Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer, bei seiner Ansprache, hinter ihm die bisherigen »Wahrzeichen« (Bild: Wilfried Dechau)
Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer, bei seiner Ansprache, hinter ihm die bisherigen »Wahrzeichen« (Bild: Wilfried Dechau)
Der Wind war schneller als die Enthüllungs-Mannschaft. (Bild: Wilfried Dechau)
Der Wind war schneller als die Enthüllungs-Mannschaft. (Bild: Wilfried Dechau)
Wissen und Wissen vermitteln
Für den Wiederaufbau der Wormser Rheinbrücke wurde 1951 ein beschränkter Wettbewerb unter sieben deutschen Stahl- und Stahlbetonbaufirmen ausgeschrieben. Die Stahlknappheit der Nachkriegsjahre trug dazu bei, dass Ulrich Finsterwalders Entwurf, die Brücke im freien Vorbau mit Spannbeton zu errichten, die besten Chancen hatte. Im Bild: Freier Vorbau vom Wormser Rheinufer und von einem der Strompfeiler aus zu beiden Seiten. (Bild: aus dem Buch von Cengiz Dicleli)
Für den Wiederaufbau der Wormser Rheinbrücke wurde 1951 ein beschränkter Wettbewerb unter sieben deutschen Stahl- und Stahlbetonbaufirmen ausgeschrieben. Die Stahlknappheit der Nachkriegsjahre trug dazu bei, dass Ulrich Finsterwalders Entwurf, die Brücke im freien Vorbau mit Spannbeton zu errichten, die besten Chancen hatte. Im Bild: Freier Vorbau vom Wormser Rheinufer und von einem der Strompfeiler aus zu beiden Seiten. (Bild: aus dem Buch von Cengiz Dicleli)
Public relations – public affairs
Die Wormser Rheinbrücke als Postkartenmotiv von 1902. Damals hieß sie noch Ernst-Ludwig-Brücke. Am Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Stahlkonstruktion der Flussbrücke durch die Wehrmacht zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde sie 1953 umgetauft zur Nibelungenbrücke.
Die Wormser Rheinbrücke als Postkartenmotiv von 1902. Damals hieß sie noch Ernst-Ludwig-Brücke. Am Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Stahlkonstruktion der Flussbrücke durch die Wehrmacht zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde sie 1953 umgetauft zur Nibelungenbrücke.
Nibelungenbrücke mit Nibelungenturm. Nach Fertigstellung der Entlastungs-Brücke wurde die Nibelungenbrücke 2010-2013 »grundständig« saniert. Bereits 2008 war beschlossen worden, die ingenieurgeschichtlich bedeutsame, seit 2003 denkmalgeschützte Brücke lediglich für eine Restnutzungszeit von weiteren 15 bis zwanzig Jahren zu sanieren und danach abzureißen. Dies wurde allerdings erst 2019 öffentlich gemacht.
Nibelungenbrücke mit Nibelungenturm. Nach Fertigstellung der Entlastungs-Brücke wurde die Nibelungenbrücke 2010-2013 »grundständig« saniert. Bereits 2008 war beschlossen worden, die ingenieurgeschichtlich bedeutsame, seit 2003 denkmalgeschützte Brücke lediglich für eine Restnutzungszeit von weiteren 15 bis zwanzig Jahren zu sanieren und danach abzureißen. Dies wurde allerdings erst 2019 öffentlich gemacht.
Nochmal: Die Bemühungen der Bundesingenieurkammer, auf bedeutende Ingenieurbauwerke hinzuweisen sind aller Ehren wert. Um damit aber nicht nur in der eigenen Blase zu bleiben, muss die Kammer da noch ein Pfund drauflegen. Ingenieure sollten allmählich aufhören, ständig darüber zu jammern, dass in den Zeitungen immer nur von Architekten und nie von Ingenieuren die Rede ist. Ich kann das Gejammere langsam nicht mehr hören. Besser wäre es, sich getreu der Devise »Tue Gutes und rede darüber.« (Georg Volkmar Graf Zedwitz-Arnim) zu verhalten. Und dazu gehört ein anderes Selbstverständnis gegenüber der Fotografie und ein nüchternes Verhältnis zum Thema PR.
Falsche Bescheidenheit oder Arroganz?
Es geht doch
Hamburgische Ingenieurkammer-Bau (Hrsg.): Sven Bardura: Ingenieurbauführer Hamburg. Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs, Bd. 37. 320 Seiten, 320 Abbildungen, Format 17 x 24 cm, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2022, 35 €. ISBN 978-3-86218-094-3
Hamburgische Ingenieurkammer-Bau (Hrsg.): Sven Bardura: Ingenieurbauführer Hamburg. Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs, Bd. 37. 320 Seiten, 320 Abbildungen, Format 17 x 24 cm, Verlag Dölling und Galitz, Hamburg 2022, 35 €. ISBN 978-3-86218-094-3
Zeigen, was man kann
Aber bevor man in die Details geht, sollte man unbedingt die Einleitung lesen. Sven Bardua, der Autor des Ingenieurbauführers, hält mit seiner Meinung »Zum Selbstverständnis der Bauingenieure« nicht hinterm Berg: »Die Tätigkeit der Bauingenieure in der Öffentlichkeit (wirkt) eher geräuschlos, fast unauffällig, während die Architekten viel mehr Aufmerksamkeit erregen. Das Klischee von dem eher zurückhaltenden Bauingenieur und dem extrovertierten Architekten wird von der Realität oft bestätigt. Bei vielen Hochbauten sind die Architekten allgemein bekannt, die Ingenieure jedoch nicht.«
Museum für Hamburgische Geschichte, Überdachung des Innenhofs, 1989. Ingenieur: Jörg Schlaich, schlaich bergermann und partner, Architekt: Volkwin Marg, Gerkan, Marg und Partner
Museum für Hamburgische Geschichte, Überdachung des Innenhofs, 1989. Ingenieur: Jörg Schlaich, schlaich bergermann und partner, Architekt: Volkwin Marg, Gerkan, Marg und Partner
Finnlandhaus, Baungenieure: Büro Leonhardt und Andrä, Architekt: Hentrich & Petschnigg. Bauzeit 1964-1966. Als das Finnlandhaus gebaut wurde, hatte ich mich längst entschieden, Architektur zu studieren. Dass es sich um ein Hängehaus handelt, ist mir schon während der Bauzeit aufgefallen. Doch, wer diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann es dem Haus nicht auf den ersten Blick ansehen.
