Architekten | Wiesemann Architekten, Köln
Die Stadt genießt nicht gerade den Ruf, eine urbane Perle des Südwestens zu sein. Das Zentrum ist eigentlich nur ein Rest dessen, was Zweiter Weltkrieg und die Ideologie der "autogerechten Stadt" übrig ließen. Nachkriegsbauten von Rang gibt es, aber sie bedürfen wie alle anderen Bauten auch der Pflege. Wurde aber beispielsweise das baugeschichtlich hochrangige, wahrzeichenhafte BASF-Hochhaus von Hentrich & Petschnigg aus dem Jahr 1957 in den 1990er-Jahren noch saniert, entschied der Konzern 2013 doch den Abriss – ob das geplante neue Hochhaus gebaut wird, ist ungewiss.
Mit erheblichem Aufwand werden in Ludwigshafen derzeit auch die Spuren der einstigen Verkehrplanungsorgien zurückgebaut – das ist mühsam und außerdem teuer. Nahe eines solchen Verkehrsschlachtfeldes steht die Stadtbibliothek zentral in der Bismarckstraße, die rechtwinklig zur Hauptverkehrsachse, der B 37 (A 65), verläuft.
Ein Highlight in der Fassadenreihe der Bismarckstraße: die 1957 von Karl Lochner (1895-1977) gebaute Stadtbibliothek. Das Ziegelrelief stammt von Karl-Heinz Deutsch, es wurde 1990 als "Projektion" des ursprünglichen Betonreliefs von Ernst W. Kunz angebracht, um eine Dämmschicht einzufügen.
Ein Highlight in der Fassadenreihe der Bismarckstraße: die 1957 von Karl Lochner (1895-1977) gebaute Stadtbibliothek. Das Ziegelrelief stammt von Karl-Heinz Deutsch, es wurde 1990 als "Projektion" des ursprünglichen Betonreliefs von Ernst W. Kunz angebracht, um eine Dämmschicht einzufügen.
Lesen, Treffen, Hören, Stöbern
Barrierefreiheit im konkreten und übertragenen Sinn: Das Erdgeschoss wirkt als Schaufenster der Bibliothek.
Barrierefreiheit im konkreten und übertragenen Sinn: Das Erdgeschoss wirkt als Schaufenster der Bibliothek.
Barrierefreiheiten
Die mehrgeschossige Bibliothek als Einraum, Bezüge zum Außenraum vervollständigen diesen Eindruck.
Die mehrgeschossige Bibliothek als Einraum, Bezüge zum Außenraum vervollständigen diesen Eindruck.
Digital Natives
Fließender Raum
Architekten: Wiesemann Architekten, Heribert Wiesemann, Köln
Mitarbeiter: V. Keulen, C. Korting, S. Janson, E. Goal
Bauleitung: Slena Planungsgesellschaft
Tragwerksplaner: Stümpert Strunk, Ludwigshafen
HLS: Haltern Ingenieure
ELT: EPL, Wiesbaden
(Fotografien: Ursula Baus, Wilfried Dechau)
Ludwigshafen, Berliner Platz
Ludwigshafen-Mitte, Berliner Platz; Blick von der Bahnhofsunterführung aus Richtung Westen. Links am Flachbau vorbei verläuft die Bismarckstraße.
Ludwigshafen-Mitte, Berliner Platz; Blick von der Bahnhofsunterführung aus Richtung Westen. Links am Flachbau vorbei verläuft die Bismarckstraße.
Zeigt das Beispiel der Ludwigshafener Stadtbibliothek, wie wichtig und machbar der Erhalt ortstypischer, Identität festigender Gebäude ist, lässt sich nicht akzeptieren, dass andernorts dergleichen nicht gelingt. In den letzten Wochen und Tagen schlägt ein Appell Wellen, mit dem in Bad Neuenahr ein herausragendes Ensemble europäischer Bäderarchitektur wenigstens teilweise gerettet werden soll. In Bad Neuenahr bildete 1858 ein Plan Peter Joseph Lennés den Ausgangspunkt für eine einzigartige Kurort-Entwicklung. In den 1930er-Jahren wurden Anlagen modernisiert und mit zeitgemäßen Bauten wie der Trinkhalle ergänzt. Hermann Weiser (Schüler von Peter Behrens) entwarf diese Anlagen, die nun abgerissen werden sollen. Die Stadt Bad Neuenahr erkennt den Handlungsbedarf bei diesen Bauten zurecht als aufwändig, ein Abriss – so die Unterzeichner des Appells – sei allerdings nicht gerechtfertigt.