings wurden zu einem Röhrenabschnitt zusammengenietet. (Bild: Holzmann Bildarchiv)
Tübbings: Vorarbeiten an den Segmentstücken. Sechs Tübbings wurden zu einem Röhrenabschnitt zusammengenietet. (Bild: Holzmann Bildarchiv)
Rückblick
Beide Tunnelröhren bestehen aus etwa 1700 einzelnen, ringförmigen Rohrsegmenten, die wiederum aus sechs Tübbings aus gewalztem Flusseisen zusammengesetzt wurden (genietet und mit Bleifugen abgedichtet). Die so entstandene Röhre wurde danach von innen mit Beton gegen das Aufschwimmen gesichert und die Fahrbahn hergestellt. Danach wurden Aufzüge (zwei große und zwei kleinere Lastenaufzüge und zwei Personenaufzüge je Schacht) und Stromleitungen installiert und schließlich die Tunnelwände gefliest. Einige der Fliesen sind mit Ornamenten versehen.
Am 7. September 1911 wurde das 10,7 Millionen Goldmark teure Bauwerk feierlich eröffnet. 2003 wurde der Tunnel unter Denkmalschutz gestellt und 2011 – zum hundertjährigen Jubiläum – als »historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland« ausgezeichnet.
1939 nutzten fast 16 Millionen Fußgänger, 4,4 Millionen Fahrräder sowie 59000 Fuhrwerke beziehungsweise Autos den Tunnel. In den sechziger Jahren waren es nur noch 5 Millionen Fußgänger, aber 900000 Autos. 2008 waren es 700000 Fußgänger, etwa 70000 Radfahrer und 300000 Autos.
Sanierter Wandabschnitt in der Oströhre mit nachgefertigter Schmuckfliese (Bild: Wilfried Dechau)
Sanierter Wandabschnitt in der Oströhre mit nachgefertigter Schmuckfliese (Bild: Wilfried Dechau)
Sanierung
In dieser Kurzform hört sich die Sanierung der Tunnelröhren ganz einfach an. So einfach war (und ist) es aber nicht. Zunächst müssen die Röhren entkernt werden. Das heißt, Fliesen und Betonschale werden entfernt, damit man an die Tübbing-Konstruktion herankommt. Dies erfolgt in zwei Schritten, nämlich zunächst die obere und nach Fertigstellung der oberen die untere Tunnelhälfte, damit der Tunnel immer genügend Eigengewicht aufweist um den Auftrieb zu verhindertn. Erst dann können die Niet- und Schraubverbindungen und die Fugendichtungen geprüft und gegebenenfalls erneuert werden. Dabei muss auf schadstoffbelastete Baustoffe (PAK=polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, Blei, Bleiverbindungen) geachtet werden. Das heißt, es wird in der Röhre unter erschwerten Bedingungen gearbeitet. Dann wird – mit verschiebbaren Schalungswagen – wieder eine Betonröhre eingezogen und zum Schluss erneut gefliest.
Bei der Oströhre ausschließlich mit neuen Fliesen. Auch die meisten Schmuckfliesen sind so originalgetreu wie möglich nachgebaut worden. In der Weströhre ist man bemüht, den Rückbau der Fliesen schonender vorzunehmen, um so viele Originalfliesen wie möglich bergen zu können. Mit den Denkmalschützern ist vereinbart, einen Streifen von etwa zehn Metern Länge ausschließlich mit originalen Fliesen zu verkleiden.
Zugangsbereich (Bild: Wilfried Dechau)
Zugangsbereich (Bild: Wilfried Dechau)
(Bilder: Wilfried Dechau)
(Bilder: Wilfried Dechau)
- Der geplante Tunnel unter der Elbe zwischen den Stadtteilen St. Pauli und Steinwärder in Hamburg. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 38 (1904), Nr. 45, S. 274-276
- Hans Jürgen Witthöft: Der Alte Elbtunnel. Geschichte und Geschichten, Hamburg, 2019
- Sven Bardua: Der Alte Elbtunnel, Hamburg, Band 8 der Reihe Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland, Berlin 2011
- Hein Schlüter: Faszination St. Pauli Elbtunnel. Vom technischen Meisterwerk zu Hamburgs einzigartigem Kulturgut, Hamburg, 2012
Weitere Informationen
- Ein Video auf Youtube erläutert den Bau des Tunnels: https://www.youtube.com/watch?v=hdBzASU8siM
- Zur Hundertjahrfeier bei Spiegel.de (mit 20 historischen Abbildungen): https://www.spiegel.de/geschichte/100-jahre-elbtunnel-a-947320.html
- und bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Pauli-Elbtunnel
Beteiligte
Bauherr (Erstellung): Freie und Hansestadt Hamburg
Architekten: Raabe & Wöhlecke, Altona
Baufirma: Philipp Holzmann & Cie, Hamburg
Aufzüge: Otis Elevator Gesellschaft, USA
Bauherr (Sanierung): HPA, Hamburg Port Authority, Hamburg
Beteiligte Firmen (Oströhre):
ARGE Grundinstandsetzung St.-Pauli-Elbtunnel (HC Hagemann und Ed. Züblin, Hamburg)
Boizenburg Fliesen, Boizenburg/Elbe
Kuretzkykeramik, Borstorf
Schatte GmbH, Hamburg
Ingenieure:
Ingenieurgesellschaft von Lieberman, Hamburg
Böger + Jäckle, Henstedt-Ulzburg
Wulff & Partner, Hamburg