Finnlandhaus, Baungenieure: Büro Leonhardt und Andrä, Architekt: Hentrich & Petschnigg. Bauzeit 1964-1966. Als das Finnlandhaus gebaut wurde, hatte ich mich längst entschieden, Architektur zu studieren. Dass es sich um ein Hängehaus handelt, ist mir schon während der Bauzeit aufgefallen. Doch, wer diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann es dem Haus nicht auf den ersten Blick ansehen.
Unter der Überschrift »Bauingenieure in der Öffentlichkeit« zitiert Sven Bardua den Architekten und Technikhistoriker Herbert Ricken: »Die künstlerische Interpretation des Bauwerks dominiert über die Würdigung der technischen Leistung.« Und: »Fragt die Geschichte der Architektur nach bewährter kunstwissenschaftlicher Methode stets auch nach dem Schöpfer des Bauwerks und seinen künstlerischen Intentionen, tritt in den Darstellungen bautechnischer Leistungen der Ingenieur hinter sein Werk.«
Kirche St. Jacobi, Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg von 1951-1963. Das Bild vom Wiederaufbau des Turmhelms erinnert mich stark an den Wiederaufbau der Kirchtürme in Lübeck, wo ich täglich auf dem Schulweg den Fortgang der Arbeiten beobachten konnte. Die Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr. Der Turm von St. Jacobi wurde ebenfalls nach dem System Trautsch-Pieper in Leichtbeton ausgeführt. Prof. Klaus Pieper hatte dieses System vorgeschlagen, weil die durch den Brand 1943 stark in Mitleidenschaft gezogenen Mauerwerkstürme der Last eines viel schwereren Holzdachstuhls wohl nicht mehr hätten standhalten können.
Kirche St. Jacobi, Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg von 1951-1963. Das Bild vom Wiederaufbau des Turmhelms erinnert mich stark an den Wiederaufbau der Kirchtürme in Lübeck, wo ich täglich auf dem Schulweg den Fortgang der Arbeiten beobachten konnte. Die Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr. Der Turm von St. Jacobi wurde ebenfalls nach dem System Trautsch-Pieper in Leichtbeton ausgeführt. Prof. Klaus Pieper hatte dieses System vorgeschlagen, weil die durch den Brand 1943 stark in Mitleidenschaft gezogenen Mauerwerkstürme der Last eines viel schwereren Holzdachstuhls wohl nicht mehr hätten standhalten können.
Oh ja, es wäre schön, wenn sich Ingenieure nicht nur hinter finiten Elementen verstecken und immer dann (ein bißchen) aufheulen, wenn mal wieder nichts über ihren Anteil am Bauwerk x in der Zeitung steht. Sie müssen lernen, ihre Arbeit beschreiben und erklären zu können, damit ihre Werke in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen werden können. Über seinen Lehrer Fritz Leonhardt schrieb Jörg Schlaich, er habe großen Wert auf ordentliches Deutsch gelegt und seinen Schülern vermittelt, wie wichtig es sei, daß gerade Bauingenieure alles Technokratische zugunsten des Kulturellen ablegen und daß sich das nicht nur in ihren Bauten, sondern auch ihren Schriften widerspiegeln müsse. Das scheint wohl nicht so einfach zu sein, oder im Studium nicht hinlänglich gelehrt zu werden, denn so ganz ohne Grund hat Klaus Stiglat im Sammelband »Bauingenieure und ihr Werk« nicht gestöhnt: »Ingenieure zum Schreiben oder zum Berichten über sich selbst zu bringen (...) war wahrlich nicht einfach (...).«
Kirche St. Petri, Wiederaufbau nach dem Großen Brand 1842. Lange wurde bei uns zuhause das Gesellenstück meines Großvaters aufgehoben: Das Modell vom Dachstuhl eines spitzen Kirchturms. Natürlich aus Holz. Dass man bereits Mitte des 19. Jahrhunderts – aus ähnlichen Erwägungen, wie später bei den Kirchtürmen in Lübeck – nach Alternativen zum Holzdachstuhl suchte, war mir nicht bekannt. »Die Turmspitze ist ein klar gestaltetes Tragwerk aus Schmiedeeisen, quasi ein kleiner Eiffelturm.«
Kirche St. Petri, Wiederaufbau nach dem Großen Brand 1842. Lange wurde bei uns zuhause das Gesellenstück meines Großvaters aufgehoben: Das Modell vom Dachstuhl eines spitzen Kirchturms. Natürlich aus Holz. Dass man bereits Mitte des 19. Jahrhunderts – aus ähnlichen Erwägungen, wie später bei den Kirchtürmen in Lübeck – nach Alternativen zum Holzdachstuhl suchte, war mir nicht bekannt. »Die Turmspitze ist ein klar gestaltetes Tragwerk aus Schmiedeeisen, quasi ein kleiner Eiffelturm.«