ISBN 978 3 311 12045 2 | auch als E-Book
Lieber Max,
Täglich werden 3.500 bis 4.000 Autos über den Hindenburg-Damm auf die Insel transportiert. (Bild: Wilfried Dechau)
Täglich werden 3.500 bis 4.000 Autos über den Hindenburg-Damm auf die Insel transportiert. (Bild: Wilfried Dechau)
Anderseits drückst Du in klaren Worten aus, dass es eine Pest ist, wenn die Insel mit Autos geflutet wird: Zum Beispiel »gleich nach Neujahr der Megastau an der Westerländer Autoverladung, der fast bis Rantum reicht« oder ein andermal, als Kommissar Ed von einer Dienstreise nach Hamburg zurückkommt: »Seine Laune verbesserte sich auch nicht, als er bei der Autoverladung in Niebüll ankam. Die war zwar komplett leer, aber er musste trotzdem über eine Dreiviertelstunde warten, bis der Zug beladen war und endlich über das graue Land tuckelte.« Mir fehlen diese frustrierenden Erfahrungen mit dem Sylt-Shuttle. Ich kenne nur deren Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Der Shuttle ist nämlich eine wahre Goldgrube für die Bahn, also hat er immer Vorfahrt. Und das führt immer wieder zu Verspätungen im »normalen« Bahnverkehr.
Es brennt
Sauteuer und relativ vergeblich: Die Insel vor der Kraft des Meeres zu schützen, verschlingt Millionen. (Bild: Wilfried Dechau)
Sauteuer und relativ vergeblich: Die Insel vor der Kraft des Meeres zu schützen, verschlingt Millionen. (Bild: Wilfried Dechau)
Anfangs hatte ich erwartet, beim Lesen über kleine eingestreute Architektur-Kollegs zu stolpern. Dem war aber nicht so. Ganz verdutzt habe ich das Buch noch einmal Seite für Seite durchgeblättert und dann doch das eine oder andere gefunden, gut verpackt, versteckt. Ein paar Beispiele:
»Vorbei am Bahnhof, vor dem die seltsamen grünen Skulpturen standen, die sich gegen den Wind stemmten, ...« Tja, die dummerhaftigen Skulpturen stehen leider immer noch da. »Kunst am Bau« ist dagegen Hochkultur. Kunst in der Stadt kann peinlich bis unerträglich sein.
Architektur der Sylt-Romantik im VIP-Ort Kampen. Lasse (Sohn) zum Kommissar Ed Koch (Vater): ”Die Frage ist, ab wann ein System so sehr in sich selbst gefangen ist, ... dass eine radikale oder gar eine gewaltsame Veränderung notwendig wird.« (Bild: Wilfried Dechau)
Architektur der Sylt-Romantik im VIP-Ort Kampen. Lasse (Sohn) zum Kommissar Ed Koch (Vater): ”Die Frage ist, ab wann ein System so sehr in sich selbst gefangen ist, ... dass eine radikale oder gar eine gewaltsame Veränderung notwendig wird.« (Bild: Wilfried Dechau)
Über Keitum, das auf mich inzwischen wie ein Outlet-Center unter Reet wirkt, schreibst Du: »Da, wo erst Sylter gelebt hatten und später Feriengäste wohnten, lag nun eine Nobelboutique neben der nächsten. Die alten Kapitänshäuser dienten schon lange nicht mehr als Wohnungen für Kapitänswitwen.«
Kommissar Eds Ziel in Hamburg heißt Hopfensack. Du überlässt es Ed, sich über das Chilehaus zu äußern: »Tatsächlich erreichte er nach knapp zwei Stunden den Hopfensack in Hamburg, gleich neben dem berühmten Chilehaus von Fritz Höger. Wie immer, wenn er hier in der Gegend war, nahm er sich einen Moment, um das Gebäude zu bewundern. Doch so oft er sich schon dem Chilehaus gewidmet hatte, diesem expressionistischen Architekturfeuerwerk in Schiffsform, in dessen Fassade die Ziegel von Rot über Braun bis Blau changierten, die Straße »Hopfensack« hatte er bis dahin nie bewusst wahrgenommen.«
Sohn an den Kommissar zum Ergebnis der Debatte in der Schule: »Es gab die Idee, die Bürgermeisterin zu einer Diskussion einzuladen, um über die Insel und den Wohnraum zu sprechen«. Westerland, »zweite Reihe« in der Steinmannstraße (Bild: Wilfried Dechau)
Sohn an den Kommissar zum Ergebnis der Debatte in der Schule: »Es gab die Idee, die Bürgermeisterin zu einer Diskussion einzuladen, um über die Insel und den Wohnraum zu sprechen«. Westerland, »zweite Reihe« in der Steinmannstraße (Bild: Wilfried Dechau)
Sylter Rückseiten
Auf dem Keitumer Friedhof (Bild: Wilfried Dechau)
Auf dem Keitumer Friedhof (Bild: Wilfried Dechau)
Kirche in Keitum (Bild: Wilfried Dechau)
Kirche in Keitum (Bild: Wilfried Dechau)
Um diesen Turm, um das Morsum Kliff, um Nielsens Kaffeegarten, um das Café Wien, um den Weg zwischen Wattenmeer und Braderuper Heide, um den Ellenbogen, um den Leuchtturm »Langer Christian« täte es mir leid, wenn der »Blanke Hans« eines Tages die ganze Insel kassiert. Wir werden es wohl nicht mehr erleben, aber wir wissen, dass es so kommen wird. Kommissar Ed wird es wohl auch nicht mehr erleben. Den ersten Fall hat er gelöst, es werden doch wohl hoffentlich weitere Fälle folgen? Fragt Dich ein Leser, der sich bereits als Krimi-Verächter geoutet hat. Und ertappe mich dabei, darüber nachzudenken welche Musik sich als Erkennungsmelodie für die Max-Ziegler-Sylt-Krimi-Reihe taugen würde. Was hältst Du vom Adagietto aus Mahlers Fünfter? Natürlich nicht mit vollem Orchesterklang, sondern – zur Nordsee passend – auf dem Schifferklavier gespielt... Damit kannst Du glatt Donna Leon toppen.
Sylt-Wetter (Bild: Wilfried Dechau)
Sylt-Wetter (Bild: Wilfried Dechau)
The writer in disguise
Eine Frage habe ich dann doch noch: Wieso, lieber Max, verpasst Du Dir ein Pseudonym, wenn Du es im Klappentext gleich wieder auflöst? Wie auch immer: Wir hoffen, Du schreibst bereits am zweiten Fall von Kommissar Ed Koch.
(Bild: Wilfried Dechau)
(Bild: Wilfried Dechau)