Team RoofKIT, Karlsruhe Institute of Technology, Visualisierung der Anwendung an einem der drei vorgegeben Standorte. (Bild: ©Solar Decathlon Europe, SDE)
Team RoofKIT, Karlsruhe Institute of Technology, Visualisierung der Anwendung an einem der drei vorgegeben Standorte. (Bild: ©Solar Decathlon Europe, SDE)
Vom 10. bis 29. Juni zeigten 18 Hochschulteams aus elf Ländern beim Solar Decathlon Europe ihre Visionen für Architektur in der Klimakrise. Die Ergebnisse waren vielfältig, mitunter formalästhetisch ebenso wie architektonisch aufschlussreich. Vor allem aber zeigten sie, wie weit Architektur heute schon sein könnte.
Die Ausstellungsfläche des Solar Decathlon Europe in Wuppertal, am gefühlten Stadtrand zwischen Autobahn und Mirker-Bahnhof eingeklemmt, präsentiert sich zunächst enttäuschend. Dabei gäbe der Ort viel her. Utopia-Stadt, Mirker-Bahnhof, alte Glaserei: Hier wird seit einiger Zeit recht erfolgreich praktiziert, wie Stadt und unser Zusammenleben in unterschiedlichen Akteurskonstellationen neu verhandelt und gestaltet werden kann. Die Veranstaltenden haben wenig getan, um diesen Geist für den Hochschul-Wettbewerb vor Ort urbar zu machen. Schotter und Rindenmulch haben sie auf der Fläche verteilt, ein paar lustlos verteilte Catering-Wagen sorgen für ein Mindestmaß an Verpflegung, das jedoch von jeder Dorfkirmes überboten wird. Von jugendlichem Engagement, hippem studentischen Ambiente, Foodtrucks und Lampionketten ist das alles meilenweit entfernt.
Siegreich im Wettbewerb: Team RoofKIT, Karlsruhe Institute of Technology auf dem Wettbewerbsgelände. (Bild: ©SDE 2022)
Siegreich im Wettbewerb: Team RoofKIT, Karlsruhe Institute of Technology auf dem Wettbewerbsgelände. (Bild: ©SDE 2022)
Typos und Topos
Materialien und Fügungen
Team Scheden, Chalmers University of Technology. (Bild: © SDE 2022)
Team Scheden, Chalmers University of Technology. (Bild: © SDE 2022)
Auch auffällig: Lehm spielt die zweite entscheidende Rolle. Auch er taucht fast überall auf, seine für das Raumklima hervorragenden Eigenschaften sind erkannt und setzen sich wenigstens hier durch. Die Teams aus Karlsruhe und Eindhoven setzen außerdem dezidiert auf rezyklierte Materialien. Wer die Arbeiten von Dirk E. Hebel am Forschungshaus im schweizerischen Dübendorf und seinem Lehrstuhl kennt, wird mit Blick auf das von ihm betreute Projekt aus Karlsruhe wenig überrascht sein, spannend ist es dennoch, die aus vermeintlichem Abfall hergestellten Oberflächenmaterialien und aus der urbanen Mine gewonnenen Hölzer, Türen und Fenster hier erneut räumlich gefügt zu sehen. Überhaupt die Fügungen: Dass jedes Gebäude ein künftiger Altbau ist, bei dem es irgendwann womöglich um die Nach- und Weiternutzung seiner Materialien gehen wird, haben viele Teams verinnerlicht. Leimfrei wird gefügt, geschraubt oder in tradierten Handwerkstechniken verbunden. So sind die einzelnen Komponenten künftig sortenrein demontierbar und an anderer Stelle ohne wesentliche Qualitätsverluste wiederverwertbar.
How we will live together
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf. (© SDE 2022)
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf. (© SDE 2022)
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf. (© SDE 2022)
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf. (© SDE 2022)
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf, Visualisierung der Übertragung auf den städtichen Kontext (© SDE 2022)
Team MIMO, Hochschule Düsseldorf, Visualisierung der Übertragung auf den städtichen Kontext (© SDE 2022)
Setzkasten der Ideen
Team coLLab, Hochschule für Technik, Stuttgart. (Bild: © SDE 2022)
Team coLLab, Hochschule für Technik, Stuttgart. (Bild: © SDE 2022)
Team coLLab, Hochschule für Technik, Stuttgart. Visualisierung der Übertragung auf den städtichen Kontext. (Bild: © SDE 2022)
Team coLLab, Hochschule für Technik, Stuttgart. Visualisierung der Übertragung auf den städtichen Kontext. (Bild: © SDE 2022)
Team levelup, Technische Hochschule Rosenheim. (Bild © SDE 2022)
Team levelup, Technische Hochschule Rosenheim. (Bild © SDE 2022)
Team AuRA, Ecole Nationale Supérieure d'Architecture de Grenoble. (Bild: © SDE2022)
Team AuRA, Ecole Nationale Supérieure d'Architecture de Grenoble. (Bild: © SDE2022)
Nicht zuletzt ist es beeindruckend zu sehen, wie diese jungen Menschen miteinander umgehen.
Bei den Verleihungen der insgesamt zehn Preise dieses architektonischen Zehnkampfs und den verschiedenen Sonderpreisen der Industrie werden die anderen Teams enthusiastisch bejubelt, der verhinderte schwedische Beitrag wird von anwesenden Studierenden mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, die Studierenden feiern miteinander, tauschen sich inhaltlich aus, zeigen sich tatsächlich interessiert an den Ideen den anderen. Wenn sich dieses Miteinander und ein bunter Reigen der hier präsentierten Ideen möglichst kurzfristig in die architektonische Praxis übertragen ließen, wäre es um die Disziplin nicht so schlecht bestellt, wie es mit Blick auf unsere gebaute Umwelt in Stadt und Land derzeit den Anschein macht.