Holzbau steht hoch im Kurs – und wird auch für Bauten erprobt, bei denen man seine Verwendung bislang nicht vorgesehen hat. Doch nach wie vor gibt es die Aufgaben, für die Holz von jeher eine gute Wahl ist, etwa wenn es gilt, für Gewerbe oder die Landwirtschaft zu bauen. Das zeigen Beispiele aus Hohenbrunn und von der Schwäbischen Alb. Ein Haus für den Montessori-Campus am Starnberger See veranschaulicht zudem, dass traditionelle Typen sinnvoll adaptiert werden können.
Das Lern- und Werkhaus orientiert sich an tradtitionellen Typen, ohne sie zu kopieren. (Bild: Florian Holzherr)
Das Lern- und Werkhaus orientiert sich an tradtitionellen Typen, ohne sie zu kopieren. (Bild: Florian Holzherr)
Lern- und Werkhaus Gut Biberkor
2001 nahm die Montessori-Schule in den Räumen des ehemaligen Guts Biberkor oberhalb des Starnberger Sees den Unterricht auf. Vor fast 1000 Jahren wurde diese Gut erstmals urkundlich erwähnt, gehörte einem Grafen, Klöstern, einem Fabrikanten, bis es ein Unternehmer kaufte, der den Weg zum Aufbau der Schule öffnete. Bis 2010 wurde die Anlage durch einen Schulneubau erweitert und eine Turnhalle gebaut, in das alten Gutshaus zog eine Bildungseinrichtung für Erwachsene ein. Nun wurde der Campus mit dem Lern- und Werkhaus von Meck Architekten weiterentwickelt. Es ersetzt einen Hühnerstall ergänzt das Ensemble aus alten und neue Bauten.
Ansicht von Südwest. (Bild: Florian Holzherr)
Ansicht von Südwest. (Bild: Florian Holzherr)
Die geschichtete Fassade, räumlich und raumklimatisch wirksam. (Bild: Florian Holzherr)
Die geschichtete Fassade, räumlich und raumklimatisch wirksam. (Bild: Florian Holzherr)
Ansicht von Ost. (Bild: Florian Holzherr)
Ansicht von Ost. (Bild: Florian Holzherr)
Einer der vielfach nutzbaren Möglichkeitsräumen im Obergeschoss. (Bild: Florian Holzherr)
Einer der vielfach nutzbaren Möglichkeitsräumen im Obergeschoss. (Bild: Florian Holzherr)
Lernraum. Auch im Innern bestimmt das Holz und dessen materialgerechte Verarbeitung die Atmosphäre des Gebäudes. (Bild: Florian Holzherr)
Lernraum. Auch im Innern bestimmt das Holz und dessen materialgerechte Verarbeitung die Atmosphäre des Gebäudes. (Bild: Florian Holzherr)
Akademiesaal im Dachgeschoss. (Bild: Florian Holzherr)
Akademiesaal im Dachgeschoss. (Bild: Florian Holzherr)
Das Erdgeschoss lässt sich an den Längsseiten durch verglaste Schiebetüren öffnen, so können die Höfe zu beiden Seiten des Gebäudes miteinander verbunden werden. Hier, im Erdgeschoss, liegt der Werkstattbereich. Die Architektur unterstützt wichtige Prinzipien der Montessori-Pädagogik: eigenständiges Lernen, praktisches Arbeiten und gemeinschaftliches Leben. Das Raumkonzept ist wie die Baumaterialien und die robuste Konstruktion an einer langen Nutzungsdauer orientiert – spezielle Raumzuschnitte, die nur für eine Nutzung geeignet sind, wurden vermieden, stattdessen sprechen die Architekten von Möglichkeitsräumen: auf verschiedene Weise nutzbare Räume unterschiedlicher Größe, die sich variabel ins Lehrkonzept der Schule einbinden lassen – auch das ist etwas, was sich an traditionellen Haustypen orientiert und sie weiterentwickelt. Man kann sie als Lernräume nutzen, heute oder später sind aber auch andere Nutzungen denkbar. Dem Gemeinschaftsgedanken ist neben dem offenen Erdgeschoss der Saal unter dem Dach verpflichtet. Schließlicht zahlt auch die vollständig auf Biomasse (Holzpellets) basierende Wärmeversorgung sowie ein hocheffizienter baulicher Sonnenschutz in Verbindung mit Nachtauskühlung auf die langfristig nachhaltige Nutzung des Hauses ein, das dem Campus eine neue Mitte gibt. Bald wird das Holz seinen natürlichen Grauton bekommen und sich so noch besser in das Gesamtensemble einfügen – so kann Tradition im Heute fortgeschrieben werden, ohne sie als Bild zu kopieren.
