Grundschule in Neidenfels, 1957-59, gebaut von Wolfgang Hirsch (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Grundschule in Neidenfels, 1957-59, gebaut von Wolfgang Hirsch (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
"... internationale Standards gesetzt"
Wunderbare, skulpturale Schulhofkante der Grundschuele in Neidenfels (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Wunderbare, skulpturale Schulhofkante der Grundschuele in Neidenfels (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Preisträger der hochrenommierten Wolfgang-Hirsch-Auszeichnung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz: Manfred Sack (1928-2014, hier bei der Preisverleihung), Architekturkritiker der ZEIT, Günter Behnisch (1922-2010) und Ernst Ulrich von Weizsäcker (*1939). (Montage: marlowes.de) Leider fehlt noch Wissenswertes zum Werk von Wolfgang Hirsch sowohl auf der Website der Architektenkammer als auch auf den Websites der Werkgemeinschaften Karlsruhe beziehungsweise Landau.
Preisträger der hochrenommierten Wolfgang-Hirsch-Auszeichnung der Architektenkammer Rheinland-Pfalz: Manfred Sack (1928-2014, hier bei der Preisverleihung), Architekturkritiker der ZEIT, Günter Behnisch (1922-2010) und Ernst Ulrich von Weizsäcker (*1939). (Montage: marlowes.de) Leider fehlt noch Wissenswertes zum Werk von Wolfgang Hirsch sowohl auf der Website der Architektenkammer als auch auf den Websites der Werkgemeinschaften Karlsruhe beziehungsweise Landau.
Hirsch wurde in Kaiserlautern geboren, aber die Familie zog bald nach Neustadt an der Weinstraße, wo der Sohn das (alte) Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium besuchte. Unentschlossen bei der Berufswahl begann er zunächst mit Medizin in München, studierte dann aber Architektur in Karlsruhe. Er war Assistent an der TH, traf dort auf Alfred Bohne, mit dem er 1951 ein eigenes Büro gründete. Ihre Arbeitsschwerpunkte lagen bei Schul- und Krankenhausbauten – Aufträge, die sie über zahllose Wettbewerbe gewannen. Man teilte sich die Aufgaben, Wolfgang Hirsch war vor allem für die Bildungsbauten zuständig. Die Berufsschule in Eberbach und die Grundschule in Neidenfels zählen zu seinen maßgebenden, akribisch detaillierten Arbeiten.
Links die Aula, rechts am Hang die Pavillons mit Klassenräumen. Die Grundschule Neidenfels schmiegt sich an den Hang. (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Links die Aula, rechts am Hang die Pavillons mit Klassenräumen. Die Grundschule Neidenfels schmiegt sich an den Hang. (Bild: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Wohnhaus Biffar, Neustadt/ Haardt, 1957-59 gebaut von Wolfgang Hirsch (Bilder: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Wohnhaus Biffar, Neustadt/ Haardt, 1957-59 gebaut von Wolfgang Hirsch (Bilder: Robert Ruthardt, Karlsruhe)
Damit florierte das Büro, Wolfgang Hirsch, so berichtete es sein Partner später, litt jedoch unter dem Eindruck, „das Ganze sei nicht mehr zu übersehen“. Man trennte sich freundschaftlich, Hirsch schloss sich 1961 einem anderen Büro an, der Werkgemeinschaft Karlsruhe. Zunächst waren es fünf Partner: Paul Schütz, Dieter Stahl, Rudolf Hoinkis, Martin Lanz – und Wolfgang Hirsch. Das Architekturunternehmen beschäftigte meist um die 50 Mitarbeiter. Die Aufträge kamen zunächst aus dem Umland, erst 1963 war die Gemeinschaft in Karlsruhe erfolgreich mit den gewonnenen Wettbewerben für das Staatstheater und die Ernst-Reuter-Schule. Auch die Baumgartensiedlung im Stadtteil Rüppur gehörte zu ihren frühen Arbeiten. Hier galt es bereits, den gestiegenen Wohnbedürfnissen gerecht zu werden. Mit dem Erfolg wurde das Werkverzeichnis zunehmend vielfältiger, neben den Bildungsbauten tauchen Verwaltungsgebäude auf. Die Stadtwerke, die Uni in Karlsruhe, der Röser Verlag und IBM zählten zu den Auftraggebern. „Kleine individuelle Sonderanfertigungen“, wie Wolfgang Hirsch Einfamilienhäuser rubrizierte, passten für ein Büro dieser Größe kaum noch. Wettbewerbe, über 120 Preise und Ankäufe, darunter 38 erste Preise sorgten für Aufträge. Die Architektursprache der Partnerschaft folgte längst internationalen Standards. In den Publikationen ihrer Bauten findet man die Attribute Transparenz, Ordnung, Raster. Man erinnert sich an béton brut, Klinker und Holz, alles gewissenhaft bis ins Detail stimmig ausgeführt.
Kirchenzentrum Sankt Elisabeth in Landau, gebaut von Wolfgang Hirsch; die Pflege des Gebäudes lässt zu wünschen übrig. Die Betonreliefs an den Fassaden stammen von Emil Wachter (1921-2012), mit dem Wolfgang Hirsch mehrfach zusammenarbeitete. (Bilder: Wilfried Dechau)
Kirchenzentrum Sankt Elisabeth in Landau, gebaut von Wolfgang Hirsch; die Pflege des Gebäudes lässt zu wünschen übrig. Die Betonreliefs an den Fassaden stammen von Emil Wachter (1921-2012), mit dem Wolfgang Hirsch mehrfach zusammenarbeitete. (Bilder: Wilfried Dechau)
Die Architektur wird leider zu wenig gepflegt. (Bilder: Wilfried Dechau)
Die Architektur wird leider zu wenig gepflegt. (Bilder: Wilfried Dechau)
Sankt Elisabeth, Innenraum
Sankt Elisabeth, Innenraum
Was Wolfgang Hirsch zusätzlich auszeichnete, war sein politisches Verständnis einer Partnerschaft. In der Ära der Studentenbewegung passte es besser, vom Kollektiv zu sprechen als vom Team. Gerhard Dürr, Ende der 50er Jahre Projektleiter bei Hirsch + Bohne, erinnert sich amüsiert, dass Hirsch nach einer der ersten internationalen Architekturausstellungen (mit der die Präsentation der Schule in Neidenfels als vorbildliches Beispiel neuer Tendenzen bis in die USA wanderte) aus dem kommunistischen Polen zurückkehrte und die Vielfalt eines kooperativen Leistungsspektrums pries, bei dem das gemeinsame Engagement vor dem persönlichen Beitrag zählt. Jeder der Partner arbeitete nun mit einer Projektgruppe, in der sich möglichst alle entfalten, selbst bestimmen und ihren Neigungen folgen konnten. Dazu gehörte auch eine gleichmäßige Gewinnverteilung, unabhängig, wie die einzelne Gruppe mit ihrem Projekt wirtschaftlich abgeschnitten hatte. Wolfgang Hirsch hat diesen kollegialen Arbeitsstil 1972 in einem ausführlichen Artikel im Architektenblatt erläutert.
Die Universität Landau entstand in den 1950er Jahren und wurde bereits saniert. (Bilder: Wilfried Dechau)
Die Universität Landau entstand in den 1950er Jahren und wurde bereits saniert. (Bilder: Wilfried Dechau)