2014 hatte Heiner Geißler (1930-2017, CDU) bereits mit seinem Vortrag über eine internationale sozial-ökologische Marktwirtschaft versucht, der Immobilienwirtschaft die Leviten zu lesen. Wie man heute feststellen kann ohne sichtbaren Erfolg. Wenngleich die Messeleitung in ihrem Abschlussbericht die Überschrift „Immobilienwirtschaft im Umbruch“ wählt. Im Schlussbericht der Expo Real 2022 heißt es lediglich beschwichtigend: „Die Branche blickt mit gedämpften Erwartungen in die Zukunft“. Nach Umbruch hört sich das nicht gerade an.
Stand der Stadt München in Halle A1 (Bild: Expo Real)
Stand der Stadt München in Halle A1 (Bild: Expo Real)
München: groß und am besten und überhaupt
Der Freistaat Sachsen übernimmt in Halle A2 eine Art Führungsrolle. Tschechien, Barcelona/Katalonien und Metropole Holland sorgen für Blicke über den Tellerrand. Ein Viertel der Halle wird mit Lounge- und Forumfunktionen bespielt.
Halle A3: Überraschungen sucht man am Stand „Swiss Circle“ vergeblich. Die früher schon mal den einschlägigen universitären Ausbildungsstätten zur Verfügung gestellten Flächen sind dieses Mal den Start-ups unter dem Motto "Innovationen" vorbehalten. IT-Lösungen zum Gebäudemanagement dominieren.
Dabei sein ist alles? Auf der Expo Real trifft sich die Branche, Architekten werden vereinzelt gesichtet. (Bild: Website Expo Real)
Dabei sein ist alles? Auf der Expo Real trifft sich die Branche, Architekten werden vereinzelt gesichtet. (Bild: Website Expo Real)
Konkurrenz stört die Geschäfte
Die Fundsache Brasov/Kronstadt aus Transsylvanien/Rumänien verdient hier unter dem Aspekt der Chancengleichheit besondere Aufmerksamkeit. Eine Stadt mit bedeutender Geschichte und Qualitäten zur Aufnahme in das Weltkulturerbe arbeitet am Stand mit Mitteln der Fremdenverkehrswerbung, um Investoren zu gewinnen. Die Unterlagen im Stickformat für mögliche Interessenten sind seriös und transparent aufbereitet. Da gibt es im Land des Grafen Dracula bereits Ableger der Automobilzulieferindustrie und die erforderlichen Arbeitskräfte. Es werden strukturelle Probleme benannt und nicht verschwiegen. 2023 winkt ein neuer internationaler Flughafen. Der Traum von einer prosperierenden Metropolregion wird trotz allem noch lange auf seine realen Konsequenzen warten lassen.
Stücke sichern, bevor die Torte gebacken ist
Noch ist kein Ende des Kriegs in Sicht. Aber über die Gelder für den Wiederaufbau wird bereits verhandelt. Viele potenzielle Investoren haben bereits eine Adresse in Kiew. https://exporeal.net/de/messe/informieren/ukraine-stand/
Noch ist kein Ende des Kriegs in Sicht. Aber über die Gelder für den Wiederaufbau wird bereits verhandelt. Viele potenzielle Investoren haben bereits eine Adresse in Kiew. https://exporeal.net/de/messe/informieren/ukraine-stand/
- Transparenter und klarer Dialog zwischen ukrainischen und internationalen Immobilienakteuren
- Analyse und Überwachung des Umfelds
- Verstehen des ukrainischen EU-Wegs – rechtlicher Rahmen, Werte und Reformen
- Erläuterung der ESG- und nachhaltigen Entwicklungsprinzipien
- Überwachung von Prioritäten und dringenden Reaktionen auf den Krieg – Infrastruktur, Wohnungsbau, Masterplanung
- Rolle und Bemühungen des globalen Baumarktes beim Wiederaufbau der Ukraine
Hier könnte man durchaus von einem Umbruch sprechen, falls diese Ideen auch nur im Ansatz politisch und branchenübergreifend beherzigt würden. In diesem Sinne sei der neunzigjährige Exminister Gerhart Baum (FDP) zitiert, der am Ende eines ganzseitigen Interviews in der Süddeutschen Zeitung vom 22. Oktober 2022 anmerkt: „Dem Markt müssen Grenzen gesetzt werden. Die Zeit des Neoliberalismus ist vorbei.“ Lesenswert zum Thema Ukraine: Bauwelt 22.2022 „Entlang der Front“.
Aus dem Expo Real Trendindex 2022
Aus dem Expo Real Trendindex 2022