Axonometrie
Axonometrie
Lageplan
Lageplan
Grundriss EG
Grundriss EG
Grundriss 1. OG
Grundriss 1. OG
Grundriss 2. OG
Grundriss 2. OG
Axonometrie, Lageplan, Grundrisse
Lern- und Werkhaus Gut Biberkor
Biberkorstr. 21 82335 Berg-Höhenrain
Bauherrin: GWM Wohnungsgesellschaft München mbH & Co. Vermögensverwaltungs KG
Architektur: meck architekten gmbh, Axel Frühauf
Mitarbeit: Friederike Henne (Projektleitung), Stefan Zöls, Karla Laukeningkat, Theresa Michl
Baumanagement, Kosten- und Terminplanung: meck ingenieure gmbh
Holzbau: Meiberger Holzbau GmbH
Bruttorauminhalt: 4.550 m²
Bruttogrundfläche: 1.400 m²
Planung: 2021–25
Fertigstellung: Juli 2026
Fotografie: Florian Holzherr
Auf der Albhochfläche ist das Gebäude weithin sichtbar und wirkt dennoch selbstverständlich. Das geneigte Dach, die horizontale Gliederung binden es ruhig und unaufgeregt in die Landschaft ein. Die (zukünftige) Vergrauung des Holzes wird dies noch verstärken. (Bild: Thomas Herrmann)
Auf der Albhochfläche ist das Gebäude weithin sichtbar und wirkt dennoch selbstverständlich. Das geneigte Dach, die horizontale Gliederung binden es ruhig und unaufgeregt in die Landschaft ein. Die (zukünftige) Vergrauung des Holzes wird dies noch verstärken. (Bild: Thomas Herrmann)
Getreidemagazin St. Johann
Das Haupt- und Landgestüt Marbach ist eines der großen Gestüte in Deutschland, es wird vom Land Baden-Württemberg betrieben. Zu ihm gehört neben dem namensgebenden Hauptstandort unter anderem auch der Gestütshof von Sankt Johann, gelegen auf einer Albhochfläche zwischen Bad Urach und Reutlingen. Rund 14 Gebäude aus vier Jahrhunderten – Wohn- und Wirtschaftsgebäude, Reithalle, Stallungen – fügen sich hier zu einem denkmalgeschützten Ensemble. 2017 war hier eine denkmalgeschützte Halle abgebrannt, ein Neubau war nötig geworden. Für das Gestüt war das eine Chance, seine hohen Ansprüche sichtbar zu machen – seit 2022 ist der Betrieb auf ökologische Standards ausgerichtet. Das neue Getreidemagazin, geplant vom Architekturbüro a+r, steht dabei auch modellhaft für moderne Agrartechnik, gerade in der Verbindung zur Jahrhunderte alter Tradition des Gestüts.
Der Neubau des Getreidemagazins markiert den Eingang zum Gestütshof. (Bild: Thomas Herrmann )
Der Neubau des Getreidemagazins markiert den Eingang zum Gestütshof. (Bild: Thomas Herrmann )
Einfache Mittel, große Wirkung. ansicht von Nordost. (Bild: Thomas Herrmann )
Einfache Mittel, große Wirkung. ansicht von Nordost. (Bild: Thomas Herrmann )
Das Getreidemagazin fügt sich in Topografie, Klima und Struktur des Gestütshofes St. Johann auf der Schwäbischen Alb. Am südöstlichen Rand des Hofs bildet es den Eingang zur Hofzufahrt. (Bild: Thomas Herrmann )
Das Getreidemagazin fügt sich in Topografie, Klima und Struktur des Gestütshofes St. Johann auf der Schwäbischen Alb. Am südöstlichen Rand des Hofs bildet es den Eingang zur Hofzufahrt. (Bild: Thomas Herrmann )
Der Bau reagiert auf eine jahrhundertealte Agrarlandschaft reagiert – nicht mit Folklore, sondern mit handwerklicher Klarheit und präziser Linienführung. (Bild: Thomas Herrmann )
Der Bau reagiert auf eine jahrhundertealte Agrarlandschaft reagiert – nicht mit Folklore, sondern mit handwerklicher Klarheit und präziser Linienführung. (Bild: Thomas Herrmann )
Die sechs bis zu 3,20 Meter hohen, gebogenen Leimholzbinder formen den weit gespannten Dachraum über den großen, offenen Trapezblechlagerboxen. (Bild: Thomas Herrmann )
Die sechs bis zu 3,20 Meter hohen, gebogenen Leimholzbinder formen den weit gespannten Dachraum über den großen, offenen Trapezblechlagerboxen. (Bild: Thomas Herrmann )
Mit insgesamt rund 1.000 Tonnen Fassungsvermögen bietet das Getreidemagazin großzügigen Raum für die Ernte. Sechs Silos stehen für kleinere Mengen Getreide sowie Hülsenfrüchte oder Futterpellets zur Verfügung. (Bild: Thomas Herrmann )
