Automatisierte Bandbibliothek am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, genutzt für die Langzeitarchivierung von Daten. (Bild: ©Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025)
Automatisierte Bandbibliothek am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, genutzt für die Langzeitarchivierung von Daten. (Bild: ©Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025)
Während sich die Diskussion um das Für und Wider von Künstlicher Intelligenz zuspitzt, vergessen wir oft die sozialen und ökologischen Auswirkungen dahinter: Digitale Infrastrukturen verbrauchen riesige Mengen an kritischen Rohstoffen und Energie. Weitsichtige Architektur könnte Rechenzentren & Co. verantwortungsvoller umsetzen – das zeigt die Ausstellung „City in the Cloud – Data on the Ground“ im Architekturmuseum der Technischen Universität München.
Data Cloud hört sich gut an – leicht und immateriell. Doch das Gegenteil ist der Fall … und darum geht es in diesem Text, der in unmittelbarer Nähe zum weltgrößten Internetknoten-Punkt, dem DE-CIX im Osten von Frankfurt am Main verfasst wurde, an dem sich eine große Dichte an Rechenzentren erheben. An den gesichts- und fensterlosen Fassaden der Riesenhallen kleben oft ein paar bunte Streifen, ein hilfloser Versuch der Gestaltung. Hohe Zäune und Kameras verhindern Einblick und Eintritt. Die Hochsicherheitsarchitektur schützt das Gold der postmodernen Gesellschaft im digitalen Zeitalter: Daten prägen unser physisches wie virtuelles Leben tiefgreifend – von den Medien über die Mobilität bis hin zur Gestaltung unserer Lebens- und Arbeitsräume. Es hat etwas Unheimliches, aber auch unglaublich Potentes in der Nähe dieser Datenzentren zu leben und zu arbeiten …
Daten der Architektur: digitales Modell der technischen Gebäudeausrüstung der Elbphilharmonie Hamburg, 2017. (Bild: © Herzog & de Meuron)
Daten der Architektur: digitales Modell der technischen Gebäudeausrüstung der Elbphilharmonie Hamburg, 2017. (Bild: © Herzog & de Meuron)
„Elementar“, „Räumlich“ und „Zeitlich“
„Räumlich“ betrachtet dann ganz konkret die Räume der Datenproduktion und die Architektur von Rechenzentren, aber auch die Idee und Realität der Smart City, was mitunter spannend sein kann. Und in „Zeitlich“ wiederum geht es um vieles, was auch derzeit in der Gesellschaft diskutiert wird: um ökologische und ethische Verantwortung sowie Gerechtigkeit im Umgang mit Daten, um techno-kapitalistische Machtstrukturen, aber auch um das Archivieren und Löschen von Daten. Die begleitende Publikation bietet zusätzlich eine Fülle von interessanten Aufsätzen und Gesprächen mit Menschen aus der Architektur, aber auch aus angrenzend Disziplinen, wie etwa Marina Otero Verzier, eine der prägenden Stimmen zu Data Architecture, die die wissenschaftliche Beratung der Ausstellung übernommen hat.
Post-koloniale Ausbeutungspraktiken
Ein Stück des ersten transatlantischen Tiefseekabels, das zwischen Europa und den Vereinigten Staaten verlegt wurde. (Bild: © Deutsches Museum)
Ein Stück des ersten transatlantischen Tiefseekabels, das zwischen Europa und den Vereinigten Staaten verlegt wurde. (Bild: © Deutsches Museum)
»Das achte Weltwunder«: das Atlantikkabel. Allegorische Szene, die Neptun mit einem Dreizack im Vordergrund zeigt, sowie einen Löwen, der Großbritannien repräsentiert, der das eine Ende des Atlantikkabels hält, und einen Adler, der die Vereinigten Staaten repräsentiert, der das andere Ende des Kabels hält, 1866. (Bild: Library of Congress)
»Das achte Weltwunder«: das Atlantikkabel. Allegorische Szene, die Neptun mit einem Dreizack im Vordergrund zeigt, sowie einen Löwen, der Großbritannien repräsentiert, der das eine Ende des Atlantikkabels hält, und einen Adler, der die Vereinigten Staaten repräsentiert, der das andere Ende des Kabels hält, 1866. (Bild: Library of Congress)
Der Salzsee Salar de Atacama in Chile ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an dem man Lithium in sehr hoher Konzentration finden kann; das Land produziert etwa 79 Prozent des Be-darfs der Europäischen Union dieses natürlichen Elements. Lithium befindet sich in Mineralsalzen, die in unterirdischen Solespeichern suspendiert sind. Diese werden in Becken an der Oberfläche der Wüste gepumpt und in mehreren Zyklen der Sonnenverdunstung ausgesetzt. Um eine Tonne Lithium am trockensten Ort der Welt zu gewinnen, werden rund 2,2 Millionen Liter Wasser verdampft. (Beide Bilder © Catherine Hyland, 2018)
Alles andere als grün
Mehr Verantwortung durch Architektur
Das Qianhai Telecommunication Center, Shenzhen, ist mit 110 Metern außergewöhnlich hoch für ein Data Center und hat eine öffentliche Lobby; Architektur: schneider + schumacher. (Bild: right angle)
Das Qianhai Telecommunication Center, Shenzhen, ist mit 110 Metern außergewöhnlich hoch für ein Data Center und hat eine öffentliche Lobby; Architektur: schneider + schumacher. (Bild: right angle)
Der Quantencomputer Mare Nostrum Ona ist im Barcelona Supercomputer Center in der entweihten Kapelle Torre Girona untergebracht und Teil des leistungsfähigsten Rechners Spaniens. (Bild: BSC Barcelona Supercomputing Center)
Der Quantencomputer Mare Nostrum Ona ist im Barcelona Supercomputer Center in der entweihten Kapelle Torre Girona untergebracht und Teil des leistungsfähigsten Rechners Spaniens. (Bild: BSC Barcelona Supercomputing Center)
Big Data ist politisch
Links: Mit über 364.000 Rechenkernen und mehr als 55 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde unterstützt Super-MUC-NG am Leibniz-Rechenzentrum großangelegte Simulationen in Bereichen wie Astrophysik, Teilchenphysik, Strömungsmechanik, Umweltwissenschaften und Life Sciences.
Rechts: Visualisierung von Starkregenereignissen, die am Leibniz-Rechenzentrum erstellt wurde. (Beide Bilder: © Giulia Bruno / Architekturmuseum der TUM, 2025)
Komplex, aber relevant
Die Ausstellung „City in the Cloud – Data on the Ground” läuft noch bis zum 8. März 2026
Architekturmuseum der Technischen Universität München
Neue Pinakothek, München
Weitere Information >>>
Publikation zur Ausstellung:
City in the Cloud – Data on the Ground.
Herausgegeben von Cara Hähl-Pfeifer, Damjan Kokalevski und Andres Lepik
Buchgestaltung Wiegand von Hartmann, 23 x 30 cm Fadengehefteter Pappband, 208 Seiten mit 152 Abbildungen, 58 Euro
Verlag Architangle, 2025
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