Mit insgesamt rund 1.000 Tonnen Fassungsvermögen bietet das Getreidemagazin großzügigen Raum für die Ernte. Sechs Silos stehen für kleinere Mengen Getreide sowie Hülsenfrüchte oder Futterpellets zur Verfügung. (Bild: Thomas Herrmann )
Lageplan
Lageplan
Grundriss
Grundriss
Schnitt
Schnitt
Lageplan, Grundriss, Schnitt
Ort: Gestütshof St. Johann, 72813 St. Johann
Bauherrschaft: Land Baden-Württemberg vertreten durch den Landesbetrieb Vermögen und Bau, Amt Tübingen
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart/Tübingen
Tragwerksplanung: tragwerkeplus, Hochbauplanung GmbH & Co. KG
Bruttorauminhalt: 8.446 m³
Bruttogeschossfläche: 816 m²
Nutzfläche: 758 m²
Bauzeit: November 2021 bis Dezember 2023; Außenanlagen: Oktober 2024 bis Mai 2025
Fotografie: Thomas Herrmann
Blick in die Halle vor Inbetriebnahme: Schlichte Eleganz ohne Selbstzweck. (Bild: Matthias Kestel)
Blick in die Halle vor Inbetriebnahme: Schlichte Eleganz ohne Selbstzweck. (Bild: Matthias Kestel)
Lagerhalle und Bürogebäude in Hohenbrunn
Blick von Norden auf das Ensemble. Durch eine Befreiung konnte die Treppe außerhalb der Baugrenze angeordnet werden. (Bild: Matthias Kestel)
Blick von Norden auf das Ensemble. Durch eine Befreiung konnte die Treppe außerhalb der Baugrenze angeordnet werden. (Bild: Matthias Kestel)
Die beiden Baukörper verbindet nicht nur das aufeinander abgestimmte Volumen, sondern auch die Dacheindeckung und das für beide Fassaden verwendete vorgegraute Fichtenholz, das gut mit dem Sichtbeton der Sockel harmoniert. Das Bürogebäude ist nicht zuletzt dank einer Dachdeckung aus aluverzinktem Stahl-Wellblech und der außenliegenden Stahltreppe, die von einem Metallnetz eingefasst ist, kein Fremdkörper im Ensemble und Umfeld, zeigt seine Nutzung dann durch die Fensterkästen aus Lärche, die sich zu horizontalen Bändern addieren. Sie erhielten einen textilen Sonnenschutz. Die Innenräume sind in gleicher Art, Sorgfalt und Zurückhaltung gestaltet: Die Böden aus geschliffenem Beton, die Stützen und Oberflächen, meist aus Holz, teilweise lasiert, schaffen eine warme wie sachliche Atmosphäre; auch Türen und verglasten Raumtrenner sind in Holz gefasst. Die Nebenräume, dunkel abgesetzt, zonieren die Funktionsbereiche leicht nachvollziehbar.
Ansicht West, Blick in den Hof für die Anlieferung zwischen den beiden Baukörpern. Tiefe Fassadenkästen aus Lärche zonieren die Bürofassade. (Bild: Matthias Kestel)
Ansicht West, Blick in den Hof für die Anlieferung zwischen den beiden Baukörpern. Tiefe Fassadenkästen aus Lärche zonieren die Bürofassade. (Bild: Matthias Kestel)
Die Halle wird auf den Betrieb vorbereitet. Ein durchgängiges Rammbord dient als Anprallschutz und gestalterisches Element. Bild: Matthias Kestel)
Die Halle wird auf den Betrieb vorbereitet. Ein durchgängiges Rammbord dient als Anprallschutz und gestalterisches Element. Bild: Matthias Kestel)
Die Südostseite ist anders als die gegenüberliegende Fassade nicht vollflächig mit transluzenten Elementen ausgestattet. (Bild: Matthias Kestel)
Die Südostseite ist anders als die gegenüberliegende Fassade nicht vollflächig mit transluzenten Elementen ausgestattet. (Bild: Matthias Kestel)
Blick in die Halle nach der Inbetriebnahme. (Bild: Matthias Kestel)
Blick in die Halle nach der Inbetriebnahme. (Bild: Matthias Kestel)
Büroräume mit Blick auf die Küche. Die sichtbaren konstruktiven Elemente aus Brettsperrholz (Decken) und Brettschichtholz (Stützen & Unterzüge) sind unbehandelt. (Bild: Matthias Kestel)
Büroräume mit Blick auf die Küche. Die sichtbaren konstruktiven Elemente aus Brettsperrholz (Decken) und Brettschichtholz (Stützen & Unterzüge) sind unbehandelt. (Bild: Matthias Kestel)
Helle, freundliche, sachliche Atmosphäre in den Büroräumen. Ein Edelstahlnetz dient zur Zonierung. (Bild: Matthias Kestel)
Helle, freundliche, sachliche Atmosphäre in den Büroräumen. Ein Edelstahlnetz dient zur Zonierung. (Bild: Matthias Kestel)
Lageplan, Grundrisse, Schnitte, Explosionszeichnungen